BMW zieht die Zügel an: Auf dem Kapitalmarkttag am 30. September 2026 in München hat Vorstandschef Milan Nedeljković erstmals ausführlich erklärt, wie der Konzern aus dem Gewinntief herausfinden will. Die Kurzfassung: weniger Modelle, weniger Hierarchie, mehr künstliche Intelligenz – und ein deutlich bescheideneres Zwischenziel für die Rendite. Erstes sichtbares Opfer im Programm ist der BMW 2er Active Tourer, der nach der aktuellen Generation ausläuft.
Für Kundinnen und Kunden in Deutschland ändert sich kurzfristig wenig. Mittelfristig verschiebt sich aber das Angebot: Statt eines Kompaktvans mit Verbrenner setzt BMW im Einstieg auf einen kleinen Elektro-BMW der Neuen Klasse, der 2028 kommen soll.
Die Zahlen: Rendite-Wende erst 2028
Wie schwierig die Lage ist, zeigte schon der Halbjahresbericht vom 30. Juli: Im zweiten Quartal blieben von jedem Euro Umsatz im Autogeschäft nur 2,3 Cent als operativer Gewinn (EBIT-Marge 2,3 %). Belastet haben vor allem der Einbruch in China – dort gingen die Auslieferungen im zweiten Quartal um rund 30 Prozent zurück – sowie Zölle in den USA und der EU. Für das laufende Jahr erwartet BMW im Autosegment nur 1 bis 3 Prozent Marge.

\ Den Cashflow-Wert für 2028 nennt die Nachrichtenagentur Reuters; in der BMW-Pressemitteilung steht nur das Ziel für Anfang der 2030er.*
Der neue Fahrplan sieht so aus:
| Zeitraum | EBIT-Marge Automobil | Free Cashflow Automobil |
|---|---|---|
| 2026 (Prognose) | 1–3 % | über 2,5 Mrd. € |
| 2028 (Zwischenziel) | 3–5 % | über 5 Mrd. € (laut Reuters) |
| Anfang der 2030er | 8–10 % | mindestens 7 Mrd. € |
Zum Vergleich: Die Spanne von 8 bis 10 Prozent war jahrelang BMWs Normalziel. Dass der Konzern nun offen sagt, dorthin erst im nächsten Jahrzehnt zurückzukehren, ist ein ungewöhnlich nüchternes Eingeständnis für einen Premiumhersteller.
Welche Modelle wegfallen und welche kommen
BMW will die Zahl der Varianten in der gesamten Palette verkleinern. Konkret benannt wurde bislang nur ein Modell:
- BMW 2er Active Tourer: kein Nachfolger. Der Kompaktvan läuft mit der aktuellen Generation aus; ein Enddatum hat BMW nicht genannt.
- Kompakter Elektro-BMW der Neuen Klasse: soll 2028 starten, ausgerichtet auf Europa – also unterhalb von iX3 und i3.
- BMW ALPINA: Das erste Modell der neuen BMW-Marke ist für 2027 angekündigt und orientiert sich am 7er.
- SUV oberhalb des X7: prüft BMW für den US-Markt; Details gibt es noch nicht.
Für Fahrerinnen und Fahrer eines 2er Active Tourer heißt das: Das Auto bleibt vorerst bestellbar, und Ersatzteile sowie Service sind von einem Generationsende grundsätzlich nicht betroffen. Wer einen Nachfolger im gleichen Format erwartet hat, wird bei BMW künftig eher beim X1 oder beim kommenden kleinen Elektromodell landen.
Weniger Chefs: jede fünfte Führungsfunktion fällt weg
Organisatorisch greift BMW tief ein. Bis Mitte 2027 sollen etwa 20 Prozent der Bereiche und der dazugehörigen Führungsposten verschwinden; auf den Ebenen darunter plant der Konzern eine Reduzierung in ähnlicher Größenordnung. Wie viele Stellen das insgesamt sind, hat BMW in der Pressemitteilung nicht beziffert. Die Grundlage bildet das Programm, auf das sich Vorstand und Betriebsrat bereits im Sommer geeinigt hatten – es setzt auf freiwillige Abfindungen.
