Google hat die nächste Generation seiner KI-Modelle eingeläutet. Am Mittwochabend, dem 30. September, veröffentlichte das Unternehmen um 22 Uhr deutscher Zeit die Ankündigung von Gemini 4 Argon. Verfasst hat den Beitrag Koray Kavukcuoglu, Senior Vice President bei Google DeepMind und Chief AI Architect von Google. Das Modell soll vor allem in drei Bereichen glänzen: Softwareentwicklung unter realen Bedingungen, Wissensarbeit in Unternehmen – etwa in Recht und Finanzen – sowie Cyberabwehr.

Wer Argon jetzt selbst ausprobieren möchte, muss sich allerdings gedulden. Wir fassen zusammen, was Google verspricht, was es kostet und was das für Nutzer in Deutschland bedeutet.

Wer bekommt wann Zugang?

Google gibt Argon in Stufen frei:

  • Jetzt: Nur ausgewählte, vertrauenswürdige Sicherheitsteams im sogenannten Fairwind-Programm.
  • Danach: Nachdem die Schutzmechanismen anhand dieses Feedbacks nachgeschärft wurden, folgen zahlende API-Kunden und Abonnenten von Google AI Ultra.
  • Später: Für Entwickler, Unternehmen und Privatnutzer nennt Google nur ein „so bald wie möglich“. Einen konkreten Termin gibt es nicht.

Nach eigenen Angaben hat Google das Modell vor dem Start freiwillig einem Vorab-Zugangsprogramm der US-Regierung vorgelegt. Ob und wann Argon in der Gemini-App für Gratis- oder Pro-Nutzer erscheint, ist offen.

Benchmarks: die Herstellerangaben

Gemini 4 Argon im Vergleich: ausgewählte Benchmarks
Grafik: dasTECHNO · Daten: Google (30. September 2026)

Google vergleicht Argon mit GPT-6 Astra von OpenAI sowie mit Claude Opus 5.5 und Claude Fable 5.1 von Anthropic. Eine Auswahl:

BenchmarkGemini 4 ArgonGPT-6 AstraClaude Opus 5.5
DeepSWE v1.1 (Software-Engineering)77,9 %74,1 %74,2 %
AutomationBench (Geschäftsprozesse)51,3 %41,4 %42,5 %
Vals Finance Agent v265,4 %53,5 %58,6 %
Harvey Legal Agent Benchmark19,6 %5,4 %3,8 %
LVBench (lange Videos)91,7 %87,5 %83,7 %
CWE-bench v1 (Schwachstellen beheben)68,0 %68,0 %67,0 %
FrontierSWE v2 (Coding)55,0 %65,5 %62,3 %
Terminal-bench 4.057,4 %58,2 %66,4 %

Das Bild ist differenzierter, als die Überschrift „nächste Ära“ vermuten lässt. Bei Unternehmensaufgaben, juristischen Agenten und dem Verständnis langer Videos liegt Argon klar vorn. In FrontierSWE v2 hat dagegen GPT-6 Astra die Nase deutlich vorn, in Terminal-bench 4.0 Claude Opus 5.5. Beim Sicherheits-Benchmark CWE-bench teilen sich Argon und Astra den ersten Platz. Wichtig: Alle Werte stammen von Google selbst. Unabhängige Vergleiche sind erst möglich, wenn das Modell breit verfügbar ist.

Was ist neu?

  • Bis zu 1 Million Ausgabe-Token: Bisher lag die Obergrenze pro Antwort bei 64.000 Token. Damit werden sehr lange Aufgaben am Stück möglich, etwa das Umschreiben großer Codebasen.
  • Langfristige Aufgaben: Argon ist laut Google darauf ausgelegt, komplexe, mehrstufige Arbeitsabläufe über längere Zeit zu planen und abzuarbeiten.
  • Praxisbeispiele aus dem eigenen Haus: Google nennt Code-Migrationen mit mehr als 800.000 Zeilen am Zircon-Kernel von Fuchsia, Speicheroptimierungen, die in Rechenzentren über 300 TiB freigemacht haben, und einen Videodecoder, der 2,7-mal schneller läuft als eine bestehende Rust-Portierung.
  • Cyberabwehr: Gemeinsam mit dem Sicherheitsunternehmen Wiz soll Argon eine kritische Lücke in Krankenhaussoftware gefunden haben, die frühere Modelle übersehen hatten.

