Volkswagen bittet Fahrer bestimmter Elektroautos, ihren Akku vorerst nicht mehr über 80 Prozent zu laden. Grund ist eine mögliche Brandgefahr in der Hochvoltbatterie. In den USA hat der Konzern deshalb 22.524 VW ID.4 der Modelljahre 2023 bis 2026 offiziell zurückgerufen. Am 15. Oktober bestätigte VW, dass auch Fahrzeuge in Deutschland betroffen sind: der ID.4 und der baugleiche Cupra Born aus der Produktion vom 1. Januar 2023 bis 1. Februar 2025.
Wie viele Autos hierzulande genau betroffen sind, hat Volkswagen noch nicht offiziell mitgeteilt. Die Angaben in deutschen Medien gehen deutlich auseinander. Wir nennen deshalb bewusst keine Zahl, bis Hersteller oder Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) sie bestätigen.
Was ist das Problem mit dem Akku?
Nach den Unterlagen, die VW bei der US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA eingereicht hat, kann es bei bestimmten Ladeprofilen in Kombination mit einem Ladestand über 80 Prozent zu einer sogenannten thermischen Propagation kommen. Gemeint ist eine Kettenreaktion: Überhitzt eine einzelne Zelle, greift die Hitze auf benachbarte Zellen über. Im schlimmsten Fall brennt das Fahrzeug.
Ursache sind laut VW Fertigungsfehler bei einzelnen Batteriezellen eines externen Zulieferers. Für die US-Fahrzeuge nennen die NHTSA-Dokumente SK Battery America als Zellhersteller. Volkswagen geht davon aus, dass nur ein sehr kleiner Teil der Fahrzeuge den Fehler tatsächlich aufweist – in den US-Unterlagen ist von rund 0,1 Prozent die Rede. Weil sich die betroffenen Exemplare aber nicht ohne Prüfung erkennen lassen, gilt die Vorsichtsmaßnahme für alle Autos aus dem fraglichen Zeitraum.
In den USA sind nach VW-Angaben 22 Fälle dokumentiert, in denen Fahrzeuge ohne äußere Einwirkung – also etwa ohne Unfall – Feuer gefangen haben. Die Vorfälle reichen von Januar 2024 bis August 2026.

Welche Modelle sind in Deutschland betroffen?
Sicher bestätigt sind bisher zwei Modelle, die auf derselben Plattform (MEB) und mit denselben Akkus gebaut werden:
| Modell | Produktionszeitraum | Status |
|---|---|---|
| VW ID.4 | 1. Januar 2023 – 1. Februar 2025 | von VW bestätigt |
| Cupra Born | gleicher Zeitraum | von VW bestätigt |
| VW ID.3 | – | laut auto motor und sport betroffen, Details offen |
| ID.5, ID. Buzz | – | in einzelnen Berichten genannt, von VW nicht bestätigt |
| Skoda (Enyaq, Elroq) | – | laut VW nicht betroffen |
| Audi (Q4 e-tron) | – | wird noch geprüft |
Für Halter heißt das: Entscheidend ist nicht das Modell allein, sondern die Fahrgestellnummer (FIN). Eine Vertragswerkstatt kann anhand der FIN sofort klären, ob Ihr Auto zu den betroffenen Fahrzeugen gehört.
Was müssen Halter jetzt tun?
Volkswagen informiert die betroffenen Halter schriftlich. Sie können aber schon jetzt selbst handeln:
- Ladegrenze auf 80 Prozent setzen. Das geht im Fahrzeugmenü über die Ladeeinstellungen (bei VW „Battery Care Mode“) oder in der App. Laut einem VW-Sprecher kann der Fehler bei einer Begrenzung auf 80 Prozent nicht auftreten.
- Per Software begrenzt: Bei Fahrzeugen mit aktiver Online-Verbindung stellt VW die Grenze per Over-the-Air-Update selbst ein. Zusätzlich soll ein Hinweisaufkleber im Innenraum an die Grenze erinnern.
