Samsung hat das profitabelste Quartal seiner Geschichte hinter sich – und trotzdem ein Problem. Am 8. Oktober hat der Konzern seine vorläufigen Zahlen für das dritte Quartal 2026 veröffentlicht: Der operative Gewinn liegt demnach bei rund 107,4 Billionen Won, ein Plus von 782,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Der Umsatz steigt um 126,6 Prozent auf etwa 195 Billionen Won. Hinter dem Rekord steckt fast ausschließlich das Geschäft mit Speicherchips. Die Sparte, die Galaxy-Smartphones baut, dürfte dagegen erneut rote Zahlen schreiben.
Für Käufer in Deutschland ist das mehr als eine Börsenmeldung. Dieselbe Knappheit, die Samsungs Halbleiterwerke so lukrativ macht, hat in den vergangenen Wochen Smartphones, Notebooks und Bastelrechner verteuert. Was die Zahlen bedeuten, ordnen wir im Folgenden ein.
Die Zahlen im Überblick

| Kennzahl | Q3 2026 | Zum Vorjahr | Quelle |
|---|---|---|---|
| Umsatz Konzern | ca. 195 Bio. Won (grob 130 Mrd. €) | +126,6 % | Samsung, vorläufig |
| Operativer Gewinn Konzern | ca. 107,4 Bio. Won (grob 71,5 Mrd. €) | +782,5 % | Samsung, vorläufig |
| Gewinn Speicherchips | ca. 110 Bio. Won | – | Analystenschätzung |
| Ergebnis Device Experience | −1,1 bis −2,64 Bio. Won | 2. Verlust in Folge | Analystenschätzungen |
Die Euro-Werte sind grobe Umrechnungen zum aktuellen Kurs und dienen nur der Einordnung. Wichtig: Samsung veröffentlicht vorab nur Gesamtumsatz und Gesamtgewinn. Wie viel einzelne Sparten beigetragen haben, verrät der Konzern erst mit dem vollständigen Bericht am 29. Oktober 2026. Die Spartenwerte in der Tabelle stammen daher von koreanischen Brokerhäusern.
Beim Gewinn hat Samsung die Markterwartung von 106,64 Billionen Won knapp übertroffen, beim Umsatz blieb das Unternehmen etwas unter der Konsensschätzung von 200,64 Billionen Won. Laut Korea Times ist Samsung damit das erste koreanische Unternehmen, das in einem einzigen Quartal mehr als 80 Milliarden US-Dollar operativen Gewinn erzielt.
Warum verdient Samsung plötzlich so viel?
Der Treiber ist der weltweite Ausbau von KI-Rechenzentren. Dort steckt in jedem Beschleuniger schneller Stapelspeicher (HBM), und die Server brauchen zusätzlich große Mengen klassischen DRAM. Samsung liefert HBM4 für Nvidias kommende Plattform Vera Rubin. Gleichzeitig sind die DRAM-Preise im Quartal erneut im zweistelligen Prozentbereich gestiegen, wenn auch langsamer als in den Monaten davor.
Ein Detail fällt auf: Rechnet man die Analystenschätzung für die Speichersparte (rund 110 Billionen Won) gegen den Konzerngewinn (107,4 Billionen Won), bleibt für alle übrigen Geschäftsbereiche zusammen ein leichtes Minus. Speicher trägt den Konzern also nicht nur – er gleicht auch die Schwäche anderer Bereiche aus.
Laut Korea Times wächst außerdem der Anteil langfristiger Lieferverträge mit Großkunden. Das dürfte die Gewinne stabiler machen, falls sich der Speichermarkt wieder abkühlt.
Die Kehrseite: Smartphones ohne Gewinn
Für die Sparte Device Experience, zu der Galaxy-Smartphones, Tablets und Wearables gehören, sieht es anders aus. Drei koreanische Brokerhäuser erwarten den zweiten Quartalsverlust in Folge:
| Analysehaus | Erwartetes Ergebnis Device Experience |
|---|---|
| Meritz Securities | −2,64 Bio. Won |
| SK Securities | −1,9 Bio. Won |
| Mirae Asset Securities | −1,1 Bio. Won |
Als Gründe nennen Beobachter die teureren Bauteile, allen voran Arbeitsspeicher, und eine schwache Nachfrage. Viele Kunden nutzen ihr Smartphone inzwischen länger, ähnlich wie ein langlebiges Haushaltsgerät. Laut den von der Korea Times zitierten Schätzungen dürfte Samsung im dritten Quartal nur noch etwa 58 Millionen Smartphones ausgeliefert haben, rund 8 Prozent weniger als im Vorquartal.
