Microsoft hat am Mittwochabend, 28. Oktober 2026, die Zahlen für das erste Quartal seines Geschäftsjahres 2027 vorgelegt – und erneut einen Rekord gemeldet. Von Juli bis Ende September setzte der Konzern 92,3 Milliarden US-Dollar um, 19 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Treiber ist einmal mehr das Cloud-Geschäft rund um Azure, das um 48 Prozent zulegte. Besonders aufschlussreich ist aber eine Zahl, die nicht in der Pressemitteilung, sondern im Quartalsbericht an die US-Börsenaufsicht steht: Allein OpenAI brachte Microsoft in diesen drei Monaten 10 Milliarden Dollar Umsatz.

Was steckt hinter den Zahlen, wo schwächelt Microsoft – und was bedeutet die Abhängigkeit zwischen Microsoft und OpenAI für Kunden in Deutschland?

Die wichtigsten Kennzahlen im Überblick

Microsoft: Kennzahlen Q1 GJ 2027 (Juli–Sept. 2026)
Grafik: dasTECHNO · Daten: Microsoft Pressemitteilung, 10-Q via TechCrunch (28.10.2026)

Das Betriebsergebnis stieg um 21 Prozent auf 45,9 Milliarden Dollar. Unter dem Strich blieben nach GAAP-Rechnungslegung 36,6 Milliarden Dollar Nettogewinn, ein Plus von 32 Prozent. Der Gewinn je Aktie lag bei 4,92 Dollar. Bereinigt um die Effekte aus der OpenAI-Beteiligung (Non-GAAP) wuchs der Nettogewinn um 18 Prozent auf 36,4 Milliarden Dollar, der Gewinn je Aktie auf 4,89 Dollar.

KennzahlQ1 GJ 2027Veränderung
Umsatz92,3 Mrd. $+19 %
Betriebsergebnis45,9 Mrd. $+21 %
Nettogewinn (GAAP)36,6 Mrd. $+32 %
Nettogewinn (Non-GAAP)36,4 Mrd. $+18 %
Gewinn je Aktie (GAAP)4,92 $+32 %
Microsoft Cloud63,9 Mrd. $+30 %
Ausschüttung an Aktionäre10,2 Mrd. $–

Laut TechCrunch ist es das zehnte Rekordquartal in Folge. Microsoft gab im selben Zeitraum 10,2 Milliarden Dollar über Dividenden und Aktienrückkäufe an seine Anteilseigner zurück.

Wo wächst Microsoft am stärksten?

Microsoft berichtet inzwischen in zwei Segmenten. Agents and Infra, in dem unter anderem das Cloud-Geschäft steckt, kam auf 76,8 Milliarden Dollar und damit 25 Prozent mehr als im Vorjahr. Das Segment macht damit gut 83 Prozent des Konzernumsatzes aus.

Die Microsoft Cloud insgesamt erzielte 63,9 Milliarden Dollar. Finanzchefin Amy Hood hob in der Mitteilung hervor, dass sich das Wachstum hier auf 30 Prozent beschleunigt habe. Den größten Sprung macht Azure mit plus 48 Prozent; TechCrunch beziffert den Azure-Umsatz auf 33,2 Milliarden Dollar. Die Microsoft-365-Clouddienste für Unternehmen legten bereinigt um 18 Prozent zu, die Verbraucher-Abos um 17 Prozent. Das Werbegeschäft mit Suche und News (ohne Traffic-Akquisitionskosten) wuchs um 12 Prozent.

CEO Satya Nadella fasste die Strategie so zusammen: „We are delivering greater capability, choice, control, and cost efficiency for customers across our entire stack.“ Gemeint ist das gesamte Angebot vom Rechenzentrum bis zu Copilot und Agenten.

OpenAI: 10 Milliarden Dollar in drei Monaten

Im Quartalsbericht (Formular 10-Q) weist Microsoft aus, dass die Geschäftsbeziehungen mit OpenAI im abgelaufenen Quartal 10 Milliarden Dollar Umsatz gebracht haben. Darin enthalten sind laut TechCrunch die kommerziellen Vereinbarungen einschließlich Umsatzbeteiligungen. Das entspricht etwa 11 Prozent des gesamten Quartalsumsatzes.

Zum Vergleich: Im gesamten Geschäftsjahr 2026 (Juli 2025 bis Juni 2026) waren es 24,1 Milliarden Dollar. Hochgerechnet auf das aktuelle Tempo kämen rund 40 Milliarden Dollar pro Jahr zusammen. Gleichzeitig stiegen die offenen Forderungen gegenüber OpenAI von 6 Milliarden Dollar Ende Juni auf 7,2 Milliarden Dollar Ende September.

