Wer auf sinkende RAM- und SSD-Preise hofft, bekommt vom zweitgrößten Speicherhersteller der Welt eine ernüchternde Antwort. SK Hynix hat am 28. Oktober 2026 seine Zahlen für das dritte Quartal vorgelegt und dabei erstmals mehr als 100 Billionen Won Umsatz in einem einzigen Quartal erzielt. Wichtiger als der Rekord ist aber der Ausblick: Das Unternehmen geht davon aus, dass die Nachfrage nach Speicherchips das Angebot noch bis 2030 übersteigen wird.

Für Käufer von PCs, Notebooks und Smartphones in Deutschland ist das ein deutliches Signal. Wir fassen die Zahlen zusammen und ordnen ein, was sie für die Preise bedeuten.

Die Zahlen im Überblick

SK Hynix: Umsatz und operativer Gewinn
Grafik: dasTECHNO · Daten: SK hynix (Quartalsbericht, 28.10.2026)
Kennzahl (Q3 2026)Wertzum Vorquartalzum Vorjahr
Umsatz104,6 Bio. Won (rund 70,2 Mrd. €)+32 %+328 %
Operativer Gewinn83,3 Bio. Won (rund 56 Mrd. €)+38 %+632 %
Operative Marge80 %+3 Prozentpunkte+33 Prozentpunkte
Nettogewinn39,8 Bio. Won (rund 26,7 Mrd. €)−58 %+216 %

Die Euro-Beträge sind ungefähre Umrechnungen, wie sie auch heise online angibt; sie dienen nur der Größeneinordnung. Die Werte der Vorquartale in der Grafik haben wir aus den von SK Hynix genannten Zuwachsraten zurückgerechnet und gerundet.

Eine operative Marge von 80 Prozent ist für einen Hardwarehersteller außergewöhnlich. Von jedem Won Umsatz bleiben vor Zinsen, Steuern und Sondereffekten also rund 80 Prozent als Gewinn übrig. Das ist ein indirekter, aber sehr klarer Beleg dafür, wie stark die Speicherpreise in den vergangenen Monaten gestiegen sind.

Warum sinkt der Nettogewinn?

Auf den ersten Blick passt der Rückgang des Nettogewinns um 58 Prozent nicht zum Rekord. Er hat aber Gründe außerhalb des Tagesgeschäfts: Im Vorquartal hatte SK Hynix einen hohen Einmalgewinn aus seiner Beteiligung am japanischen Flash-Hersteller Kioxia verbucht, der den Vergleichswert nach oben treibt. Laut heise belasteten im dritten Quartal zudem Währungsverluste durch den stärkeren Won das Ergebnis. Am operativen Geschäft ändert das nichts.

Mehr als die Hälfte der Produktion bis 2028 ist vergeben

Die eigentliche Nachricht steckt in den Lieferverträgen. SK Hynix hat nach eigenen Angaben Langfristvereinbarungen mit 14 Großkunden abgeschlossen, darunter führende Cloud-Anbieter. Das darüber gesicherte Volumen entspricht mehr als 50 Prozent der gesamten Produktionskapazität für 2027 und 2028. Die Verträge enthalten einen Mechanismus, der Preise innerhalb einer vereinbarten Spanne an die Marktlage anpasst.

Konzernchef Kwak Noh-Jung führt die Abschlüsse auf die technische Stärke des Unternehmens zurück: Das Vertrauen der Kunden in die technologische Wettbewerbsfähigkeit führe zu langfristigen Verträgen, sagte er sinngemäß.

Als Begründung für die erwartete Knappheit bis 2030 nennt SK Hynix zwei Faktoren:

  1. Technische Hürden: Die modernsten Fertigungsprozesse sind schwierig zu beherrschen, die Ausbeute steigt nur langsam.
  2. Lange Bauzeiten: Neue Halbleiterwerke brauchen Jahre, bis sie in Serie produzieren.

Mehr Speicher lässt sich also nicht kurzfristig herstellen, selbst wenn die Hersteller wollten.

HBM4 wird zum Hauptprodukt

Getrieben wird die Entwicklung vom Ausbau der KI-Rechenzentren. Deren Beschleuniger brauchen schnellen Stapelspeicher (High Bandwidth Memory, HBM). SK Hynix erwartet, dass die neue Generation HBM4 im vierten Quartal die Vorgängergeneration HBM3E sowohl bei der ausgelieferten Menge als auch beim Umsatz überholt.