- Werkstatt-Check: Fahrzeuge, deren Akkudaten sich nicht aus der Ferne auslesen lassen, werden zu einer Batterieprüfung beim Händler eingeladen.
- Endgültige Lösung abwarten: Eine dauerhafte Reparatur – je nach Befund ein Software-Update oder der Tausch einzelner Batteriemodule – ist noch in Entwicklung. Einen Termin dafür gibt es noch nicht.
Ob es für den Rückruf in Deutschland bereits KBA-Referenznummern gibt, ließ sich in der offiziellen Datenbank des Amts bisher nicht prüfen. Wir ergänzen sie, sobald sie dort veröffentlicht sind.
Was bedeutet die 80-Prozent-Grenze im Alltag?
Rechnerisch fehlt Ihnen ein Fünftel der nutzbaren Kapazität. Ein Rechenbeispiel: Schafft Ihr Auto im Alltag mit vollem Akku 400 Kilometer, bleiben bei 80 Prozent rund 320 Kilometer. Für Pendler, die meist zu Hause oder beim Arbeitgeber laden, ändert sich wenig – viele Hersteller empfehlen ohnehin, im Alltag nur bis 80 Prozent zu laden, weil das die Zellen schont.
Spürbar wird die Einschränkung auf der Langstrecke. Wer bisher vor der Urlaubsfahrt auf 100 Prozent geladen hat, muss nun einen zusätzlichen Ladestopp einplanen. Im Winter, wenn die Reichweite ohnehin sinkt, fällt das stärker ins Gewicht. Wie stark Kälte die Reichweite beeinflusst, erklären wir in unserem Ratgeber zur E-Auto-Reichweite im Winter.
Bitte beachten Sie: Die Grenze gilt als Sicherheitsmaßnahme. Auch wenn es verlockend ist, für eine lange Fahrt doch einmal voll zu laden – genau dieser Zustand ist nach VW-Angaben der Auslöser für das Risiko.
Nicht der erste Akku-Rückruf beim ID.4
Für Volkswagen ist das Thema nicht neu. Bereits im Januar 2026 hatte der Konzern in den USA 44.551 ID.4 zurückgerufen – damals wegen falsch ausgerichteter Elektroden in Batteriezellen, ebenfalls von SK Battery America. Der aktuelle Rückruf ist davon getrennt und betrifft ein anderes Fehlerbild.
Für VW kommt die Nachricht zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Der Konzern hatte zuletzt gemeldet, dass in Deutschland mehr Elektroautos als Verbrenner bestellt werden. Zudem steht mit dem ID. Tiguan der Nachfolger von ID.4 und ID.5 bereits in den Startlöchern. Erst im September musste der Konzern außerdem knapp eine Million Verbrenner wegen einer rostenden Schraube am Lenkgetriebe in die Werkstätten holen.
Häufige Fragen
Darf ich meinen ID.4 oder Cupra Born weiterfahren?
Ja. Ein Fahrverbot gibt es nicht. Laut VW genügt es, den Akku höchstens bis 80 Prozent zu laden, bis die endgültige Lösung bereitsteht.
Woher weiß ich, ob mein Auto betroffen ist?
VW schreibt die Halter an. Schneller geht es über eine Vertragswerkstatt: Mit der Fahrgestellnummer aus dem Fahrzeugschein (Feld E) lässt sich der Status sofort prüfen.
Kostet mich der Rückruf etwas?
Batterieprüfung, Software-Update oder ein möglicher Modultausch im Rahmen eines Rückrufs sind für Halter kostenlos.
Ist mein Skoda Enyaq betroffen?
Nach Angaben von Volkswagen nicht, weil dort Akkus aus einer anderen Charge verbaut sind. Für Audi läuft die Prüfung noch.
Wie viele Autos sind in Deutschland betroffen?
Eine offizielle Zahl hat VW noch nicht genannt. Belastbar ist bisher nur die US-Zahl von 22.524 ID.4.
Titelbild: Volkswagen (Pressefoto VW ID.4, Modelljahr 2024, symbolisch).