Hinzu kommen weitere Hebel: mehr zugekaufte Standardkomponenten, mehr Entscheidungsbefugnis für die Regionen und in China eine noch stärkere Lokalisierung. Dort sollen bis 2030 mindestens 95 Prozent der verkauften Autos auch im Land gebaut werden, heute sind es knapp 90 Prozent.
KI-Agenten von der Anforderung bis zur Freigabe
Am meisten Neues gab es beim Thema künstliche Intelligenz. BMW will KI nicht mehr nur punktuell einsetzen, sondern in die Kernprozesse holen:
| Bereich | Was BMW plant |
|---|---|
| Entwicklung | Spezialisierte KI-Agenten begleiten den Weg von den technischen Anforderungen über Tests bis zur Freigabe |
| Crash-Simulation | Zusammenarbeit mit dem französischen KI-Unternehmen Mistral AI an branchenspezifischen Modellen auf Basis von BMW-Ingenieursdaten |
| Produktion | Digitale Zwillinge, KI-gestützte Qualitätsprüfung, autonome Intralogistik, lernende Roboter |
| Einkauf | Angebote und Lieferanten automatisiert vergleichen |
| Vertrieb | Echtes Agenturmodell für die Marke BMW in Europa ab Mitte 2027 (MINI nutzt es bereits in 24 Märkten) |
Nedeljković nannte den durchgängigen Einsatz von „agentic AI“ einen „game-changer“ für schnellere Entscheidungen und schlankere Strukturen. Dass ausgerechnet ein europäischer KI-Anbieter für die Crash-Simulation ausgewählt wurde, dürfte auch mit Datenhoheit zu tun haben – diese Einschätzung ist unsere, BMW selbst hat sich dazu nicht geäußert.
Was ändert sich für Autofahrer in Deutschland?
- Agenturmodell ab Mitte 2027: Der Preis für einen neuen BMW wird dann zentral festgelegt, Händler handeln als Vermittler. Das klassische Feilschen beim Händler dürfte damit weitgehend entfallen – so wie es MINI-Kunden bereits kennen.
- Navigationsgeführter Assistent 2027: In Deutschland soll ein Fahrassistent nach der neuen UN-Regel DCAS kommen, der auf Autobahn, Landstraße und in der Stadt der Navigation folgt. Freigeschaltet wird er per Over-the-Air-Update.
- Autobahnassistent: Das freihändige Fahren bis 130 km/h soll bis Jahresende in 21 Ländern verfügbar sein.
- Kleinerer Einstieg in die Elektro-Welt: Mit dem Kompaktmodell 2028 bekäme BMW erstmals einen Elektro-Einstieg unterhalb des i3, der bei uns ab 59.900 Euro startet.
Wer gerade über einen neuen 3er nachdenkt, findet die Preise der achten Generation in unserem Überblick zum BMW 3er G50.
Häufige Fragen
Wird der BMW 2er Active Tourer sofort eingestellt? Nein. BMW hat nur angekündigt, dass es keine neue Generation geben wird. Das aktuelle Modell bleibt bis zum Ende seines Lebenszyklus im Angebot; ein konkretes Datum nannte BMW nicht.
Baut BMW in Deutschland Stellen ab? BMW reduziert bis Mitte 2027 etwa 20 Prozent der Bereiche und Führungsfunktionen, darunter in ähnlichem Umfang. Eine Gesamtzahl hat der Konzern in seiner Mitteilung nicht genannt; Grundlage ist ein mit dem Betriebsrat vereinbartes Programm mit freiwilligen Abfindungen.
Wann kommt der kleine Elektro-BMW? Laut BMW 2028, zuerst für Europa. Name, Preis und technische Daten sind noch nicht bekannt.
Was ist BMW ALPINA? BMW führt ALPINA als eigene Marke im Konzern weiter. Das erste Modell soll 2027 kommen und sich am 7er orientieren.
Was ist das Agenturmodell? Beim Agenturmodell verkauft der Hersteller direkt zu einem festen Preis, der Händler übernimmt Beratung, Probefahrt und Übergabe gegen Provision. Für die Marke BMW soll es in Europa ab Mitte 2027 gelten.











