Bei Volkswagen hat sich in Deutschland das Verhältnis zwischen Elektroautos und Verbrennern umgekehrt: Die Marke verbucht hierzulande inzwischen mehr Bestellungen für batterieelektrische Modelle als für Benziner und Diesel. Das hat VW-Vertriebsvorstand Martin Sander gegenüber der Fachzeitung Automobilwoche erklärt; heise online, electrive und ecomento haben die Angaben aufgegriffen. Der Konzern reagiert darauf mit einer Umverteilung seiner Produktion zwischen den deutschen Werken.

Was sich in den Werken ändert

Die Verschiebung trifft die drei großen VW-Standorte unterschiedlich:

WerkModelleÄnderung
WolfsburgGolf, Tiguan, Tayron (Verbrenner)Geplante Zusatzschichten entfallen, rund 580.000 statt über 600.000 Autos in 2026
EmdenID.7, ID.7 Tourer; später ID. TiguanID.7-Fertigung: zwei oder mehr Extraschichten vorgesehen
ZwickauID.3 Neo, Audi Q4 e-tron, Cupra BornBessere Auftragslage, vor allem durch den ID.3 Neo

Quellen: Automobilwoche via electrive, ecomento und heise online (Stand: 24.09.2026).

Nach Angaben von ecomento entspricht die Kürzung in Wolfsburg ab Oktober etwa 20.000 Fahrzeugen pro Quartal. Das Stammwerk würde damit ungefähr auf dem Niveau des Vorjahres bleiben. Offiziell bestätigte Schichtpläne hat Volkswagen bislang nicht veröffentlicht.

Besonders bemerkenswert ist die Lage in Emden und Zwickau. Beide Werke waren erst im Frühjahr 2026 von zwei auf eine Fertigungslinie zurückgefahren worden, weil die E-Auto-Nachfrage damals hinter den Planungen zurückblieb. Jetzt müssen sie wieder zusätzliche Schichten einlegen. VW hatte seine Produktionsplanung für 2026 offenbar auf einen langsameren Hochlauf ausgelegt.

Ein weißer VW ID.7 auf der Montagelinie im Werk Emden, dahinter Mitarbeitende und Gäste
Bild: Volkswagen (Archivbild vom Produktionsstart des ID.7, 2023)

Warum die Nachfrage kippt

Sander nennt vor allem zwei Treiber: die gestiegenen Spritpreise und eine spürbar wachsende Nachfrage nach Elektroautos in Deutschland und anderen europäischen Ländern. Hinzu kommt der seit April erhältliche ID.3 Neo, der sich laut den Berichten gut verkauft.

Die offiziellen Zulassungszahlen stützen das Bild. Nach Daten des Kraftfahrt-Bundesamts kamen im August 2026 in Deutschland 68.930 neue reine Elektroautos auf die Straße, ein Plus von 75,1 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Ihr Anteil an allen Neuzulassungen lag bei 32,4 Prozent. Neue Benziner gingen im selben Monat um 37,9 Prozent zurück. Mehr dazu in unserem Überblick zu den ACEA- und KBA-Zahlen bis August.

Wichtig für die Einordnung: Bestellungen sind nicht Zulassungen. Zwischen Auftrag und Auslieferung vergehen oft Monate, bei neuen Modellen noch mehr. Ob sich der Vorsprung bei den Aufträgen auch in der Zulassungsstatistik von Volkswagen niederschlägt, zeigt sich erst in den kommenden Monaten.

Die kleinen Stromer kommen erst noch

Ein großer Teil des Interesses richtet sich auf Autos, die noch gar nicht ausgeliefert werden. Die vier Kleinwagen der sogenannten Urban Electric Car Family kommen nach Sanders Angaben gemeinsam auf mehr als 100.000 Vorbestellungen. Dazu gehören der ID. Polo, das Schwestermodell ID. Cross sowie die Konzernableger Cupra Raval und Skoda Epiq. Allein auf den ID. Polo entfallen über 40.000. Diese Modelle werden in Spanien gebaut, entlasten also die deutschen Werke nicht direkt.

Was das für Käuferinnen und Käufer bedeutet

  • Lieferzeiten: Laut electrive müssen Interessenten beim ID. Polo mit rund zwölf Monaten Wartezeit rechnen. Wer ein kleines E-Auto zu einem festen Termin braucht, sollte das beim Händler vorab klären.
  • ID.7 und ID.3 Neo: Die Zusatzschichten in Emden und Zwickau sollen die Nachfrage abfedern. Konkrete neue Liefertermine hat VW nicht genannt.
  • Verbrenner: Golf, Tiguan und Tayron bleiben normal bestellbar. Die gestrichenen Zusatzschichten bedeuten weniger Mehrproduktion, keinen Produktionsstopp.

Der größere Zusammenhang

Die Umstellung fällt in eine schwierige Phase für den Konzern. Volkswagen will nach heise-Angaben weltweit rund 50.000 Stellen abbauen, etwa die Hälfte davon in Deutschland, und bis Juni 2027 ein Zukunftskonzept für seine Standorte vorlegen. Dass ausgerechnet die E-Werke Emden und Zwickau nun Zusatzschichten fahren, dürfte die Debatte über deren Auslastung neu beleben.

Häufige Fragen

Verkauft VW in Deutschland jetzt mehr E-Autos als Verbrenner?

Bei den Bestellungen ja, laut Vertriebsvorstand Martin Sander. Für die Zulassungen gibt es dazu noch keine Herstellerzahlen.

Welche VW-Werke bauen mehr Elektroautos?

Emden (ID.7, ID.7 Tourer) und Zwickau (ID.3 Neo, Audi Q4 e-tron, Cupra Born). In Wolfsburg werden dagegen Zusatzschichten für Verbrenner gestrichen.

Wie lange ist die Lieferzeit für den VW ID. Polo?

Laut electrive rund zwölf Monate. Volkswagen hat dazu keine offizielle Angabe veröffentlicht.