Der Volkswagen-Konzern ist im dritten Quartal 2026 tief in die Verlustzone gerutscht. Von Juli bis September stand nach Steuern ein Minus von rund 5,8 Milliarden Euro, wie Europas größter Autohersteller am 29. Oktober mitgeteilt hat. Über die ersten neun Monate betrachtet bleibt vom operativen Geschäft praktisch nichts übrig: 0,1 Milliarden Euro operatives Ergebnis bei 233,4 Milliarden Euro Umsatz. Ein Jahr zuvor waren es noch 5,4 Milliarden Euro.

Der größte Brocken ist eine Abschreibung auf Porsche. Dazu kommen Belastungen aus China, den US-Zöllen und dem Umbau des Konzerns. Finanzvorstand Arno Antlitz spricht offen von dringendem Handlungsbedarf.

Die Zahlen im Überblick

Volkswagen hat seine Mitteilung bewusst mit „Neunmonatsergebnis unterstreicht dringenden Handlungsbedarf" überschrieben. Die wichtigsten Kennzahlen:

Tabelle mit den Kennzahlen des Volkswagen-Konzerns für Januar bis September 2026 im Vergleich zum Vorjahr
Grafik: dasTECHNO · Daten: Volkswagen Group, Pressemitteilung vom 29.10.2026

Der Umsatz ging in neun Monaten nur leicht zurück, um 2,2 Prozent. Im dritten Quartal allein fiel das Minus mit 6,3 Prozent auf rund 75,3 Milliarden Euro deutlicher aus. Bemerkenswert ist der Abstand zwischen den beiden Ergebniszahlen: Rechnet man die Sondereffekte heraus, hätte Volkswagen operativ 8,8 Milliarden Euro verdient, die Umsatzrendite hätte 3,8 Prozent betragen. Mit den Sondereffekten liegt sie nahe null.

Ein Lichtblick ist der Mittelzufluss. Der Netto-Cashflow im Automobilbereich hat sich auf 4,4 Milliarden Euro mehr als verdoppelt. Die Netto-Liquidität lag Ende September bei 33,0 Milliarden Euro, nach 34,5 Milliarden Euro zum Jahresende 2025. Akut knapp wird das Geld also nicht.

Woher kommen die 8,7 Milliarden Euro Sondereffekte?

Fast drei Viertel der Sonderbelastungen gehen auf eine Marke zurück. Die Aufschlüsselung laut Volkswagen:

SondereffektBetragArt
Abschreibung auf den Firmenwert (Goodwill) von Porsche6,4 Mrd. €nicht zahlungswirksam
Wertberichtigungen bei China-Gesellschaftenrund 1,0 Mrd. €nicht zahlungswirksam
Kosten rund um den geplanten Verkauf von Volkswagen Osnabrück und weitere PostenRestteilweise zahlungswirksam
Summe nach neun Monaten8,7 Mrd. €

Quelle: Volkswagen Group, 29.10.2026.

Was eine Goodwill-Abschreibung bedeutet: Als Volkswagen Porsche übernommen hat, wurde in der Bilanz ein Firmenwert angesetzt, also der Preis für erwartete künftige Gewinne. Sinken diese Erwartungen, muss der Wert herabgesetzt werden. Geld fließt dabei nicht ab, das Ergebnis wird aber voll belastet. Laut dpa-Bericht bei heise liegen dem niedrigere Erwartungen an die künftige Entwicklung des Sportwagenbauers zugrunde. Porsche kämpft seit längerem mit dem schwachen China-Geschäft, den US-Zöllen und Korrekturen an seiner Elektrostrategie.

Nach demselben Bericht rechnet der Konzern für das Gesamtjahr mit Sonderkosten von rund 10 Milliarden Euro. Zusätzliche Aufwendungen für Vorruhestandsregelungen beim bereits vereinbarten Stellenabbau sollen im zweiten Halbjahr noch hinzukommen.

Warum Elektroautos den Gewinn drücken

Ein Punkt in der Mitteilung dürfte E-Auto-Interessierte aufhorchen lassen. Antlitz räumt ein, dass der Erfolg der Elektromodelle die Marge zusätzlich belastet, weil VW mit E-Autos derzeit weniger verdient als mit Verbrennern. Gleichzeitig wächst die Nachfrage: Rund 40 Prozent des Auftragsbestands in Europa entfallen auf reine Elektroautos, die Bestellungen für batterieelektrische Modelle legten in neun Monaten um 39 Prozent zu. Die vier Kleinwagen der Electric Urban Car Family (VW ID. Polo, VW ID. Cross, Škoda Epiq, Cupra Raval) kommen auf rund 150.000 Bestellungen.

