Ein Rechenzentrum für künstliche Intelligenz soll künftig nicht mehr auf der Baustelle entstehen, sondern in der Fabrik: NVIDIA hat am 21. Oktober 2026 auf der GTC Berlin das Referenzdesign DSX POD vorgestellt. Dahinter stecken komplette KI-Rechenzentren auf Basis der Plattform Vera Rubin, die Partnerfirmen in modularen Containern zusammenbauen, verkabeln und vor der Auslieferung prüfen. Ist der Standort vorbereitet, soll der Aufbau vor Ort laut NVIDIA von rund sechs Monaten auf 14 Tage schrumpfen.

Konzernchef Jensen Huang stellte das Konzept in seiner Keynote im Berliner Tempodrom vor (11 bis 13 Uhr MESZ). Ausgeliefert werden sollen die ersten Systeme Anfang 2027.

Was ist DSX POD genau?

NVIDIA spricht seit einiger Zeit von „KI-Fabriken“ – Rechenzentren, deren eigentliches Produkt Tokens sind, also die Textbausteine, die KI-Modelle erzeugen. DSX POD ist kein einzelnes Gerät, sondern eine Bauanleitung: Sie legt fest, wie Rechenleistung, Netzwerk, Kühlung und Stromverteilung in einem Container zusammenspielen. Gebaut werden die Container nicht von NVIDIA selbst, sondern von Partnern.

Der Gedanke dahinter ist simpel: Wer Hunderte Komponenten erst am Zielort montiert, ist von Lieferverzögerungen, Handwerkerkapazitäten und Fehlern bei der Installation abhängig. Im Werk lässt sich derselbe Aufbau standardisiert erledigen und vor dem Versand testen. Vor Ort müssen die Module dann vor allem angeschlossen werden.

Eine Einschränkung nennt NVIDIA selbst: Die 14 Tage gelten nur, wenn Strom-, Wasser- und Netzanschlüsse am Standort bereits fertig sind. Genau das dauert in Deutschland häufig am längsten – der Netzanschluss für große Rechenzentren ist vielerorts der eigentliche Engpass.

NVIDIA DSX: Aufbauzeit und Effizienz laut Hersteller
Grafik: dasTECHNO · Daten: NVIDIA Newsroom, 21.10.2026

Die 180 Tage im Diagramm entsprechen den „sechs Monaten“, die NVIDIA als bisherige Bauzeit angibt. Alle Werte stammen vom Hersteller und wurden nicht unabhängig überprüft.

Wer baut die Container?

NVIDIA nennt 17 Partner für Rechentechnik und Infrastruktur:

BereichPartner
Server und SystemeDell Technologies, HPE, Lenovo, Bull, QCT, GIGABYTE, Wistron, Pegatron, Foxconn-Tochter Ingrasys
Strom und KühlungDelta, Eaton, Schneider Electric, Vertiv
Betreiber und SpezialanbieterAnduril, Armada, Crusoe, DayOne

Aus europäischer Sicht stechen der französische Hersteller Bull und Schneider Electric heraus. Die meisten anderen Namen sind die bekannten Server-Lieferanten aus den USA und Taiwan.

„Eine KI-Fabrik schafft Wert, wenn sie Tokens produziert – nicht, wenn der Bau abgeschlossen ist“, sagte Jensen Huang.

Wie viel Wasser und Strom soll DSX sparen?

