Wer jetzt einen Mercedes EQS konfiguriert, kann erstmals auf die Lenksäule verzichten. Seit dem 6. Oktober 2026 nimmt Mercedes-Benz Bestellungen für die Steer-by-Wire-Lenkung der Elektro-Limousine an. Der Lenkbefehl wird dabei nur noch elektrisch an die Vorderräder übertragen. Nach eigener Darstellung ist Mercedes damit der erste deutsche Hersteller, der so eine Lenkung in einem Serienfahrzeug anbietet.
Vorgestellt hatte Mercedes die Technik bereits Anfang April zusammen mit dem überarbeiteten EQS. Jetzt folgt der Schritt vom Pressetermin in die Preisliste. Was das System kann, wie es abgesichert ist und was es kostet, fassen wir hier zusammen.
Was ist Steer-by-Wire überhaupt?
Bei einer herkömmlichen Lenkung verbindet eine Lenksäule das Lenkrad mechanisch mit dem Lenkgetriebe. Eine elektrische Servounterstützung hilft zwar beim Kurbeln, die Kraft läuft aber weiterhin über Metall.
Steer-by-Wire trennt diese Verbindung. Sensoren messen, wie weit und wie schnell Sie das Lenkrad drehen. Steuergeräte rechnen das in einen Lenkbefehl um, und ein Elektromotor stellt die Vorderräder ein. Damit Sie trotzdem spüren, was die Räder tun, simuliert das System die Rückmeldung am Lenkrad. Laut Mercedes berechnet das System diese Rückstellkräfte anhand des Kontakts zwischen Reifen und Fahrbahn, damit sich die Lenkung weiterhin vertraut anfühlt.
Der Vorteil: Die Übersetzung ist nicht mehr starr. Die Software kann sie je nach Situation anpassen, zum Beispiel direkt beim Rangieren und ruhiger bei hohem Tempo.
Was ändert sich beim Fahren im EQS?
Die auffälligste Zahl ist der Lenkwinkel. Von Anschlag zu Anschlag braucht der EQS mit Steer-by-Wire nur noch 170 Grad, also rund eine halbe Umdrehung. Beim Einparken oder Wenden müssen Sie nicht mehr umgreifen, die Hände bleiben in ihrer Position.
Dazu kommt die serienmäßig im Paket enthaltene Hinterachslenkung mit bis zu 10 Grad. Bei niedrigem Tempo verkleinert sie den Wendekreis der großen Limousine. Bei höheren Geschwindigkeiten lenken die Hinterräder laut Mercedes in dieselbe Richtung wie die vorderen, was den Wagen etwa beim Spurwechsel stabiler machen soll.
Ein weiterer Effekt, den Mercedes hervorhebt: Unebenheiten der Fahrbahn, die früher als Zittern im Lenkrad ankamen, lassen sich herausfiltern.

Was passiert, wenn die Elektronik ausfällt?
Das ist die naheliegende Sorge bei einer Lenkung ohne mechanische Rückfallebene. Mercedes setzt auf eine redundante Architektur: Es gibt im Grundsatz zwei voneinander unabhängige Signalwege, dazu präzise Sensoren und leistungsfähige Steuergeräte. Fällt ein Pfad aus, übernimmt der andere.
Für den sehr unwahrscheinlichen Fall, dass beide Systeme gleichzeitig ausfallen, hat Mercedes eine dritte Ebene vorgesehen. Das Auto bleibt dann über die Hinterachslenkung und gezielte Bremseingriffe an einzelnen Rädern per ESP quer steuerbar und kann so aus einer Gefahrenzone manövriert werden. Nach Angaben des Herstellers hat das System mehr als eine Million Testkilometer auf Prüfständen, Teststrecken und im Straßenverkehr absolviert.
Wie sich die Lenkung im Alltag anfühlt, können wir nicht beurteilen. Wir sind den EQS mit Steer-by-Wire nicht selbst gefahren; alle Angaben stammen von Mercedes und den genannten Fachmedien.