Die Absatzseite schwächelt dagegen weiter. Über die Auslieferungszahlen und den Einbruch in China haben wir bereits im Oktober ausführlich berichtet: 6,01 Millionen Fahrzeuge nach neun Monaten, ein Minus von 9 Prozent. Die Zahl der verkauften Fahrzeuge, die VW in der Bilanz ausweist, sank sogar um 11 Prozent auf 5,9 Millionen.

Was der Finanzchef sagt und was VW jetzt plant

Arno Antlitz, der neben den Finanzen auch das operative Geschäft verantwortet, mahnt zur Eile: „Wir dürfen keine Zeit verlieren", heißt es in seiner Stellungnahme, der Konzern müsse zügig und entschlossen gegensteuern. Die Gegenmaßnahmen fasst der Konzern in einem Kostenprogramm von rund 31 Milliarden Euro zusammen. Genannt werden:

  • eine gestraffte Modellpalette mit weniger Varianten
  • einfachere Strukturen und geringere Verwaltungskosten
  • niedrigere Kosten pro Fahrzeug und effizientere Werke
  • schnellere Technologieentwicklung

Einen konkreten Zeitraum oder eine Vergleichsbasis für die 31 Milliarden Euro nennt die Pressemitteilung nicht. Der Verkauf des Werks Osnabrück, das laut dpa an den Finanzinvestor Aurelius und das Land Niedersachsen gehen und auf Rüstungsproduktion umgestellt werden soll, ist bereits Teil des Umbaus.

Prognose für 2026: Rendite bis zu 1 Prozent

Für das Gesamtjahr erwartet Volkswagen:

KennzahlPrognose 2026
Umsatzrund 315 Mrd. €
Operative Umsatzrenditebis zu 1 %
Investitionsquote Automobil11–12 %
Netto-Cashflow Automobil3–6 Mrd. €
Netto-Liquidität Automobil32–34 Mrd. €

Quelle: Volkswagen Group, 29.10.2026.

Die offizielle Infografik des Konzerns fasst die Eckdaten zusammen:

Offizielle Volkswagen-Infografik mit Absatz, Umsatz, operativem Ergebnis und Prognose 2026
Bild: Volkswagen

Was bedeutet das für Kunden in Deutschland?

Kurzfristig ändert sich für Käuferinnen und Käufer wenig: Preise, Garantien und laufende Bestellungen sind von der Bilanz nicht direkt betroffen. Mittelfristig ist aber mit Folgen zu rechnen. Eine „gestraffte Modellpalette" bedeutet in der Regel weniger Ausstattungsvarianten und das Auslaufen schwächerer Modelle. Wer ein bestimmtes Modell oder eine seltene Motorisierung im Blick hat, sollte die Verfügbarkeit beim Händler früh klären.

Für die E-Mobilität ist die Botschaft zwiespältig. Die Nachfrage nach Modellen wie dem VW ID. Cross ist hoch, gleichzeitig muss VW die Kosten pro E-Auto senken, um daran zu verdienen. Größere Preisnachlässe auf neue Elektromodelle sind vor diesem Hintergrund eher nicht zu erwarten.

Häufige Fragen

Wie hoch ist der Verlust von VW im dritten Quartal 2026?

Nach Steuern verbuchte der Konzern von Juli bis September rund 5,8 Milliarden Euro Verlust. Das operative Ergebnis lag bei minus 5,9 Milliarden Euro.

Warum schreibt Volkswagen Milliarden auf Porsche ab?

Der Firmenwert von Porsche wurde um 6,4 Milliarden Euro reduziert, weil die Erwartungen an die künftigen Gewinne der Marke gesunken sind. Die Abschreibung ist nicht zahlungswirksam, belastet aber das Ergebnis.

Wie viel will VW einsparen?

Der Konzern hat ein Kostenprogramm von rund 31 Milliarden Euro angekündigt, unter anderem mit weniger Modellvarianten, einfacheren Strukturen und effizienteren Werken.

Macht Volkswagen 2026 insgesamt Verlust?

Nach neun Monaten liegt das Ergebnis nach Steuern bei minus 2,7 Milliarden Euro. Operativ erwartet VW für das Gesamtjahr eine Umsatzrendite von bis zu 1 Prozent, also nur knapp positiv.