Tesla und SpaceX prüfen offiziell einen Zusammenschluss. Das hat Elon Musk, Chef beider Unternehmen, in der Telefonkonferenz zu den SpaceX-Quartalszahlen am Dienstagabend (US-Zeit) bestätigt, in Deutschland war es da bereits die Nacht zum Mittwoch. Auf beiden Seiten wurden Sondergremien aus unabhängigen Verwaltungsratsmitgliedern eingesetzt, die über eine mögliche Fusion beraten. Musk selbst sitzt nicht mit am Tisch, und er dämpft die Erwartungen: Ein Deal sei alles andere als ausgemacht.

Was genau bestätigt wurde

Die Gremien heißen im US-Gesellschaftsrecht „Special Committees". Nach Musks Angaben gehen sie auf Forderungen von Aktionären zurück und bestehen ausschließlich aus Mitgliedern des Verwaltungsrats, die als unabhängig gelten. Ihre Aufgabe: prüfen, ob ein Zusammenschluss für die jeweils eigenen Anteilseigner fair wäre, und gegebenenfalls Bedingungen aushandeln.

Musk ist dabei ausgeschlossen. Als Vorstandschef und Großaktionär beider Firmen steht er auf beiden Seiten des Verhandlungstisches, das wäre ein klassischer Interessenkonflikt. Er beschrieb die Lage selbst als Gratwanderung, als würde er mit Stepptanz durch ein Minenfeld gehen („tap dancing through a minefield"). Zugleich ließ er keinen Zweifel daran, dass er die Idee für sinnvoll hält: Eine Kombination habe aus seiner Sicht viele Vorzüge.

Ein Ergebnis gibt es noch nicht. Die Gremien haben sich weder auf ein Umtauschverhältnis noch auf eine Struktur geeinigt. Erst wenn sie einen Vorschlag vorlegen, kommt dieser zur Abstimmung vor die Aktionäre. Wer jetzt von einer sicheren Fusion ausgehe, übertreibe, sagte Musk sinngemäß.

Die Zahlen hinter dem möglichen Deal

Gemessen an den aktuellen Börsenkursen wäre es die größte Unternehmensfusion der Geschichte. Fortune beziffert den Wert von SpaceX auf rund 2 Billionen und den von Tesla auf rund 1,5 Billionen US-Dollar. Laut Al Jazeera ist SpaceX derzeit das siebtwertvollste Unternehmen der Welt, Tesla liegt auf Platz elf.

Tesla + SpaceX: Börsenwert und Musks Anteil
Grafik: dasTECHNO · Daten: Fortune, Earnings Call SpaceX Q3 2026
SpaceXTeslaKombiniert (rechnerisch)
Börsenwert (ca.)2 Bio. US-$1,5 Bio. US-$3,5 Bio. US-$
Kapitalanteil Musk (ca.)45 %20 %rund ein Drittel
Stimmrechte Musk (ca.)82 %etwa so hoch wie sein Anteiloffen
BörsengangJuni 20262010–

Alle Werte sind Näherungen auf Basis der Kurse vom 20. Oktober. Ein tatsächliches Umtauschverhältnis würde von den Gremien festgelegt und könnte die Gewichte deutlich verschieben.

Warum die Abstimmung bei Tesla schwierig wird

Die höchste Hürde liegt bei Tesla. Dort müsste nach Musks Darstellung eine Mehrheit aller ausstehenden Aktien zustimmen, nicht bloß eine Mehrheit der tatsächlich abgegebenen Stimmen. Weil viele Kleinanleger erfahrungsgemäß gar nicht abstimmen, zählt jede fehlende Stimme faktisch als Nein. Musk nannte das selbst eine ziemlich hohe Hürde.

Bei SpaceX ist die Lage anders: Musk kontrolliert dort über Aktien mit Mehrfachstimmrecht rund 82 % der Stimmen. Gerade weil er so viel Macht hat, dürfte die Prüfung durch unabhängige Gremien aber auch für SpaceX-Aktionäre wichtig sein. Bemerkenswert: In Teslas Einladung zur Hauptversammlung, die das Unternehmen erst am Montag eingereicht hatte, taucht kein Fusionsvorschlag auf.

Was Musk sich von einer Fusion verspricht

Als gemeinsame Felder nannte Musk vor allem KI-Software, Chipdesign, Robotik und Konnektivität. Beide Firmen arbeiten bereits beim geplanten Chipwerk „Terafab" zusammen. Und Tesla ist finanziell schon mit der KI-Sparte von SpaceX verflochten: Im Januar hatte der Autohersteller rund 2 Milliarden US-Dollar in das KI-Geschäft gesteckt, das seit der Übernahme von xAI im Februar zu SpaceX gehört.

