Der NASA-Rover Perseverance hat am Rand des Jezero-Kraters Hinweise auf ein früheres hydrothermales System auf dem Mars geliefert. Eine Ende September 2026 im Fachjournal Communications Earth & Environment veröffentlichte Studie kommt zu dem Schluss, dass das Gestein dort nicht einmal, sondern dreimal mit Wasser reagierte, beim letzten Mal mit erwärmtem Grundwasser. Das Ergebnis ist überraschend, denn die Auswertung von Orbitaldaten hatte in diesem Gebiet etwas ganz anderes erwarten lassen.
Worum geht es bei der Margin Unit?
Die sogenannte Margin Unit ist ein Gesteinsband, das sich an der Innenseite des Kraterrands entlangzieht. Perseverance erreichte diesen Bereich im September 2023 und überwand dort laut NASA rund 265 Meter Höhenunterschied. Aus der Umlaufbahn hatten Spektrometer in der Zone Karbonate entdeckt. Die gängige Hypothese lautete deshalb: Hier haben sich am Ufer des einstigen Jezero-Sees Sedimente abgelagert, ähnlich wie Karbonatkrusten an irdischen Seen.
Vor Ort sah die Sache anders aus. Die Messungen zeigen überwiegend magmatisches Gestein, also ursprünglich aus Schmelze erstarrtes Material, reich an dem Mineral Olivin. Die Karbonate sind demnach nicht als Seesediment entstanden, sondern erst später durch Wasser, das in das vulkanische Gestein eindrang.

Wie hat Perseverance das gemessen?
Das Herzstück der Analyse ist SuperCam am Mast des Rovers. Das Instrument schießt mit einem Laser aus bis zu 6,5 Metern Entfernung auf Gestein, verdampft winzige Mengen davon und wertet das Licht des entstehenden Plasmas aus. Daraus lässt sich die chemische Zusammensetzung und damit die Mineralogie ableiten, ohne dass der Rover jeden Stein anfahren muss. Nach Angaben des JPL hat Perseverance in der Margin Unit mehr als 185 Gesteinsziele auf diese Weise untersucht. SuperCam wird gemeinsam von der Purdue University, dem Los Alamos National Laboratory und dem französischen IRAP/CNES in Toulouse betrieben.
Erstautorin der Studie ist Candice Bedford von der Purdue University in Indiana. Sie fasst die Erfahrung des Teams knapp zusammen: „Mars constantly throws surprises at you." Selten sei etwas so, wie es die Orbitaldaten erwarten ließen.
Drei Wasserphasen im Überblick
Aus der Verteilung der Minerale rekonstruiert das Team eine Abfolge von drei Ereignissen. Die genaue Datierung bleibt offen; gesichert ist vor allem die Reihenfolge.
| Phase | Wasserquelle | Spur im Gestein |
|---|---|---|
| 1 | kohlendioxidhaltiges Grundwasser | Olivin wandelte sich um, Risse füllten sich mit Karbonat |
| 2 | vermutlich Wasser des Jezero-Sees | Anreicherung von Siliziumdioxid (Silika) unterhalb der einstigen Wasserlinie |
| 3 | erwärmtes Grundwasser | Mineraladern mit Calciumsulfat und Fluorit, etwa 25 cm dick, im östlichen Teil der Margin Unit |
Der Schlüssel zur dritten Phase ist Fluorit, hierzulande auch als Flussspat bekannt. Das Mineral bildet sich typischerweise, wenn heiße Fluide durch Gestein zirkulieren und Elemente lösen und wieder ablagern. Zusammen mit dem Calciumsulfat in den Adern spricht das für eine spätere hydrothermale Episode, nachdem der See bereits eine Rolle gespielt hatte.
Was bedeutet das für die Suche nach Leben?
Hier ist Zurückhaltung geboten. Die Studie findet keine Lebensspuren. Sie beschreibt Umweltbedingungen. Hydrothermale Systeme gelten in der Astrobiologie allerdings als interessante Orte, weil sie flüssiges Wasser, gelöste Stoffe und chemische Energie zusammenbringen. Auf der Erde werden solche Umgebungen häufig als mögliche Wiege früher Mikroben diskutiert.
Für den Mars heißt das: Der Jezero-Krater war über längere Zeit und auf mehrere Arten nass, und zumindest zeitweise gab es warmes Wasser im Untergrund. Das erhöht die Zahl der Orte und Zeitfenster, an denen die Bedingungen für mikrobielles Leben grundsätzlich günstig gewesen sein könnten. Ob es dort tatsächlich Leben gab, lässt sich mit diesen Daten nicht beantworten. Bedford selbst spricht vorsichtig von Erkenntnissen über die Bewohnbarkeit des frühen Mars.
Einordnung: Warum der Fund wichtig ist
Perseverance ist seit Februar 2021 im Jezero-Krater unterwegs. Der Krater wurde ausgewählt, weil er einst einen See mit Flussdelta beherbergte. Die neue Arbeit zeigt, dass die Wassergeschichte deutlich vielschichtiger war als ein einzelner See: Grundwasser, Seewasser und später heiße Lösungen haben das Gestein nacheinander verändert.
Methodisch ist die Studie ein Lehrstück dafür, wie stark Bodendaten die Interpretation aus dem Orbit korrigieren können. Was von oben wie ein Ufersediment aussah, entpuppt sich als verändertes vulkanisches Gestein. Für künftige Landestellen, etwa bei der Auswahl von Zielen für bemannte oder robotische Missionen, ist das eine wichtige Lehre.
Wer sich für europäische Planetenforschung interessiert: Die ESA bereitet mit der Asteroidenmission Ramses ein eigenes Vorhaben vor, an dem deutsche Firmen beteiligt sind; mehr dazu in unserem Bericht über die erste Inbetriebnahme der Ramses-Sonde. Zur Weltraumbeobachtung aus dem Erdorbit passt auch unser Beitrag zu 200.000 Umläufen des Hubble-Teleskops.
Häufige Fragen
Hat Perseverance Leben auf dem Mars gefunden?
Nein. Die Studie weist Minerale nach, die auf heißes Grundwasser schließen lassen. Das beschreibt mögliche günstige Bedingungen, ist aber kein Nachweis von Leben.
Was ist ein hydrothermales System?
Ein Kreislauf, in dem erwärmtes Wasser durch Gestein strömt, Stoffe löst und an anderer Stelle als Minerale ablagert. Auf der Erde kennt man das etwa von heißen Quellen.
Warum ist Fluorit ein Hinweis auf heißes Wasser?
Fluorit entsteht typischerweise aus erwärmten, mineralreichen Lösungen. Sein Vorkommen in Adern zusammen mit Calciumsulfat deutet deshalb auf eine hydrothermale Phase hin.
Wo wurde die Studie veröffentlicht?
In der Fachzeitschrift Communications Earth & Environment (Nature Portfolio), Erstautorin ist Candice Bedford von der Purdue University.










