Wer auf ein Elektroauto umsteigt, muss beim E-Auto laden umdenken: Statt einer Zapfsäule mit einem Literpreis gibt es die Wallbox in der Garage, langsame und schnelle Ladesäulen, Dutzende Ladekarten und Preise, die je nach Anbieter um mehr als das Doppelte auseinanderliegen. Dieser Ratgeber ordnet die Begriffe AC und DC, erklärt, was Sie bei der Wallbox beachten müssen, und rechnet vor, was 100 Kilometer zu Hause und unterwegs kosten. Grundlage sind Daten der Bundesnetzagentur, des BDEW, des Umweltbundesamts sowie die Tarifseiten von ADAC und EnBW (Stand: Oktober 2026).

Was ist der Unterschied zwischen AC- und DC-Laden?

Das Stromnetz liefert Wechselstrom (AC), die Batterie im Auto speichert Gleichstrom (DC). Irgendwo muss also umgewandelt werden, und genau daran unterscheiden sich die beiden Ladearten:

  • AC-Laden: Der Wechselstrom fließt ins Auto, das eingebaute Ladegerät (Onboard-Lader) wandelt ihn um. Dessen Leistung begrenzt das Tempo. Viele Modelle schaffen 11 kW, manche 22 kW, einige günstige nur 7 kW. Typisch für Wallbox, Normalladesäule am Supermarkt oder im Parkhaus.
  • DC-Laden: Die Ladesäule wandelt den Strom selbst um und speist den Akku direkt. Dadurch sind 50, 150 oder mehr als 300 kW möglich, abhängig davon, was Säule und Fahrzeug verkraften. Typisch für Schnelllader an Autobahn und Hauptstraßen.

In Europa haben sich zwei Stecker durchgesetzt: Typ 2 für AC und CCS (Combined Charging System) für DC. CCS ist im Grunde ein Typ-2-Stecker mit zwei zusätzlichen dicken Kontakten darunter. Das AC-Kabel für die Wallbox liegt meist im Kofferraum, das DC-Kabel hängt immer fest an der Säule.

AC-LadenDC-Schnellladen
Wo?Wallbox, NormalladesäuleSchnellladepark, Autobahn
Typische Leistung3,7 bis 22 kW (meist 11 kW)50 bis über 300 kW
SteckerTyp 2 (eigenes Kabel)CCS (Kabel an der Säule)
Was bremst?Onboard-Lader des AutosAkkutemperatur und Ladestand
Ladedauer 10–80 % bei 60-kWh-Akkurund 4 bis 5 Stunden bei 11 kWoft 20 bis 40 Minuten
Preisgünstigerteurer

Die Ladedauern in der Tabelle sind Faustwerte: 42 kWh (70 Prozent eines 60-kWh-Akkus) geteilt durch 11 kW ergeben knapp vier Stunden, dazu kommen Ladeverluste. Beim Schnellladen sinkt die Leistung ab etwa 80 Prozent Ladestand deutlich, deshalb nennen Hersteller fast immer die Zeit von 10 auf 80 Prozent. Ein kalter Akku lädt zudem langsamer; was das im Winter bedeutet, lesen Sie in unserem Ratgeber E-Auto-Reichweite: WLTP vs. Realität.

Wie viele Ladepunkte gibt es in Deutschland?

Öffentlich zugängliche Ladepunkte müssen ihre Betreiber bei der Bundesnetzagentur anzeigen. Aus diesen Meldungen entsteht das Ladesäulenregister, die amtliche Zählung. Zum Stichtag 1. September 2026 waren dort in Betrieb:

Ladesäulenregister (Bundesnetzagentur)1. August 20261. September 2026
Normalladepunkte156.399157.762
Schnellladepunkte55.66556.572
Installierte Ladeleistung9,22 GW9,38 GW

Innerhalb eines Monats kamen also gut 1.360 Normal- und rund 900 Schnellladepunkte hinzu. Normalladepunkte sind nach EU-Definition solche mit höchstens 22 kW, alles darüber zählt als Schnellladepunkt. Private Wallboxen in Garagen tauchen im Register nicht auf, denn die Anzeigepflicht gilt nur für öffentlich zugängliche Ladeinfrastruktur.

