Fast neun Jahre nach der ersten Ankündigung hat Tesla den neuen Roadster gezeigt – und zwar nicht in einem Designstudio, sondern auf dem Raketen-Testgelände von SpaceX bei Waco in Texas. In der Nacht auf Freitag deutscher Zeit hob der Sportwagen dort mit Hilfe von Kaltgas-Düsen kurz vom Boden ab und sprang über mehrere andere Tesla-Modelle. Verkauft wird der Wagen in drei Paketen namens Performance, Thrust und Rocket; die Reservierung beginnt in den USA bei 50.000 Dollar, die Produktion soll 2028 anlaufen.

Für Interessenten in Deutschland bleiben die wichtigsten Fragen offen: Was der Wagen am Ende kostet, wann er hierzulande ankommt und ob die Düsen-Technik im Straßenverkehr überhaupt zugelassen werden kann. Wir ordnen ein, was bisher bekannt ist.

Drei Pakete: Was unterscheidet Performance, Thrust und Rocket?

Statt eines einzigen Modells bietet Tesla den Roadster in drei Ausbaustufen an, die jeweils eine Fähigkeit oben drauf setzen:

PaketSitzeEinsatzzweck laut TeslaBesonderheit0–96 km/h (Herstellerangabe)Reservierung (USA)
Performance2StraßeAktive Aerodynamik, Ansaugsystem für mehr Bodenhaftungunter 1,6 s50.000 $
Thrust2RennstreckeZusätzliche Kaltgas-Düsen im Heckunter 0,9 s250.000 $
Rocket1Flug-Demonstration10 Düsen, kann kurzzeitig abhebenunter 0,59 snur auf Einladung

Bei der Präsentation maß Tesla für den Sprint von 0 auf 60 Meilen pro Stunde (rund 96 km/h) 0,81 Sekunden. Die Reichweite gibt Tesla für alle drei Pakete mit etwa 300 Meilen (rund 480 km) an, die Höchstgeschwindigkeit mit mehr als 230 mph (über 370 km/h). Zur Akkugröße und zur Ladeleistung gibt es noch keine Angaben – ein vollständiges Datenblatt fehlt bislang.

Wie funktionieren die Kaltgas-Düsen?

Das auffälligste Merkmal ist die Technik, die Tesla gemeinsam mit SpaceX entwickelt hat. Die Düsen verbrennen nichts: In Hohlräumen der Karosserie sitzen kohlefaserummantelte Druckbehälter mit zusammen rund 600 Litern Druckluft. Wird diese gezielt ausgestoßen, entsteht Schub. In der Rocket-Version verteilen sich zehn solcher Düsen über das Fahrzeug, sodass der Wagen nicht nur beschleunigen, sondern auch kurz abheben und in der Luft die Richtung ändern kann.

Laut Tesla erzeugen die Düsen ein Vielfaches – die Rede ist vom Vier- bis Fünffachen – dessen, was die Reifen an Kraft auf die Straße bringen können. Genau das ist der Trick hinter den Beschleunigungswerten: Die Haftgrenze der Reifen ist nicht mehr das Limit. Elon Musk fasste es auf der Bühne mit einem Zitat aus „Zurück in die Zukunft" zusammen: „Where we're going, we don't need wheels."

Wichtig zur Einordnung: Alles, was bei der Show zu sehen war, lief unter kontrollierten Bedingungen auf einem abgesperrten Gelände. Unabhängige Messungen gibt es nicht.

Wirklich neu? Der Vergleich mit dem McMurtry Speirling

Ganz ohne Vorbild ist der Roadster nicht. heise weist darauf hin, dass das Ansaugsystem des Performance-Pakets – ein Gebläse, das den Wagen förmlich an den Asphalt saugt – an den britischen Elektro-Rennwagen McMurtry Speirling erinnert. Der arbeitet seit Jahren mit diesem Prinzip und hat damit auf Bergrennen und Rundstrecken Rekorde aufgestellt. Neu bei Tesla sind vor allem die Kaltgas-Düsen; das „Festsaugen" auf der Straße kennt die Szene bereits.

Tesla Roadster: Ankündigung 2017 vs. Vorstellung 2026
Grafik: dasTECHNO · Daten: Tesla (Präsentationen 2017 und 15.10.2026), TechCrunch, Electrek · Herstellerangaben

Was hat sich seit 2017 geändert?

Der Vergleich mit dem roten Prototyp von 2017 fällt gemischt aus. Bei der Beschleunigung übertrifft der neue Roadster die damaligen Versprechen dank Düsen-Technik deutlich. Dafür ist die Reichweite mit rund 480 statt etwa 1.000 Kilometern ungefähr halbiert, die Rücksitze sind entfallen, und die angegebene Höchstgeschwindigkeit liegt niedriger. Auch der Zeitplan hat sich verschoben: Ursprünglich sollte der Wagen schon 2020 in Produktion gehen.