Kritiker dürften genau hier ansetzen. Zwischen beiden Verwaltungsräten gibt es personelle Überschneidungen; Fortune nennt etwa Ira Ehrenpreis, der in Ausschüssen beider Firmen sitzt. Ob die Gremien unabhängig genug sind, wird bei einer so großen Transaktion mit Sicherheit auch Gerichte und Aktionärsvertreter beschäftigen.

SpaceX mit starkem Quartal

Den Rahmen für die Ankündigung lieferten Zahlen, die die Erwartungen klar übertrafen. SpaceX setzte im dritten Quartal 2026 laut Fortune 14,58 Milliarden US-Dollar um, 161 % mehr als ein Jahr zuvor; Analysten hatten mit 12,86 Milliarden gerechnet. Unter dem Strich standen 4,4 Milliarden US-Dollar Gewinn, nach einem Verlust von 1,05 Milliarden im Vorjahresquartal.

SpaceX, Q3 2026Wert
Umsatz14,58 Mrd. US-$ (+161 %)
davon KI-Sparte7,56 Mrd. US-$
davon Starlink5,25 Mrd. US-$
Betriebsergebnis2,79 Mrd. US-$
Nettogewinn4,4 Mrd. US-$

Auffällig ist, dass das KI-Geschäft inzwischen mehr Umsatz bringt als Starlink. Ein großer Teil davon stammt laut NBC News aus der Vermietung von Rechenkapazität. Die Aktien beider Unternehmen legten nachbörslich zu, SpaceX deutlich stärker als Tesla.

Was das für Anleger in Deutschland bedeutet

Tesla-Aktien sind in Deutschland seit Jahren ein beliebtes Einzelinvestment, und seit dem Börsengang im Juni ist auch SpaceX für Privatanleger interessant geworden. Für sie heißt das vorerst: abwarten. Solange die Gremien keine Konditionen vorlegen, ist unklar, wie viele Anteile des kombinierten Konzerns es für eine Tesla- oder SpaceX-Aktie gäbe. Eine Anlageempfehlung ist das ausdrücklich nicht.

Für das Werk in Grünheide ändert sich kurzfristig nichts. Tesla selbst legt seine Quartalszahlen am 21. Oktober nach US-Börsenschluss vor, also in der Nacht auf Donnerstag deutscher Zeit. Dann dürfte die Fusionsfrage auch dort Thema sein. Wie sich Tesla im dritten Quartal bei den Auslieferungen geschlagen hat, lesen Sie in unserem Überblick zu den Q3-Zahlen.

Hintergrund: Musks Firmen wachsen zusammen

Die Fusionsdebatte kommt nicht aus dem Nichts. 2025 legte Musk die Plattform X mit seinem KI-Start-up xAI zusammen, im Februar 2026 übernahm SpaceX dann xAI in einem Deal, der mit 1,25 Billionen US-Dollar bewertet wurde. Schon in früheren Telefonkonferenzen hatte Musk eine engere Verbindung von Tesla und SpaceX nicht ausgeschlossen. Wie eng die Technik beider Firmen schon heute verzahnt ist, zeigte zuletzt der neue Tesla Roadster mit Raketentechnik. Und mit dem ersten Orbitalflug des Starship hat SpaceX gerade erst gezeigt, wo die Raumfahrtsparte technisch steht.

Häufige Fragen

Fusionieren Tesla und SpaceX?

Das ist noch offen. Bestätigt ist nur, dass Sondergremien beider Firmen einen Zusammenschluss prüfen. Einen Vertrag oder vereinbarte Konditionen gibt es nicht.

Warum verhandelt Elon Musk nicht selbst?

Weil er Chef und Großaktionär beider Unternehmen ist. Er würde mit sich selbst verhandeln. Deshalb übernehmen unabhängige Verwaltungsratsmitglieder.

Wie viel wäre ein fusionierter Konzern wert?

Nach aktuellen Kursen rund 3,5 Billionen US-Dollar. Das wäre mehr als bei jeder bisherigen Fusion, auch mehr als die 1,25 Billionen US-Dollar beim Zusammenschluss von SpaceX und xAI.

Müssen die Aktionäre zustimmen?

Ja. Bei Tesla wäre die Zustimmung einer Mehrheit aller ausstehenden Aktien nötig, was Musk selbst als hohe Hürde bezeichnet.

Titelbild: Daniel Oberhaus, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0.