Die europäisch-japanische Asteroidenmission Ramses hat einen wichtigen Meilenstein erreicht: Das Kernmodul der Sonde wurde zum ersten Mal eingeschaltet. Wie die Europäische Weltraumorganisation ESA am 23. September 2026 mitteilte, fand der Schritt im Reinraum des Hauptauftragnehmers OHB Italia in Mailand statt, einer Tochter des Bremer Raumfahrtkonzerns OHB. Ramses soll den Asteroiden Apophis begleiten, wenn dieser im April 2029 ungewöhnlich nah an der Erde vorbeifliegt.
Was genau wurde eingeschaltet?
Bisher existierte Ramses vor allem in Form von Berechnungen, Simulationen und Tests einzelner Bauteile. Nun wurde der Bordcomputer zusammen mit den bereits eingebauten Subsystemen im eigentlichen Sondenkörper mit Strom versorgt. Dazu gehören laut ESA:
- der Massenspeicher (Mass Memory Unit) für Mess- und Bilddaten,
- die Energieaufbereitung und -verteilung (Power Conditioning and Distribution Unit),
- die Remote Terminal Units, die Sensoren und Aktoren an den Bordcomputer anbinden.
Erstmals konnten die Ingenieurinnen und Ingenieure damit prüfen, ob diese Geräte als Gesamtsystem zusammenarbeiten. ESA-Projektleiter Paolo Martino spricht von einer „völlig neuen Phase" des Projekts. Ramses-Chefingenieur Ingo Gerth betonte, man habe den Bordcomputer nun gemeinsam mit den integrierten Subsystemen im Inneren der Sonde betreiben können.

Welche Rolle spielt Deutschland?
Für Leserinnen und Leser in Deutschland ist Ramses mehr als eine ferne ESA-Mission. Der Auftragnehmer OHB Italia gehört zur OHB SE mit Sitz in Bremen. Das Antriebsmodul der Sonde wird parallel im Orbital Propulsion Centre von ArianeGroup in Lampoldshausen (Baden-Württemberg) zusammengebaut. Beide Hälften, Kern- und Antriebsmodul, sollen laut ESA im Frühjahr 2027 im ESA-Technikzentrum ESTEC im niederländischen Noordwijk zusammengefügt werden.
Danach folgen die klassischen Umwelttests: Unter anderem soll Ramses zwei bis drei Wochen lang in einer Thermalvakuumkammer die Bedingungen im All durchlaufen. Außerdem sind Simulationen des gesamten Missionsablaufs geplant.
Warum der Zeitplan so knapp ist
Ramses gehört zu den ungewöhnlich schnell entwickelten ESA-Missionen. Von der Vertragsunterzeichnung bis zum Start bleiben laut ESA weniger als dreieinhalb Jahre. Der Grund ist nicht verhandelbar: Apophis nähert sich der Erde am Freitag, 13. April 2029, auf rund 32.000 Kilometer. Das ist näher als viele geostationäre Satelliten. Verpasst die Sonde das Startfenster im Frühjahr 2028, ist die Chance vertan.
| Eckdaten | Ramses |
|---|---|
| Partner | ESA und JAXA |
| Hauptauftragnehmer | OHB Italia (Mailand), Teil der OHB SE (Bremen) |
| Antriebsmodul | ArianeGroup, Lampoldshausen |
| Ziel | Asteroid (99942) Apophis, rund 375 m Durchmesser |
| Start | Frühjahr 2028, japanische H3-Rakete |
| Vorbeiflug Apophis | 13. April 2029, ca. 32.000 km Abstand zur Erde |
| Begleiter | zwei CubeSats |
| Nächster Schritt | Verbindung der Module, Frühjahr 2027 (ESTEC) |
Was Ramses bei Apophis untersuchen soll
Die Sonde soll Apophis schon vor der größten Annäherung erreichen und ihn dann während und nach dem Vorbeiflug beobachten. Im Kern geht es um die Frage, ob und wie die Schwerkraft der Erde den Asteroiden während der nahen Passage verändert. Zwei mitgeführte CubeSats sollen dabei helfen; einer soll den Asteroiden umkreisen, der andere auf ihm landen. Japan steuert neben der Rakete weitere Beiträge zur Sonde bei.
Wichtig für die Einordnung: Apophis wird die Erde 2029 nicht treffen. Die Mission dient der planetaren Verteidigung, also dem Wissen, wie ein Asteroid aufgebaut ist und wie er reagiert. Nach Angaben aus dem heise-Bericht sind aktuell rund 44.000 erdnahe Asteroiden bekannt; etwa 2.500 gelten als potenziell gefährlich, weil sie der Erdbahn nahekommen.
Fazit
Mit der ersten Inbetriebnahme ist Ramses vom Papier in die Hardware übergegangen. Die kritischen Etappen stehen aber noch bevor: der Zusammenbau mit dem deutschen Antriebsmodul 2027 und die Umwelttests vor dem Start. Einen Spielraum für Verzögerungen gibt es kaum, denn Apophis wartet nicht.
Häufige Fragen
Wann startet Ramses?
Laut ESA muss die Sonde im Frühjahr 2028 starten. Vorgesehen ist eine japanische H3-Rakete.
Ist Apophis gefährlich für die Erde?
Beim Vorbeiflug am 13. April 2029 besteht nach heutigem Stand keine Einschlaggefahr. Die Mission soll vor allem Wissen für den Fall liefern, dass eines Tages ein gefährlicher Asteroid abgewehrt werden muss.
Was hat Deutschland mit Ramses zu tun?
Der Hauptauftragnehmer gehört zum Bremer OHB-Konzern, und das Antriebsmodul entsteht bei ArianeGroup in Lampoldshausen.