Brauche ich eine Wallbox oder reicht die Steckdose?

Rein technisch lädt fast jedes Elektroauto auch an der Haushaltssteckdose (Schuko), über das mitgelieferte Notladekabel. Dabei fließen meist nur rund 2,3 kW, ein leerer 60-kWh-Akku bräuchte also mehr als einen ganzen Tag. Wichtiger ist die Sicherheit: Normale Steckdosen und ältere Hausleitungen sind nicht für stundenlange Volllast ausgelegt. Für gelegentliches Nachladen ist das in Ordnung, als Dauerlösung raten Elektrofachbetriebe zur Wallbox.

Private Wallbox an einer Gartenmauer lädt einen weißen Kleinwagen
Foto: Fährtenleser, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Eine Wallbox ist eine fest installierte Ladestation mit eigener Absicherung. Sie lädt mit 11 kW etwa fünfmal so schnell wie die Steckdose, und das reicht in der Praxis, um ein Auto über Nacht voll zu bekommen. Beim Kauf lohnt ein Blick auf drei Punkte:

  1. Leistung: 11 kW sind der Standard. 22 kW bringen nur etwas, wenn Ihr Auto auch mit 22 kW AC laden kann, was viele Modelle nicht tun.
  2. Steuerbarkeit: Für die Vorteile nach § 14a EnWG (siehe unten) muss sich die Wallbox vom Netzbetreiber steuern lassen. Fast alle aktuellen Geräte können das.
  3. Installation: Den Anschluss übernimmt ein eingetragener Elektrofachbetrieb. Er prüft auch, ob die Hausleitung und der Zählerschrank die zusätzliche Last tragen.

Wer eine Photovoltaikanlage auf dem Dach hat, achtet zusätzlich auf eine PV-Überschussladung: Die Wallbox lädt dann bevorzugt mit eigenem Solarstrom. Wie das Melderecht bei kleinen Solaranlagen funktioniert, steht in unserem Ratgeber Balkonkraftwerk anmelden.

Muss ich meine Wallbox anmelden?

Ja. Seit dem 1. Januar 2024 gelten Wallboxen mit einer Anschlussleistung von mehr als 4,2 kW als steuerbare Verbrauchseinrichtungen nach § 14a Energiewirtschaftsgesetz. Laut Bundesnetzagentur bedeutet das:

  • Anmeldung vorab: Sie (in der Praxis meist Ihr Elektrobetrieb) melden die neue Wallbox vor der Inbetriebnahme beim örtlichen Netzbetreiber an, nicht beim Stromanbieter.
  • Drosselung im Notfall: Droht eine Überlastung des Ortsnetzes, darf der Netzbetreiber die Leistung vorübergehend reduzieren, aber nie unter 4,2 kW. Das genügt laut Behörde, um in zwei Stunden Strom für rund 50 Kilometer nachzuladen.
  • Geringere Netzentgelte: Im Gegenzug zahlen Sie weniger. Zur Wahl stehen eine pauschale Reduzierung (Modul 1), ein um 60 Prozent reduzierter Arbeitspreis beim Netzentgelt (Modul 2, setzt einen separaten Zähler voraus) und seit April 2025 zusätzlich zeitvariable Netzentgelte (Modul 3, nur in Kombination mit Modul 1).

Welches Modul sich lohnt, hängt vom Verbrauch ab: Wer viel fährt und einen zweiten Zähler setzen lassen kann, profitiert eher von Modul 2. Die genauen Beträge legt jeder Netzbetreiber selbst fest; sie stehen auf seiner Internetseite oder im Preisblatt.

Was kostet das Laden zu Hause?