Beim Design orientiert sich Tesla nach eigenen Worten an den Militärflugzeugen SR-71 und F-35. Den Bogen zieht das Unternehmen vom Model S/3/X/Y über den Cybertruck bis zum Robotaxi Cybercab und dem Roboter Optimus:

Optisch fallen versenkte Scheinwerfer, ein durchgehendes Rücklicht und das goldfarben getönte Glasdach auf. Die aktiven Flügel, die im Streckenmodus ausfahren, bewegen Aktuatoren aus der Entwicklung des Optimus-Roboters.

Kann man den Roadster in Deutschland reservieren – und was kostet er?

Die offiziellen Beträge, die Tesla nennt, gelten für die USA: 50.000 Dollar für Performance (5.000 Dollar sofort, 45.000 Dollar innerhalb von zehn Tagen) und 250.000 Dollar für Thrust. Mehrere deutsche Medien, darunter t3n und die Stuttgarter Zeitung, berichten, dass auch hierzulande dieselben Beträge in Euro fällig werden – also 50.000 bzw. 250.000 Euro. Die deutsche Tesla-Seite war für uns nicht abrufbar, die Euro-Beträge konnten wir daher nicht selbst beim Hersteller nachprüfen.

Entscheidend: Das sind Reservierungsgebühren, kein Kaufpreis. Mit der Anzahlung sichern sich Kunden einen Platz in der Warteschlange; den endgültigen Preis legt Tesla erst später im Kaufvertrag fest. Wer reserviert, legt also eine fünf- bis sechsstellige Summe für ein Auto hin, dessen Preis und Liefertermin unbekannt sind.

Dürfte der Düsen-Roadster in Deutschland fahren?

Das ist die vielleicht spannendste Frage für Käufer in Europa – und darauf gibt es noch keine Antwort. Tesla bezeichnet selbst nur das Performance-Paket als straßentauglich. Die Rocket-Variante ist laut Hersteller nicht für den öffentlichen Verkehr gedacht. Ob und in welcher Form die Thrust-Version mit Druckluft-Düsen eine EU-Typgenehmigung bekommen könnte, ist völlig offen; eine Zulassung für Deutschland liegt jedenfalls nicht vor. Tesla hat zudem angedeutet, dass nicht jede Variante in allen Regionen angeboten wird.

Realistisch betrachtet dürfte für deutsche Kunden zunächst – wenn überhaupt – das Performance-Paket in Frage kommen. Wie sich Teslas aktuelle Modelle hierzulande verkaufen, zeigt unser Bericht zu den Tesla-Auslieferungen im dritten Quartal.

Hintergrund: Ein Versprechen mit Verspätung

Der zweite Roadster wurde im November 2017 gemeinsam mit dem Elektro-Lkw Semi vorgestellt. Während der Semi inzwischen in Serie gebaut wird, rutschte der Sportwagen immer weiter nach hinten. Allein in diesem Jahr wurde die Präsentation mehrfach verschoben, zuletzt Anfang Oktober wegen schlechten Wetters. Dass die Show auf dem SpaceX-Gelände stattfand, ist Programm: Die Düsen-Technik wird als gemeinsames Projekt von Musks beiden Unternehmen präsentiert.

Laut t3n deutete Musk zudem an, dass der Roadster das letzte Tesla-Modell sein könnte, das noch von Menschen gesteuert wird – ein weiterer Hinweis darauf, wie stark das Unternehmen auf autonomes Fahren setzt. Ob der Zeitplan 2028 diesmal hält, bleibt abzuwarten. Wir hatten das Fahrzeug nicht selbst in der Hand; alle technischen Angaben stammen von Tesla.

Häufige Fragen

Was kostet der neue Tesla Roadster?

Einen Kaufpreis hat Tesla nicht genannt. Bekannt sind nur die Reservierungsgebühren: in den USA 50.000 Dollar (Performance) und 250.000 Dollar (Thrust). Deutsche Medien berichten von denselben Beträgen in Euro.

Wann kommt der Tesla Roadster?

Die Serienfertigung soll laut Tesla 2028 beginnen. Einen Liefertermin für Deutschland gibt es nicht.

Kann der Tesla Roadster wirklich fliegen?

Die Rocket-Version hob bei der Präsentation mit Kaltgas-Düsen kurz ab. Das war eine kontrollierte Vorführung; die Rocket-Variante gibt es nur auf Einladung und sie ist laut Tesla nicht für den Straßenverkehr vorgesehen.

Wie weit fährt der neue Roadster?

Tesla gibt rund 300 Meilen an, also etwa 480 Kilometer, für alle drei Pakete. Wie viel davon nach WLTP übrig bliebe, ist unbekannt.

Ist der Roadster in Deutschland zugelassen?

Nein. Für keine der Varianten liegt bisher eine Zulassung vor. Tesla nennt nur das Performance-Paket straßentauglich.

Titelbild: Tesla (offizieller X-Account).