Dafür baut der Konzern seine Werke aus:

ProjektStand laut SK Hynix
Fab M15Xsoll bis Jahresende die volle Kapazität für HBM4 erreichen
Yongin, Phase 1Vollbetrieb ab 2027 geplant
NAND mit 321 Lagensoll im vierten Quartal mehr als die Hälfte der heimischen NAND-Kapazität ausmachen

Im NAND-Geschäft wachsen vor allem SSDs für Rechenzentren (eSSD). Auch dort steht also das Servergeschäft im Vordergrund, nicht der Endkundenmarkt.

Was bedeutet das für RAM- und SSD-Preise in Deutschland?

Die Folgen der Speicherknappheit sind hierzulande seit Monaten zu spüren. Notebook-Anbieter wie XMG/Schenker haben ihre Preise wegen teurer Speicherbausteine angehoben, die Raspberry Pi Foundation ebenso. Konkurrent Samsung hat im selben Quartal ebenfalls einen Rekordgewinn mit Speicherchips gemeldet, während seine Smartphone-Sparte unter den Kosten leidet.

Die Aussagen von SK Hynix sprechen dafür, dass sich daran in absehbarer Zeit wenig ändert:

  • Großkunden zuerst: Wenn mehr als die Hälfte der Kapazität für 2027 und 2028 an Cloud-Konzerne vergeben ist, bleibt für Hersteller von Endgeräten und Speicher-Modulen weniger übrig.
  • Keine Entspannung vor 2030 in Sicht: Der Hersteller selbst rechnet mit einem Nachfrageüberhang bis zum Ende des Jahrzehnts.
  • Konkurrenz um Fertigungskapazität: Jede Wafer-Fläche, die in HBM fließt, fehlt für klassischen DRAM in PCs und Smartphones.

Für Sie heißt das praktisch: Wer einen neuen PC baut oder ein Notebook aufrüsten muss, sollte nicht auf einen baldigen Preisrutsch spekulieren. Sinnvoll ist es, Preise über einige Wochen zu beobachten und gezielt bei Aktionen zuzugreifen. Bei Smartphones und Notebooks können Speicher-Upgrades (mehr RAM, größere SSD) überdurchschnittlich viel Aufpreis kosten. Eine Kauf- oder Anlageempfehlung ist das ausdrücklich nicht; die Einschätzung beruht auf den Unternehmensangaben.

Einordnung: Aktionäre profitieren, Käufer zahlen

SK Hynix lässt seine Aktionäre am Boom teilhaben. Für das Geschäftsjahr 2026 plant das Unternehmen Ausschüttungen von insgesamt rund 100 Billionen Won: mindestens 30 Billionen Won als Bardividende und mindestens 60 Billionen Won über Aktienrückkäufe. Einen Großteil der Kioxia-Gewinne will der Konzern ebenfalls an die Anteilseigner weitergeben.

Damit zeigt sich ein Muster, das schon bei Samsung sichtbar wurde: Die Speicherhersteller verdienen am KI-Boom so gut wie nie, während Endkunden für Geräte mehr bezahlen. Noch vor wenigen Jahren litt die Branche unter einem Preisverfall. Ob der aktuelle Zyklus tatsächlich bis 2030 anhält, ist eine Prognose des Unternehmens, keine Gewissheit. Bisher haben sich Speicherzyklen oft schneller gedreht als erwartet.

Häufige Fragen

Wie viel Umsatz hat SK Hynix im dritten Quartal 2026 gemacht?

104,6 Billionen Won, umgerechnet rund 70 Milliarden Euro. Das ist der höchste Quartalsumsatz in der Firmengeschichte und 328 Prozent mehr als vor einem Jahr.

Wie lange bleibt Arbeitsspeicher knapp?

SK Hynix erwartet, dass die Nachfrage das Angebot bis 2030 übersteigt. Als Gründe nennt das Unternehmen die schwierige Fertigung in modernen Prozessen und lange Bauzeiten für neue Werke.

Werden RAM und SSDs in Deutschland bald günstiger?

Danach sieht es nicht aus. Ein großer Teil der künftigen Produktion ist bereits über Langfristverträge an Großkunden vergeben. Konkrete Preisprognosen für den Handel hat SK Hynix aber nicht veröffentlicht.

Was ist HBM4?

HBM4 ist die neueste Generation von gestapeltem Hochleistungsspeicher für KI-Beschleuniger in Rechenzentren. Laut SK Hynix wird sie im vierten Quartal 2026 zum wichtigsten Produkt des Unternehmens.