Der Markt für Paketautomaten in Deutschland ordnet sich neu. Die Deutsche Post übernimmt den österreichischen Betreiber Myflexbox und verschmilzt ihn mit ihrer eigenen Tochter DeinFach. Beide betreiben sogenannte anbieteroffene Stationen: Anders als an der gelben Packstation, die nur DHL-Sendungen annimmt, können hier mehrere Paketdienste Ware hinterlegen. Bekanntgegeben wurde der Schritt am 1. Oktober 2026.

Für Sie als Empfängerin oder Empfänger zählt vor allem das neue Ausbauziel: Bis Ende 2030 will der Konzern auf rund 50.000 Paketautomaten in Deutschland kommen. Bislang lag die Zielmarke bei gut 30.000.

Die wichtigsten Zahlen im Überblick

Heute (Oktober 2026)Ziel bis Ende 2030
DHL-Automaten (Packstationen, Poststationen)rund 17.400rund 25.000
DeinFach (Post-Tochter, anbieteroffen)rund 1.700geht in Myflexbox auf
Myflexbox Deutschlandrund 2.000rund 25.000 (inkl. bisheriger DeinFach-Standorte)
Myflexbox Österreichrund 1.000keine Angabe
Gesamt Deutschland (Post-Konzern)rund 21.000rund 50.000

Die Tabelle fasst die Angaben aus der Mitteilung von Myflexbox sowie aus Berichten von dpa und Golem zusammen. Die Summe für heute ist gerundet. Myflexbox selbst beziffert das eigene Netz in beiden Ländern zusammen auf etwa 3.000 Automaten, die Post-Seite (Packstationen, Poststationen, DeinFach) auf ungefähr 19.000.

Wer kauft wen – und was ändert sich?

Verkäufer ist laut dpa der britische Finanzinvestor Star Capital, über den Kaufpreis schweigen beide Seiten. Myflexbox stammt aus Salzburg und beschäftigt rund 100 Menschen. Die Firma gilt als größter anbieteroffener Automatenbetreiber im deutschsprachigen Raum.

Gekauft wird über die Post-Tochter, unter deren Dach bisher DeinFach läuft. Geführt wird das gemeinsame Unternehmen von Jonathan Grothaus (CEO und Gründer von Myflexbox) und Lukas Beckedorff (bisher CEO von DeinFach). Die Marke DeinFach verschwindet: Die Automaten bekommen schrittweise das Myflexbox-Logo. Einen genauen Zeitplan für die Umstellung nannte das Unternehmen nicht.

„Gemeinsam mit myflexbox machen wir offene Paketstationen für noch mehr Menschen erreichbar“, wird Beckedorff in der Mitteilung zitiert.

Myflexbox-Paketstation vor einer Kaufland-Filiale in Kassel
Bild: myflexbox

Welche Paketdienste die Stationen nutzen

Hier liegt der eigentliche Unterschied für Sie im Alltag:

  • Myflexbox: Sendungen von Amazon, DPD, FedEx, GLS und UPS, je nach Standort weitere Dienste.
  • DeinFach (bisher): vor allem DHL und UPS.
  • DHL-Packstation: ausschließlich DHL-Sendungen.

Dass ausgerechnet die Post ein offenes Netz ausbaut, an dem auch Konkurrenten wie DPD oder GLS andocken, wirkt auf den ersten Blick paradox. Wirtschaftlich ergibt es Sinn: Der Betreiber verdient an jeder Sendung, die über seine Automaten läuft, und für Händler und Paketdienste sind Automaten günstiger als die Zustellung an jede einzelne Haustür. Fehlversuche, zweite Zustellungen und Benachrichtigungskarten fallen weg.

Die Konkurrenz: GLS, DPD, Hermes, Amazon

Die Post ist nicht die einzige, die auf Automaten setzt. GLS und DPD wollen nach Angaben von dpa gemeinsam bis Ende 2027 auf bis zu 6.000 Automaten kommen. Hermes betreibt bislang nur rund 30 Geräte im Raum Hamburg. Amazon hat eigene Abholstationen, liefert aber ebenso an Myflexbox-Stationen.

Mit dem Zukauf sichert sich die Post damit nicht nur das eigene, geschlossene Netz, sondern auch die wichtigste offene Alternative. Ob das Wettbewerbshüter beschäftigt, ist bislang nicht bekannt; Angaben zu einer kartellrechtlichen Prüfung enthielten die Mitteilungen nicht.

Was das für Sie bedeutet

  • Kurzfristig ändert sich nichts. Packstation, DeinFach- und Myflexbox-Automaten funktionieren weiter wie bisher. Bestehende Abholungen laufen normal.
  • Mittelfristig wird das Netz dichter. Ein Ziel von rund 50.000 Automaten bedeutet mehr als eine Verdopplung gegenüber heute. Langfristig peilt Myflexbox an, dass für die meisten Haushalte ein Automat zu Fuß in fünf bis zehn Minuten erreichbar ist.
  • Neue Logos am bekannten Ort. Wenn an Ihrer DeinFach-Station künftig Myflexbox steht, ist das dieselbe Station unter neuem Namen.
  • Für Retouren nützlich: Myflexbox-Stationen nehmen auch Rücksendungen an, rund um die Uhr. Welche Dienste das an Ihrem Standort anbieten, zeigt die Myflexbox-Website.

Häufige Fragen

Kann ich DHL-Pakete an einer Myflexbox-Station abholen? Das hängt vom Standort ab. Bisher nahmen vor allem DeinFach-Stationen DHL-Sendungen an. Ob DHL-Pakete künftig grundsätzlich an Myflexbox-Automaten landen, hat das Unternehmen noch nicht angekündigt.

Wird die gelbe Packstation abgeschafft? Nein. Die Post plant bis 2030 rund 25.000 eigene DHL-Automaten, also deutlich mehr als heute.

Was hat die Post für Myflexbox bezahlt? Der Kaufpreis wurde nicht veröffentlicht.

Ab wann heißen DeinFach-Stationen Myflexbox? Die Umstellung soll schrittweise erfolgen. Ein Datum wurde nicht genannt.