Alphabet, der Mutterkonzern von Google, hat am Abend des 28. Oktober 2026 (deutscher Zeit) seine Zahlen für das dritte Quartal vorgelegt: 127,6 Milliarden US-Dollar Umsatz, ein Plus von 25 Prozent. Hochgerechnet aufs Jahr liegt der Konzern damit erstmals bei rund einer halben Billion Dollar. Größter Wachstumstreiber ist Google Cloud, deren Erlöse sich mehr als verdoppelt haben. Die Gemini-App überschreitet zudem die Marke von einer Milliarde monatlich aktiver Nutzer.
Trotzdem reagierten Anleger enttäuscht. Warum Rekordumsätze und Kursverluste hier zusammenpassen, zeigt ein Blick auf Gewinn, Cashflow und Investitionen.
Die Kennzahlen im Überblick
| Kennzahl | Q3 2026 | Q3 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Umsatz Konzern | 127,6 Mrd. $ | 102,3 Mrd. $ | +25 % |
| Google Search & andere | 63,4 Mrd. $ | 56,6 Mrd. $ | +12 % |
| YouTube-Werbung | 11,2 Mrd. $ | 10,3 Mrd. $ | +9 % |
| Abos, Plattformen, Geräte | 14,3 Mrd. $ | 12,9 Mrd. $ | +11 % |
| Google Cloud | 30,7 Mrd. $ | 15,2 Mrd. $ | +103 % |
| Betriebsergebnis | 40,6 Mrd. $ | 31,2 Mrd. $ | +30 % |
| Nettogewinn | 26,2 Mrd. $ | 35,0 Mrd. $ | −25 % |
| Gewinn je Aktie (verwässert) | 2,12 $ | 2,87 $ | −26 % |
| Investitionen (Capex) | 51,4 Mrd. $ | 24,0 Mrd. $ | +114 % |
Quelle: Alphabet, Quartalsmitteilung an die SEC; Prozentwerte teils von dasTECHNO berechnet.
Operativ lief das Quartal stark: Das Betriebsergebnis kletterte um 30 Prozent, die operative Marge verbesserte sich leicht auf 31,8 Prozent. Unter dem Strich sieht es anders aus. Der Grund steht im Kleingedruckten: Alphabet musste auf seine Aktienbeteiligungen einen Verlust von 8,7 Milliarden Dollar verbuchen. Nach Steuern drückte das den Nettogewinn um 6,7 Milliarden Dollar und den Gewinn je Aktie um 55 Cent. Im Vorjahresquartal hatten Beteiligungen dagegen noch einen Ertrag von rund 12,8 Milliarden Dollar beigesteuert – der Rückgang ist also vor allem ein Bewertungseffekt, kein operativer Einbruch.
Google Cloud: Verdopplung dank KI-Nachfrage

Die Cloud-Sparte ist der eigentliche Gewinner des Quartals. Der Umsatz stieg von 15,2 auf 30,7 Milliarden Dollar, das Betriebsergebnis der Sparte sogar von 3,6 auf 11,1 Milliarden Dollar. Laut t3n lagen Analysten mit rund 29 Milliarden Dollar unter dem tatsächlichen Wert. Pichai nennt drei Treiber: Rechenkapazität für KI, fertige KI-Lösungen für Unternehmen und den Verkauf kompletter TPU-Systeme, also Googles eigener KI-Beschleuniger. Die Nachfrage übersteige derzeit das Angebot; man arbeite daran, mehr Kapazität ans Netz zu bringen.
Wie stark Googles Modelle genutzt werden, zeigt eine weitere Zahl: Über die APIs verarbeitet Google inzwischen knapp 32 Milliarden Token pro Minute. Gegenüber dem zweiten Quartal ist das ein Zuwachs von 40 Prozent, im Jahresvergleich hat sich das Volumen mehr als vervierfacht. Das vor zwei Wochen gestartete Gemini 4 Argon wurde laut Pichai in der ersten Woche 3,5-mal schneller angenommen als Gemini 3 – trotz knapper Kapazitäten. Das neue Spitzenmodell Gemini 4 Carbon führt aktuell den Intelligence Index von Artificial Analysis mit 59 Punkten an.