Preise

Eingabe (1 Mio. Token)Ausgabe (1 Mio. Token)
Gemini 4 Argon – Einführungspreis2 US-Dollar10 US-Dollar
Gemini 4 Argon – regulärer Preis4 US-Dollar20 US-Dollar
Claude Opus 5.54 US-Dollar20 US-Dollar
GPT-6 Sol2 US-Dollar10 US-Dollar

Für zwischengespeicherte Eingaben (Caching) gewährt Google 95 Prozent Rabatt. Wie lange der Einführungspreis gilt, hat Google nicht mitgeteilt. Euro-Preise gibt es bislang nicht; abgerechnet wird in der API in US-Dollar. Zum Vergleich: GPT-6 Sol kostet dasselbe wie Argon zum Start, Claude Opus 5.5 so viel wie Argon später.

Sicherheit: Warum erst die Verteidiger?

Ein Modell, das Schwachstellen selbstständig findet und schließt, lässt sich grundsätzlich auch missbrauchen. Google setzt deshalb auf einen vorsichtigen Start. Argon wurde darauf trainiert, Anfragen zu Cyberangriffen und zu chemischen, biologischen, radiologischen und nuklearen Waffen abzulehnen, legitime Sicherheitsforschung aber zu unterstützen. Interne Aktivierungen werden auf Missbrauch überwacht, Gedankenketten und Aktionen auf Fehlausrichtung geprüft, zudem haben interne und externe Red Teams das Modell getestet. Bei indirekten Prompt-Injection-Angriffen weist Google für Argon in der Gray-Swan-Auswertung eine Erfolgsquote der Angreifer von unter einem Prozent aus.

Einordnung für Deutschland

Für Nutzer in Deutschland ändert sich vorerst nichts: Argon ist weder in der Gemini-App noch frei in der API verfügbar. Eine Einschränkung speziell für die EU hat Google nicht angekündigt. Für Unternehmen ist der Start dennoch relevant: Wer Anbieter für KI-gestützte Programmierung oder Dokumentenanalyse auswählt, bekommt mit Argon bald eine weitere Option, die zum Einführungspreis nur halb so viel kostet wie die Spitzenmodelle der Konkurrenz. Mit Blick auf den AI Act dürften Firmen zudem genau hinschauen, welche Dokumentation Google zu diesem leistungsfähigen Allzweckmodell vorlegt. Angaben zur Leistung auf Deutsch hat Google nicht gemacht.

Hintergrund: Google stand zuletzt unter Druck. Laut 9to5Google hatte das Unternehmen Gemini 3.5 Pro gestrichen und sich auf Gemini 3.8 Flash konzentriert, während OpenAI und Anthropic im September neue Spitzenmodelle vorlegten.

Häufige Fragen

Kann ich Gemini 4 Argon schon nutzen?

Nein. Derzeit haben nur ausgewählte Cyberabwehr-Teams im Fairwind-Programm Zugang. Als Nächstes folgen zahlende API-Kunden und Abonnenten von Google AI Ultra.

Was kostet Gemini 4 Argon?

Zum Start 2 US-Dollar pro Million Eingabe-Token und 10 US-Dollar pro Million Ausgabe-Token. Nach der Einführungsphase steigt der Preis auf 4 bzw. 20 US-Dollar.

Ist Gemini 4 Argon besser als GPT-6 und Claude?

In den meisten von Google veröffentlichten Benchmarks ja, etwa in DeepSWE v1.1 mit 77,9 Prozent. In FrontierSWE v2 und Terminal-bench 4.0 liegen GPT-6 Astra beziehungsweise Claude Opus 5.5 aber vorn. Unabhängige Messungen fehlen noch.

Kommt Argon auch in die kostenlose Gemini-App?

Dazu hat Google keine Angaben gemacht. Zunächst sind nur zahlende API-Kunden und Google-AI-Ultra-Abonnenten vorgesehen.