Zu Hause zahlen Sie Ihren normalen Stromtarif. Laut der Strompreisanalyse des Branchenverbands BDEW lag der durchschnittliche Haushaltsstrompreis 2026 bis August bei 37,0 Cent pro kWh. Davon entfallen 15,2 Cent auf Beschaffung und Vertrieb, 9,2 Cent auf Netzentgelte und 12,6 Cent auf Steuern, Abgaben und Umlagen. Genau beim Netzentgelt setzt die Ermäßigung nach § 14a an.

Einige Versorger bieten eigene Autostromtarife oder dynamische Tarife an, bei denen der Preis stündlich der Börse folgt. Sie lohnen sich, wenn das Auto ohnehin nachts oder mittags am Kabel hängt, setzen aber ein intelligentes Messsystem voraus.

Was kostet das Laden an der Ladesäule?

Unterwegs ist der Preis vor allem eine Frage des Vertrags. Wer mit einer Ladekarte oder App eines Anbieters lädt, zahlt dessen Tarif, auch an Säulen fremder Betreiber (Roaming). Zwei Beispiele aus den offiziellen Tarifseiten:

Anbieter / TarifGrundgebührPreis pro kWhBlockiergebühr
ADAC e-Charge an Aral pulsekeine0,55 €keine
ADAC e-Charge bei anderen Betreibernkeine0,75 €15 ct/min nach 120 min (AC) bzw. 45 min (DC)
EnBW mobility+ an Fremdsäulenje nach Tarif S, M, L0,56 bis 0,89 €10 ct/min ab 4 Stunden, max. 12 €

Die Tabelle ist eine Momentaufnahme; Ladepreise ändern sich häufiger als Spritpreise. Prüfen Sie den aktuellen Preis vor dem Start immer in der App oder am Display der Säule. Abonnements mit Grundgebühr senken den kWh-Preis an bestimmten Netzen spürbar: Beim Autobahn-Schnellladenetz Ionity etwa kosten die Abos 5,99 oder 11,99 Euro im Monat. Sie lohnen sich nur für Vielfahrer, die regelmäßig dort laden.

Blockiergebühren sollten Sie ernst nehmen: Sie sollen verhindern, dass voll geladene Autos die Säule belegen. Wer an einer AC-Säule über Nacht parkt, kann schnell mehr für die Standzeit als für den Strom zahlen.

Kann ich ohne Ladekarte laden?

Ja, und das wird einfacher. Die EU-Verordnung über die Infrastruktur für alternative Kraftstoffe (AFIR) gilt seit dem 13. April 2024. Seitdem müssen neu errichtete öffentliche Ladepunkte ab 50 kW das spontane Laden (Ad-hoc) mit Debit- oder Kreditkarte ermöglichen, ohne Vertrag und ohne App. Der Preis muss sich dort nach der geladenen Strommenge in kWh richten und vorab klar angezeigt werden. Ältere Schnelllader an den wichtigen europäischen Verkehrsachsen müssen bis Anfang 2027 nachgerüstet werden.

Bequem ist das Ad-hoc-Laden, günstig meist nicht: Die Preise ohne Vertrag liegen in der Regel über denen mit Ladekarte. Für gelegentliche Langstrecken reicht es trotzdem oft aus. Noch komfortabler ist Plug & Charge: Unterstützen Auto und Säule den Standard, startet und bezahlt der Ladevorgang automatisch, sobald der Stecker sitzt.

Was kosten 100 Kilometer? Ein Rechenbeispiel

Für einen direkten Vergleich nehmen wir ein Kompaktauto mit 18 kWh Verbrauch auf 100 Kilometer inklusive Ladeverlusten an. Die Preise stammen aus den Abschnitten oben, es handelt sich um eine Beispielrechnung, nicht um Messwerte:

LadeortPreis pro kWhKosten für 100 km
Zu Hause, BDEW-Durchschnitt0,37 €6,66 €
Ladesäule mit Ladekarte, günstig0,55 €9,90 €
Ladesäule mit Ladekarte, Roaming0,75 €13,50 €
Teuerster Wert im EnBW-Roaming0,89 €16,02 €

Der Unterschied ist groß: Wer überwiegend zu Hause lädt, zahlt pro Kilometer weniger als die Hälfte dessen, was ein reiner Säulenlader im Roaming ausgibt. Ein eigener Stellplatz mit Wallbox ist deshalb der größte Kostenhebel beim Elektroauto, noch vor der Wahl der Ladekarte.