Das neue Lenkrad: flacher, aber kein Steuerhorn
Weil keine Lenksäule mehr nötig ist und nur noch eine halbe Umdrehung gelenkt wird, konnte Mercedes das Lenkrad umgestalten. Es ist abgeflacht und kompakter als das klassische Rund. Das soll den Blick auf das Fahrerdisplay verbessern und das Ein- und Aussteigen erleichtern.
Für den Airbag musste Mercedes eine neue Konstruktion entwickeln, weil er sich nicht mehr an einem geschlossenen Lenkradkranz abstützen kann. Das Lenkrad gibt es je nach Innenausstattung in Schwarz oder Beige.
Was kostet Steer-by-Wire in Deutschland?
Auf der offiziellen Mercedes-Presseseite zur Technik steht kein Preis. Übereinstimmend berichten mbpassion.de, ecomento.de und drehmoment.net, dass die Sonderausstattung in Deutschland 2.500 Euro netto beziehungsweise 2.975 Euro inklusive Mehrwertsteuer kostet. Darin enthalten sind die Hinterachslenkung mit 10 Grad und das neue Lenkrad.
| Punkt | Stand 6. Oktober 2026 |
|---|---|
| Modell | Mercedes EQS Limousine (überarbeitete Generation) |
| Bestellstart | 6. Oktober 2026 |
| Märkte | laut Berichten alle EQS-Märkte |
| Aufpreis Deutschland | 2.975 € inkl. MwSt. (laut Fachmedien) |
| Im Paket | Steer-by-Wire, Hinterachslenkung bis 10 Grad, abgeflachtes Lenkrad |
| Auslieferung | noch kein Termin genannt |
Ob sich der Aufpreis lohnt, hängt vor allem davon ab, wie oft Sie in engen Innenstädten und Parkhäusern unterwegs sind. Ab wann die ersten Fahrzeuge mit der neuen Lenkung ausgeliefert werden, hat Mercedes bislang nicht mitgeteilt.
Wer bietet Steer-by-Wire sonst an?
Ganz neu ist die Idee nicht. Infiniti brachte 2013 im Q50 eine elektronische Lenkung, die aber noch eine mechanische Kupplung als Rückfallebene besaß. Tesla verzichtet beim Cybertruck vollständig auf die Lenksäule; das Fahrzeug wird in Deutschland allerdings nicht offiziell verkauft. Mercedes beansprucht daher ausdrücklich den Titel des ersten deutschen Herstellers mit Steer-by-Wire in Serie.
Für Mercedes passt der Schritt zur Neuausrichtung des EQS, der mit dem Facelift unter anderem das Betriebssystem MB.OS und 800-Volt-Technik erhalten hat. Auch bei der Fahrassistenz baut der Konzern um: Erst Ende September hat Mercedes einen Serienvertrag mit dem KI-Spezialisten Wayve bekanntgegeben. Wie wichtig eine zuverlässige Lenkung ist, zeigte zuletzt der Rückruf bei VW, Audi und Seat wegen einer Schraube in der Lenkung.
Häufige Fragen
Seit wann ist Steer-by-Wire im EQS bestellbar?
Seit dem 6. Oktober 2026, laut den Berichten in allen Märkten, in denen der EQS angeboten wird.
Was kostet die Lenkung?
In Deutschland 2.975 Euro inklusive Mehrwertsteuer (2.500 Euro netto), so mbpassion.de, ecomento.de und drehmoment.net. Die Hinterachslenkung ist inklusive.
Kann ich bei einem Ausfall noch lenken?
Ja. Das System hat zwei unabhängige Signalwege. Fallen beide aus, hält Mercedes das Auto über Hinterachslenkung und ESP-Bremseingriffe steuerbar.
Wie weit muss ich das Lenkrad drehen?
Von Anschlag zu Anschlag 170 Grad, also etwa eine halbe Umdrehung. Umgreifen ist beim Rangieren nicht mehr nötig.
Gibt es Steer-by-Wire auch für andere Mercedes-Modelle?
Bisher hat Mercedes die Technik nur für die EQS Limousine angekündigt. Zu weiteren Baureihen gibt es keine offiziellen Angaben.