Hintergrund ist die Neuordnung der Partnerschaft vom Oktober 2025: Damals verpflichtete sich OpenAI, zusätzliche Azure-Dienste im Wert von 250 Milliarden Dollar bei Microsoft einzukaufen. Microsofts Anteil an OpenAI ist seither schrittweise gesunken und lag laut Bericht Ende September bei 24 Prozent.

Auf das Ergebnis wirkt sich die Beteiligung inzwischen positiv aus. Im Quartal verbuchte Microsoft daraus einen Nettogewinn von 207 Millionen Dollar. Ein Jahr zuvor stand an dieser Stelle noch ein Verlust von 3,1 Milliarden Dollar. Das erklärt, warum der GAAP-Gewinn (+32 %) so viel stärker gestiegen ist als der bereinigte Gewinn (+18 %).

Wie schnell OpenAI derzeit neue Modelle nachlegt, zeigte zuletzt GPT-6.1 Terra – jedes neue Modell bedeutet mehr Rechenbedarf und damit mehr Azure-Umsatz.

Auftragsbestand und Investitionen auf Rekordniveau

Wie viel Geschäft noch kommt, zeigt der kommerzielle Auftragsbestand („commercial remaining performance obligation“). Er umfasst vertraglich zugesagte, aber noch nicht abgerechnete Umsätze und stieg um 73 Prozent auf 677 Milliarden Dollar. TechCrunch führt das vor allem auf langfristige Verträge mit KI-Laboren zurück.

Um diese Zusagen erfüllen zu können, investiert Microsoft massiv: Die Investitionsausgaben (Capex) erreichten mit 45,2 Milliarden Dollar ebenfalls einen Quartalsrekord. Damit gab Microsoft fast so viel für Rechenzentren, Server und Chips aus, wie es operativ verdiente. Nicht jeder Cloud-Dollar stammt dabei aus KI-Anwendungen – Microsoft schlüsselt das nicht getrennt auf.

Wo es nicht läuft: Windows und Xbox

Das Segment Devices and Consumer schrumpfte um 3 Prozent auf 15,5 Milliarden Dollar. Die Erlöse aus Windows-Lizenzen für PC-Hersteller und eigenen Geräten brachen um 22 Prozent ein. Xbox-Inhalte und -Dienste verloren 2 Prozent. Das passt zum laufenden Umbau der Xbox-Sparte, bei dem Nadella zuletzt Kostensenkungen verteidigt hatte, und zum freiwilligen Austrittsprogramm für 60.000 Beschäftigte.

Gründe für den Rückgang nennt Microsoft in der Mitteilung nicht. Ob die knappen und teuren Speicherchips, über die zuletzt etwa SK Hynix bei seinen Rekordzahlen berichtete, das PC-Geschäft bremsen, lässt der Konzern offen.

Was bedeutet das für Kunden in Deutschland?

Für Unternehmen hierzulande, die auf Azure oder Microsoft 365 setzen, sind die Zahlen zweischneidig. Einerseits zeigen sie, dass Microsoft seine Rechenzentren weiter massiv ausbaut – auch Kapazität, die europäischen Kunden zugutekommen kann. Andererseits wird deutlich, wie eng Microsofts Geschäft mit einem einzigen KI-Anbieter verflochten ist: Jeder neunte Umsatzdollar kam im Quartal von OpenAI.

Wer seine Daten bewusst in Europa halten möchte, sollte unabhängig von den Quartalszahlen die Fristen im Blick behalten: Für bestimmte Tenants läuft aktuell die Wahl des Microsoft-365-Datenstandorts Deutschland bis 14. Dezember. Preisänderungen für Azure oder Microsoft 365 hat Microsoft mit den Zahlen nicht angekündigt.

Häufige Fragen

Wie viel Umsatz hat Microsoft im Quartal gemacht?

92,3 Milliarden US-Dollar im Quartal von Juli bis September 2026, ein Plus von 19 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Wie viel verdient Microsoft an OpenAI?

Laut Quartalsbericht 10 Milliarden Dollar Umsatz in diesem Quartal, im gesamten Geschäftsjahr 2026 waren es 24,1 Milliarden Dollar. Welche Posten genau darin stecken, schlüsselt Microsoft nicht weiter auf.

Warum spricht Microsoft vom ersten Quartal 2027?

Microsofts Geschäftsjahr beginnt am 1. Juli. Das Quartal Juli bis September 2026 ist deshalb das erste Quartal des Geschäftsjahres 2027.

Welcher Bereich wächst am schnellsten?

Azure mit 48 Prozent Umsatzplus. Rückläufig sind dagegen Windows-OEM und Geräte (−22 %) sowie Xbox-Inhalte und -Dienste (−2 %).