Bericht: Samsung will weniger Smartphones bauen
Parallel zu den Zahlen sorgt ein Bericht für Aufsehen, den Samsung nicht bestätigt hat. Die koreanische Wirtschaftszeitung Money Today schreibt unter Berufung auf mehrere Quellen aus der Branche, Samsungs Mobilsparte wolle bei Zulieferern im vierten Quartal 20 bis 30 Prozent weniger Bauteile abrufen. Für das Gesamtjahr sei statt rund 270 Millionen nur noch mit etwa 200 Millionen gebauten Geräten zu rechnen. heise online hat den Bericht aufgegriffen.
Wir behandeln diese Angaben ausdrücklich als unbestätigten Bericht. Eine offizielle Stellungnahme von Samsung gibt es nicht. Plausibel ist die Richtung allerdings: Wenn das Smartphone-Geschäft bei steigenden Kosten keinen Gewinn mehr abwirft, ist eine geringere Produktion eine naheliegende Reaktion. Genauere Hinweise könnte Samsung in der Telefonkonferenz zu den endgültigen Zahlen Ende Oktober geben.
Was bedeutet das für Preise in Deutschland?
Die Auswirkungen sind hierzulande längst sichtbar. Anfang Oktober hat Samsung im deutschen Online Store die Galaxy-S26-Reihe um mindestens 100 Euro verteuert, wenige Tage später folgten die Modelle der Galaxy-A-Reihe. Auch andere Hersteller geben die höheren Speicherkosten weiter, etwa der Notebook-Anbieter XMG/Schenker oder die Raspberry Pi Foundation.
Samsungs Zahlen deuten nicht auf eine schnelle Entspannung hin. Solange Rechenzentren HBM und DRAM in großen Mengen abnehmen, bleibt Speicher für Endgeräte knapp und teuer. Für Sie heißt das:
- Smartphones: Weitere Preiserhöhungen oder eine geringere Auswahl an Speichervarianten sind möglich. Rabattaktionen fallen tendenziell kleiner aus.
- PCs und Notebooks: RAM-Riegel und SSDs bleiben teurer als vor einem Jahr. Wer aufrüsten muss, sollte Preise über mehrere Wochen vergleichen.
- Bestehende Geräte: Ein Akkutausch oder eine Reparatur kann sich derzeit eher lohnen als ein Neukauf.
Eine Kaufempfehlung oder Anlageberatung ist das ausdrücklich nicht; die Einschätzung beruht auf den veröffentlichten Zahlen und Branchenberichten.
Einordnung: Gewinner und Verlierer im selben Konzern
Noch vor wenigen Jahren litt Samsungs Chipsparte unter einem Preisverfall, während Smartphones verlässlich Gewinne lieferten. Jetzt hat sich das Bild umgekehrt. Die Abhängigkeit vom Speicherzyklus macht Samsung allerdings verwundbar: Fallen die DRAM-Preise wieder, schrumpft auch der Rekordgewinn. Zudem nennt ComputerBase den gestiegenen Won-Kurs gegenüber dem US-Dollar als möglichen Gegenwind, weil er Exporterlöse schmälert.
Häufige Fragen
Wann veröffentlicht Samsung die endgültigen Quartalszahlen?
Am 29. Oktober 2026. Dann legt Samsung auch die Ergebnisse der einzelnen Sparten offen.
Ist der Gewinn von 107,4 Billionen Won endgültig?
Nein. Es handelt sich um eine vorläufige Prognose. Die finalen Werte können leicht abweichen.
Hat Samsung bestätigt, weniger Smartphones zu produzieren?
Nein. Die Angabe von 20 bis 30 Prozent weniger Produktion stammt aus einem Bericht der koreanischen Zeitung Money Today. Samsung hat sich dazu nicht geäußert.
Werden Samsung-Smartphones in Deutschland noch teurer?
Das hat Samsung nicht angekündigt. Die hohen Speicherpreise und die Verluste der Smartphone-Sparte erhöhen aber den Druck auf die Preise.











