Mercedes-Benz setzt beim automatisierten Fahren weiter auf NVIDIA. Am 16. Oktober 2026 haben beide Unternehmen erklärt, ihre strategische Partnerschaft für die nächste Generation von Fahrassistenz- und Automatisierungssystemen auszubauen. Der Stuttgarter Autobauer bringt sein Betriebssystem MB.OS und seine Sicherheitsentwicklung ein, der US-Chipkonzern Rechenplattform, Fahrsoftware und eine zusätzliche Sicherheitsebene.
Ein neues Auto oder einen Starttermin gibt es dabei nicht. Die Ankündigung zeigt aber, auf welcher technischen Basis die Assistenzsysteme künftiger Mercedes-Modelle entstehen sollen – und dass NVIDIA trotz weiterer Partner die zentrale Rolle behält.
Was genau wurde vereinbart?
Laut der Mitteilung im NVIDIA Newsroom geht es um ein Zusammenspiel mehrerer Bausteine. Mercedes-Benz steuert MB.OS bei, das neue Fahrfunktionen und Updates over the air ermöglicht. Darunter liegt NVIDIA Hyperion, also die Architektur aus Fahrzeugrechner und Sensorik. Die eigentliche Fahrintelligenz kommt aus dem Alpamayo Stack, einer kompletten Fahrsoftware, die mit KI-Reasoning arbeitet. Als weitere Absicherung dient NVIDIA Halos: ein paralleler Sicherheits-Stack, der Redundanz schafft und der KI Leitplanken setzt.

Die Anwendungen, die beide Partner nennen:
| Bereich | Was geplant ist |
|---|---|
| Stadtverkehr | Assistenz von Punkt zu Punkt |
| Sicherheit | aktive Sicherheitsfunktionen |
| Parken | automatisiertes Parken |
| Zukunft | Anwendungen nach SAE Level 4, darunter Robolimousinen |
| Entwicklung und Werk | Simulation in der Fahrzeugentwicklung, KI im Produktionssystem MO360 |
Der letzte Punkt geht über das Auto hinaus: Mercedes nutzt NVIDIA-Technik auch in MO360, seinem digitalen Produktionsökosystem – von der virtuellen Planung bis zu KI-Anwendungen im weltweiten Werksnetz.
Was sagen die Unternehmen?
Mercedes-Technikvorstand Jörg Burzer formuliert die Rangordnung deutlich: „NVIDIA ist unser wichtigster strategischer Partner beim automatisierten Fahren.“ Er verweist darauf, dass beide Firmen gemeinsam das erste Mercedes-Assistenzsystem für Punkt-zu-Punkt-Fahrten in der Stadt für die westliche Welt entwickelt haben.
Ali Kani, bei NVIDIA für das Automobilgeschäft zuständig, beschreibt den Ansatz so: Beschleunigtes Rechnen gebe Fahrzeugen die Intelligenz, „die Welt zu verstehen und komplexe Fahrsituationen zu durchdenken“.
Was bedeutet das für Mercedes-Fahrer in Deutschland?
Kurzfristig ändert sich für Kundinnen und Kunden nichts. Welche Baureihen die neuen Funktionen zuerst bekommen und ab wann, verraten beide Partner nicht – die Mitteilung spricht nur allgemein vom kommenden Jahrzehnt. Auch Preise für Assistenzpakete oder eine Zulassung bestimmter Funktionen in Deutschland sind kein Thema der Ankündigung.
Wichtig ist die Einordnung der Begriffe: Punkt-zu-Punkt-Assistenz bleibt ein Assistenzsystem, bei dem der Fahrer verantwortlich ist. Erst SAE Level 4 bedeutet, dass das Fahrzeug in einem festgelegten Einsatzbereich ohne menschlichen Eingriff fährt. Diese Stufe nennen Mercedes und NVIDIA ausdrücklich als künftiges Ziel, nicht als fertiges Produkt.
Wie passt das zu Wayve und den Robotaxi-Plänen?
Mercedes verfolgt beim automatisierten Fahren mehrere Wege. Erst im September hat der Konzern einen Serienvertrag mit dem britischen KI-Start-up Wayve geschlossen, dessen AI Driver ebenfalls in MB.OS eingebunden werden soll. Die neue Ankündigung macht deutlich, dass NVIDIA dennoch das Fundament bei Rechenplattform und Sicherheit bleibt.
Bereits im Januar 2026 hatte Mercedes ein Robotaxi-Ökosystem rund um die neue S-Klasse vorgestellt. Dort waren NVIDIA DRIVE Hyperion und NVIDIAs Level-4-Software eingeplant, ergänzt um Momenta als Entwicklungspartner sowie Uber und Lumo als mögliche Betreiber. Erste Shuttle-Dienste sollten in Abu Dhabi starten. Die jetzige Erweiterung ist breiter angelegt und reicht von der Serienassistenz bis in die Produktion.
Auch bei anderen Herstellern ist das Rennen offen: Volkswagen setzt Berichten zufolge stärker auf Wayve als auf NVIDIA, während NVIDIA erst einen Tag vor der Mercedes-Meldung eine ausgeweitete Partnerschaft mit Volvo Cars bekanntgab. Für die Chip-Firma ist das Auto damit ein wachsendes Geschäftsfeld neben den Rechenzentren.
Häufige Fragen
Fährt mein Mercedes jetzt autonom?
Nein. Die Ankündigung betrifft künftige Systeme. Für bestehende Fahrzeuge wurden keine neuen Funktionen genannt.
Was ist der Alpamayo Stack?
Eine komplette Fahrsoftware von NVIDIA mit KI-Reasoning. Laut Mitteilung soll sie Stadt-Assistenz, aktive Sicherheit und automatisiertes Parken unterstützen.
Wann kommen die ersten Funktionen?
Einen konkreten Termin oder eine Baureihe nennen Mercedes-Benz und NVIDIA nicht.
Wie viel investieren die Partner?
Finanzielle Details sind nicht bekannt.











