Volkswagen baut seine Batteriestrategie in Europa um: Der Konzern, seine Zelltochter PowerCo und der chinesische Hersteller Gotion High-Tech wollen an drei Standorten gemeinsame Firmen gründen. Das hat VW am 28. September 2026 mitgeteilt. Im Mittelpunkt stehen LFP-Batteriezellen (Lithium-Eisenphosphat) und das dazu nötige Kathodenmaterial. Gotion kauft sich dafür mit rund 1,1 Milliarden Euro beim spanischen PowerCo-Werk ein, VW gibt im Gegenzug einen Teil seiner Gotion-Aktien ab.
Für Wolfsburg ist das ein Mix aus Technologie-Zukauf und finanzieller Entlastung. So beschreibt es auch Technikvorstand Thomas Schmall laut dpa.
Die drei Joint Ventures im Überblick
Nach der Pressemitteilung hält an jedem Standort ein Partner 51 Prozent, der andere 49 Prozent:

| Standort | Was dort entstehen soll | Führung | Wer zahlt was |
|---|---|---|---|
| Valencia (Spanien) | LFP-Zellen im PowerCo-Werk, das derzeit gebaut wird | PowerCo (51 %) | Gotion zahlt ca. 1,1 Mrd. € für 49 % |
| Šurany (Slowakei) | LFP-Zellen im bestehenden Gotion-Werk | Gotion (51 %) | PowerCo zahlt für beide Standorte zusammen ca. 470 Mio. € bis 2030 |
| Kenitra (Marokko) | Kathodenmaterial | Gotion (51 %) | (im Betrag oben enthalten) |
Nach Angaben von Bloomberg und weiteren Wirtschaftsmedien summieren sich die geplanten Investitionen beider Seiten auf rund 3,2 Milliarden Euro. Diese Gesamtzahl steht nicht in der VW-Mitteilung selbst; dort sind nur die beiden Einstiegsbeträge genannt.
VW verkauft 5,3 Prozent an Gotion
Parallel reduziert Volkswagen seine Beteiligung am Partner. Über die chinesische Tochter VCIC gibt der Konzern 5,3 Prozent der Gotion-Aktien ab. VW bleibt laut Mitteilung dennoch ein bedeutender Aktionär und behält seinen Sitz im Gremium des Unternehmens. Der Konzern war 2020 bei Gotion eingestiegen und ist seit Ende 2021 größter Anteilseigner; vor dem Verkauf lag der Anteil der VW-China-Tochter laut Branchenberichten bei gut 24 Prozent.
Unterschrieben ist damit noch nicht alles: Die Gotion-Hauptversammlung muss zustimmen, außerdem stehen behördliche Freigaben aus. Einen Zeitpunkt für den Abschluss nennt VW nicht.
Was mit Salzgitter passiert
Für Leserinnen und Leser in Deutschland die wichtigste Frage: Das Werk in Salzgitter ist nicht Teil der Vereinbarung. PowerCo hatte die Gigafactory Ende 2025 in Betrieb genommen, sie bleibt vollständig beim Konzern. Auch das geplante Zellwerk in St. Thomas (Kanada) ist ausgeklammert.
Salzgitter ist als Leitwerk für die sogenannte Einheitszelle gedacht. Valencia sollte ursprünglich ebenfalls allein von PowerCo betrieben werden. Dass VW nun einen Partner mit an Bord holt, zeigt, wie teuer der Aufbau eigener Zellfabriken geworden ist, gerade wenn die Nachfrage nach Elektroautos langsamer steigt als einst geplant.
Warum ausgerechnet LFP und Gotion?
LFP-Zellen kommen ohne Nickel und Kobalt aus. Sie speichern pro Kilogramm etwas weniger Energie als die verbreiteten NMC-Zellen, sind aber günstiger, langlebiger und gelten als thermisch robuster. Deshalb setzen Hersteller sie vor allem in Einstiegs- und Kompaktmodellen ein, also genau in dem Segment, in dem sich entscheidet, ob Elektroautos für breite Käuferschichten bezahlbar werden.
Bei LFP liegen chinesische Firmen technologisch und bei den Kosten klar vorn. Europäische Anbieter haben es schwer, der Zusammenbruch von Northvolt hat das deutlich gezeigt. VW holt sich deshalb Know-how von einem Partner, mit dem es seit Jahren zusammenarbeitet. Frank Blome, Chef von PowerCo, formuliert das Ziel so: "Volkswagen and PowerCo are building Europe's battery industry."
Gotion-Chef Li Zhen verweist auf die inzwischen sechs Jahre dauernde Kooperation, die gegenseitiges Vertrauen geschaffen habe.
Was das politisch bedeutet
Seit Herbst 2024 erhebt die EU Ausgleichszölle auf Elektroautos aus China. Chinesische Hersteller und Zulieferer investieren seitdem verstärkt in Werke innerhalb Europas oder in Nachbarregionen. Marokko spielt dabei eine besondere Rolle: Das Land hat Freihandelsabkommen mit der EU und den USA und entwickelt sich zu einem Standort für Batterievorprodukte.
Für Volkswagen bedeutet die Konstruktion einen Balanceakt. Einerseits wird die Abhängigkeit von chinesischer Zelltechnik größer, andererseits entstehen Fertigung und Arbeitsplätze in Europa, und die Lieferkette wird kürzer. Wie Brüssel und die Regierungen in Madrid und Bratislava die Beteiligungen bewerten, ist noch offen.
Was sich für Autokäufer ändert
Kurzfristig nichts. Welche Modelle später LFP-Zellen aus Valencia oder Šurany bekommen, nennt VW nicht, ebenso wenig Produktionsstart oder Kapazitäten der Joint Ventures. Langfristig sollen günstigere Zellen aus europäischer Fertigung helfen, die Preise von elektrischen Kleinwagen und Kompakt-SUVs zu senken. Wie es um die Nachfrage steht, zeigen die aktuellen E-Auto-Neuzulassungen in der EU und Deutschland. Zuletzt meldete VW, dass in Emden und Zwickau mehr E-Autos als Verbrenner bestellt werden. Mit dem ID. Tiguan steht außerdem das nächste Elektro-SUV kurz vor der Premiere.
Häufige Fragen
Baut Gotion jetzt Batterien für VW in Deutschland? Nicht im Rahmen dieser Vereinbarung. Die drei Joint Ventures liegen in Spanien, der Slowakei und Marokko. Das PowerCo-Werk Salzgitter bleibt ohne Gotion-Beteiligung.
Wie viel Geld fließt? Für seinen Anteil von 49 Prozent an Valencia überweist Gotion etwa 1,1 Milliarden Euro. PowerCo zahlt bis 2030 rund 470 Millionen Euro für jeweils 49 Prozent an Šurany und Kenitra. Medien beziffern die geplanten Gesamtinvestitionen auf etwa 3,2 Milliarden Euro.
Ist der Deal schon abgeschlossen? Nein. Die Gotion-Hauptversammlung und die zuständigen Behörden müssen noch zustimmen.
Was ist eine LFP-Batterie? Eine Lithium-Eisenphosphat-Zelle. Sie ist günstiger und langlebiger als NMC-Zellen, hat aber eine geringere Energiedichte, eignet sich also vor allem für kleinere und preiswertere Elektroautos.











