Google lässt Gemini jetzt selbst zum Hörer greifen. Die neue Funktion „Call for Me“ erlaubt es dem KI-Assistenten, im Auftrag des Nutzers bei einem Unternehmen anzurufen: einen Friseurtermin vereinbaren, eine Reservierung verschieben oder nachfragen, ob ein Artikel vorrätig ist. Google startete den Versuch am 24. September 2026 in kleinem Rahmen – und zwar ausschließlich in den USA auf Geräten der Pixel-11-Serie.
Wer in Deutschland ein Pixel 11 besitzt, kann die Funktion also noch nicht nutzen. Wie funktioniert sie, welche Regeln gelten, und warum dürfte ein Start hierzulande nicht ganz einfach werden?
So funktioniert Call for Me
Der Ablauf beginnt in der Gemini-App. Sie beschreiben per Text oder Sprache, was erledigt werden soll. Google empfiehlt in seiner Hilfe, gleich alle wichtigen Angaben mitzugeben: gewünschtes Datum, Uhrzeit, Vorlieben und mögliche Alternativen. Danach übernimmt Gemini:
- Gemini ruft von Ihrer eigenen Rufnummer über Ihren Mobilfunkvertrag an, es fallen also die üblichen Gebühren des Anbieters an.
- Die KI wählt sich durch Sprachmenüs und hält die Warteschleife aus.
- Meldet sich ein Mensch, führt Gemini das Gespräch und versucht, das Anliegen abzuschließen.
Während des Telefonats sehen Sie ein Live-Transkript auf dem Display und können jederzeit selbst übernehmen. Transkript und Aufnahme landen anschließend im Anrufverlauf der App „Phone by Google“. Pro Tag ist nur eine begrenzte Zahl von Anrufen möglich; eine konkrete Zahl nennt Google nicht.
Weiß das Gegenüber, dass eine KI anruft?
Ja. Laut Google-Hilfe beginnt jeder Anruf mit einer festen Ansage: Gemini stellt sich als KI-Assistent von Google vor, weist auf die aufgezeichnete Leitung hin und nennt den Namen der Person, in deren Auftrag es anruft. Name und Kontaktdaten des Nutzers können im Gespräch weitergegeben werden.
Unternehmen, die solche Anrufe nicht wollen, können sich über eine eigene Opt-out-Seite abmelden und die Sperre später wieder aufheben. Einige Einsätze sind grundsätzlich ausgeschlossen:
| Ausgeschlossen | Was das bedeutet |
|---|---|
| Notrufe | Keine Anrufe bei Notrufnummern |
| Finanzgeschäfte | Keine Zahlungen, keine sensiblen Finanzdaten |
| Sensible Daten | Keine Passwörter, Ausweis- oder Gesundheitsdaten |
| Telefonmarketing | Keine Werbe- oder Verkaufsanrufe |
Google begründet den kleinen Start damit, dass echte Gespräche vielschichtig seien und die Funktion vor einer breiteren Einführung noch Feinschliff brauche.
Wann kommt Call for Me nach Deutschland?
Einen Termin gibt es nicht. Die Hürden sind derzeit schon technisch hoch:

Die Pixel-11-Modelle und die Google-AI-Abos sind zwar auch hierzulande erhältlich. Entscheidend sind aber US-SIM, US-Rufnummer und Englisch als Gerätesprache. Ob und wann Gemini ein Telefonat auf Deutsch führen kann, hat Google nicht gesagt.
Hinzu kommt der rechtliche Rahmen. In Deutschland ist das heimliche Aufzeichnen nichtöffentlich gesprochener Worte nach § 201 StGB strafbar; Aufnahmen setzen die Einwilligung des Gegenübers voraus. Googles Ansage zur aufgezeichneten Leitung wäre deshalb nur ein erster Schritt – offen ist, ob ein bloßer Hinweis am Gesprächsanfang hierzulande genügen würde. Dazu kommen die DSGVO, weil im Gespräch personenbezogene Daten fließen, und die Transparenzpflichten aus Artikel 50 des AI Act: Menschen müssen erkennen können, dass sie mit einer KI interagieren. Die feste Einleitungsformel von Gemini zielt genau darauf ab. Eine rechtliche Bewertung für den deutschen Markt hat Google bislang nicht veröffentlicht.
Was bedeutet das für Unternehmen und Nutzer?
Call for Me zeigt, wohin sich KI-Assistenten entwickeln: vom Auskunftsdienst zum Agenten, der Aufgaben selbst erledigt. Ähnliche Ansätze verfolgen Meta mit Muse und Google selbst mit Gemini 3.8 Live Avatar für den Kundenservice. Dass solche Agenten auch Fehler machen können, zeigte zuletzt der Fall der OpenAI-Agenten, die Nutzerbilder veröffentlichten.
Für Arztpraxen, Friseure oder Restaurants in Deutschland heißt das: Früher oder später wird am anderen Ende der Leitung öfter eine KI sein. Die Pflicht-Ansage und das Opt-out sind Googles Antwort auf die absehbaren Bedenken.
Hintergrund: Von Duplex zu Call for Me
Ganz neu ist die Idee nicht. Schon 2018 zeigte Google auf der I/O mit Duplex einen Assistenten, der eigenständig einen Friseurtermin buchte; die täuschend echte Stimme löste damals eine Debatte über Transparenz aus. Seitdem hat Google die Telefon-Helfer auf Pixel-Geräten schrittweise ausgebaut:
| Funktion | Aufgabe | Wer steuert? |
|---|---|---|
| Hold for Me | Meldet, wenn nach der Warteschleife jemand abhebt | Nutzer |
| Direct My Call | Zeigt Menüoptionen als Text an | Nutzer |
| Ask for Me (2025) | Gemini fragt Preise und Leistungen bei Firmen ab | Teilweise Gemini |
| Call for Me (2026) | Gemini führt das komplette Telefonat | Gemini, Nutzer kann übernehmen |
Hinweis: Wir haben die Funktion nicht selbst ausprobiert; die Angaben stützen sich auf Googles Hilfeseite und die genannten Quellen.
Häufige Fragen
Kostet Call for Me extra?
Nötig ist ein kostenpflichtiges Google-AI-Abo. Da über Ihre Rufnummer telefoniert wird, fallen zusätzlich die normalen Verbindungsgebühren Ihres Anbieters an.
Kann ich Call for Me in Deutschland nutzen?
Derzeit nein. Die Funktion setzt ein Pixel 11 mit US-SIM und englischer Gerätesprache voraus. Einen Deutschland-Termin hat Google nicht genannt.
Sagt Gemini, dass eine KI anruft?
Ja. Jeder Anruf beginnt mit dem Hinweis, dass ein KI-Assistent von Google auf einer aufgezeichneten Leitung im Namen einer bestimmten Person anruft.
Können Firmen solche Anrufe blockieren?
Ja, Google bietet Unternehmen dafür eine Opt-out-Seite an.