Suche und Gemini: Mehr Anfragen, langsameres Werbewachstum
Die Gemini-App hat nach Googles Angaben eine Milliarde monatlich aktive Nutzer erreicht. Pichai bezeichnet sie als das am schnellsten wachsende Produkt der Firmengeschichte. Auch die klassische Suche profitiert: Die Zahl der Suchanfragen wachse so schnell wie seit fünf Jahren nicht mehr. Visuelle Suchen, etwa per Kamera, überschreiten 50 Milliarden pro Monat. Anfragen im KI-Modus sind im Schnitt dreimal so lang wie herkömmliche Suchen, jede fünfte nutzt Sprache, Bilder oder Dokumente.
„Search is bringing the benefits of AI to more people than any other product in the world.“ – Sundar Pichai, CEO von Alphabet und Google
Beim Umsatz schlägt sich das weniger deutlich nieder. Die Suchwerbung wuchs um 12 Prozent, nach Angaben von t3n hatten Analysten mit rund 65 Milliarden statt 63,4 Milliarden Dollar gerechnet. Bei YouTube-Werbung (11,2 Milliarden Dollar, plus 9 Prozent) hatte der Markt ebenfalls mehr erhofft. t3n verweist darauf, dass sich Anzeigen im KI-Modus bislang schwerer vermarkten lassen. Pichai selbst betont, zuerst komme das Nutzererlebnis, dann die Monetarisierung.
Warum die Aktie trotzdem fällt
Der eigentliche Knackpunkt sind die Investitionen. Mit 51,4 Milliarden Dollar hat Alphabet im Quartal mehr als doppelt so viel in Rechenzentren, Server und Chips gesteckt wie ein Jahr zuvor. Für das Gesamtjahr 2026 plant der Konzern laut t3n bis zu 205 Milliarden Dollar. Die Folge: Der freie Cashflow lag bei minus 9,1 Milliarden Dollar, nach plus 24,6 Milliarden Dollar im Vorjahresquartal. Laut t3n ist es bereits das zweite Quartal in Folge mit negativem freien Cashflow.
Nachbörslich verlor die Alphabet-Aktie laut t3n knapp 10 Prozent auf 292,50 Dollar. Anleger stellen sich offenbar dieselbe Frage wie bei Microsoft, das am selben Abend Rekordzahlen meldete: Wann zahlen sich die gewaltigen KI-Investitionen in Gewinnen aus?
Was bedeutet das für Nutzer und Unternehmen in Deutschland?
Für Privatnutzer ändert sich durch die Zahlen zunächst nichts – Preisänderungen für Google One, YouTube Premium oder Gemini-Abos hat Google nicht angekündigt. YouTube Music und Premium kommen weltweit inzwischen auf mehr als 150 Millionen Abonnenten, Testzugänge eingerechnet.
Relevanter sind die Zahlen für Unternehmen und Behörden, die auf Google Cloud setzen – in Deutschland etwa die Sicherheitsbehörden mit ihrer geplanten ND-Cloud auf Google-Basis. Pichais Hinweis auf knappe Kapazitäten zeigt, dass KI-Rechenleistung weiterhin ein Engpass ist. Zugleich steht Alphabet in Europa unter regulatorischem Druck, wie die Klage gegen die EU-Auflagen nach dem DMA zeigt.
Ein Randaspekt: Die Fahrzeuge der Robotaxi-Tochter Waymo kommen ohne Fahrer inzwischen auf über 300 Millionen Meilen, der Dienst ist in 15 US-Städten aktiv. Einen Starttermin für Deutschland gibt es nicht.
Häufige Fragen
Wie viel Umsatz hat Alphabet im dritten Quartal 2026 gemacht?
127,6 Milliarden US-Dollar von Juli bis September 2026, 25 Prozent mehr als im Vorjahresquartal.
Warum ist der Gewinn gesunken, obwohl der Umsatz steigt?
Vor allem wegen eines Verlusts von 8,7 Milliarden Dollar auf Aktienbeteiligungen. Ein Jahr zuvor hatten Beteiligungen noch Milliardengewinne gebracht. Das Betriebsergebnis stieg dagegen um 30 Prozent.
Wie viele Menschen nutzen Gemini?
Laut Google mehr als eine Milliarde Menschen pro Monat nutzen die Gemini-App.
Wie viel investiert Google in KI?
Im dritten Quartal 51,4 Milliarden Dollar an Investitionsausgaben. Für das Gesamtjahr 2026 sind laut t3n bis zu 205 Milliarden Dollar geplant.