Was ist die THG-Prämie?

Halterinnen und Halter eines reinen Batterieelektroautos können jedes Jahr an der Treibhausgasminderungsquote (THG-Quote) teilnehmen. Hintergrund: Mineralölkonzerne müssen ihren CO₂-Ausstoß senken und können dafür Einsparungen aus Elektromobilität anrechnen. Das Umweltbundesamt bescheinigt pro zugelassenem E-Auto eine pauschal geschätzte Strommenge für das Laden zu Hause; Sie brauchen dafür im Wesentlichen den Fahrzeugschein.

Geld gibt es aber nicht vom Staat. Laut Umweltbundesamt entstehen Erlöse erst, wenn ein Vertrag mit einem quotenverpflichteten Unternehmen geschlossen wird. In der Praxis übernehmen das spezialisierte Dienstleister, die die Mengen bündeln. Die Höhe der Prämie richtet sich nach dem Markt und schwankt von Jahr zu Jahr. Vergleichen Sie Angebote deshalb genau und achten Sie darauf, ob ein fester Betrag oder nur eine Schätzung zugesagt wird.

Häufige Fragen

Wie lange dauert es, ein E-Auto zu laden?

Das hängt von Akkugröße und Ladeleistung ab. Als Faustformel teilen Sie die nachzuladende Energiemenge durch die Ladeleistung: 40 kWh an einer 11-kW-Wallbox dauern knapp vier Stunden, an einem Schnelllader mit 150 kW oft nur 20 bis 30 Minuten, weil die Leistung zum Ende hin sinkt.

Schadet häufiges Schnellladen dem Akku?

Schnellladen belastet die Zellen stärker als langsames AC-Laden, das Batteriemanagement schützt sie aber durch Temperaturkontrolle und Leistungsbegrenzung. Wer im Alltag überwiegend an der Wallbox lädt und DC vor allem auf Reisen nutzt, macht nichts falsch.

Darf ich als Mieter eine Wallbox installieren?

Mieter und Wohnungseigentümer haben in Deutschland grundsätzlich einen Anspruch darauf, dass der Einbau einer Ladestation gestattet wird. Die Kosten trägt in der Regel, wer die Wallbox haben möchte. Klären Sie Details wie Stellplatz und Leitungsweg vorab mit Vermieter oder Eigentümergemeinschaft.

Welche Ladekarte ist die beste?

Die eine beste Karte gibt es nicht. Wer meist in einer Region lädt, fährt mit dem Tarif des dort stärksten Betreibers gut. Für Reisen sind Karten ohne Grundgebühr praktisch, für Vielfahrer auf der Autobahn ein Abo beim jeweiligen Schnellladenetz. Viele Fahrer kombinieren zwei Karten.

Lohnt sich bidirektionales Laden schon?

Technisch können einige Autos Strom ins Haus oder Netz zurückspeisen. Die Regeln dafür werden gerade geschaffen; mehr dazu in unserer Meldung zu den neuen Vorgaben der Bundesnetzagentur für Heimspeicher und E-Autos.

Fazit

Beim E-Auto entscheidet der Ladeort über die Kosten. Mit einer 11-kW-Wallbox zahlen Sie den Haushaltsstrompreis von im Schnitt rund 37 Cent und bekommen über § 14a zusätzlich günstigere Netzentgelte, wenn Sie die Box beim Netzbetreiber anmelden. Unterwegs liegen die Preise mit Ladekarte meist zwischen 55 und 75 Cent, im Roaming auch darüber. AC-Laden ist die Lösung für Garage, Arbeitsplatz und Supermarkt, DC-Schnellladen für die Langstrecke. Wer beides kombiniert, den Preis vor jedem Ladevorgang prüft und die jährliche THG-Prämie mitnimmt, fährt mit dem Elektroauto deutlich günstiger als mit einem reinen Säulenalltag.