Parallel zu DSX POD hat NVIDIA eine zweite Mitteilung zur gesamten DSX-Architektur veröffentlicht, zu der die Container gehören. Die wichtigsten Herstellerangaben:

  • Wasser: Geschlossene Flüssigkeitskreisläufe und Trockenkühler sollen den Wasserverbrauch für die Kühlung um bis zu 100 Prozent senken. Bei einer Anlage mit 2 Gigawatt entspreche das bis zu 54 Millionen Litern pro Tag gegenüber Kühltürmen – so viel, wie etwa 180.000 Haushalte täglich verbrauchen.
  • Temperatur: Das Kühlmittel darf bis zu 45 Grad Celsius warm sein. Je wärmer es sein darf, desto eher reicht Außenluft zum Rückkühlen.
  • Strom: Die Steuerung DSX MaxLPS verteilt das vorhandene Strombudget dynamisch und soll dieselbe Token-Menge mit bis zu 30 Prozent weniger Energie erzeugen. Beim Cloud-Anbieter Nscale auf Island stieg der Durchsatz auf vier GB300-Racks um 49 Prozent, bei Lambda auf HGX-B200-Systemen um 24 Prozent – jeweils bei gleichem Stromlimit.
  • Netz: In einem Versuch mit National Grid, Nebius, Emerald AI und EPRI in Großbritannien senkte ein Cluster bei simulierten Netzengpässen seine Leistungsaufnahme um bis zu 40 Prozent, ohne kritische Aufgaben zu unterbrechen.

Auf der Software- und Planungsseite sind auch deutsche Konzerne beteiligt: Siemens simuliert mit DSX Sim Strom, Kühlung und Akustik solcher Anlagen, Siemens Energy gehört zu den Energiepartnern. Dazu kommen unter anderem ABB, Hitachi Energy, GE Vernova, Trane Technologies und Dassault Systèmes.

Video: NVIDIA · YouTube
Im offiziellen Video zeigt NVIDIA, wie die Container-Module aufgebaut sind und angeschlossen werden.

Was bedeutet das für Deutschland und Europa?

Für Betreiber in Europa adressiert DSX POD zwei Probleme gleichzeitig: Zeit und Ressourcen. Wer eine KI-Anlage schneller in Betrieb nimmt, verdient früher Geld – das ist Huangs zentrales Argument. Und Rechenzentren stehen hierzulande wegen ihres Strom- und Wasserbedarfs zunehmend in der Kritik; ein Design ohne Verdunstungskühlung dürfte Genehmigungsverfahren erleichtern.

Zwei Punkte relativieren das Versprechen allerdings:

  1. Der Netzanschluss bleibt das Nadelöhr. Container können schnell geliefert werden, die Stromleitung zum Grundstück nicht. Die 14 Tage beginnen erst, wenn der Standort fertig erschlossen ist.
  2. Die Abhängigkeit bleibt. NVIDIA verkauft das Konzept gern als Beitrag zu mehr europäischer Rechenkapazität. Chips, Netzwerktechnik und die Steuerungssoftware stammen aber weiterhin von NVIDIA. Europa bekommt so mehr eigene Rechenzentren – technologisch unabhängiger wird es dadurch kaum.

Ob die Herstellerzahlen im Betrieb halten, wird sich erst zeigen, wenn die ersten Container 2027 laufen. Wie stark NVIDIA derzeit auf Europa setzt, zeigen auch der Rekordlauf auf dem Jülicher Supercomputer JUPITER und der Einstieg beim Gesundheitsportal Doctolib.

Häufige Fragen

Was ist NVIDIA DSX POD?

Ein Referenzdesign für komplette KI-Rechenzentren auf Basis von NVIDIA Vera Rubin, die Partner in modularen Containern bauen und vor der Auslieferung testen.

Wie schnell lässt sich ein DSX POD aufbauen?

Laut NVIDIA in bis zu 14 Tagen statt rund sechs Monaten – allerdings nur an einem Standort, an dem Strom- und Versorgungsanschlüsse bereits fertig sind.

Ab wann ist DSX POD erhältlich?

Die Partner sollen DSX-POD-Systeme ab Anfang 2027 weltweit ausliefern. Preise hat NVIDIA nicht genannt.

Kann man DSX POD direkt bei NVIDIA kaufen?

Nein. NVIDIA liefert das Design und die Komponenten, gebaut und verkauft werden die Container von Partnern wie Bull, Dell, HPE, Lenovo oder Vertiv.