Das Weltraumteleskop Hubble hat am 19. September 2026 seinen 200.000. Umlauf um die Erde abgeschlossen, wie die NASA mitteilt. Seit dem Start im April 1990 hat das Observatorium damit rund 8 Milliarden Kilometer (5 Milliarden Meilen) zurückgelegt und mehr als 1,7 Millionen Beobachtungen durchgeführt. Zum Jubiläum veröffentlichte die NASA eine neue Aufnahme, mit der Hubble nach einer ganz besonderen Sternexplosion Ausschau hält.

Was bedeuten 200.000 Orbits?

Hubble kreist in rund 540 Kilometern Höhe um die Erde und braucht für eine Runde etwa 94 Minuten. Pro Tag kommen so gut 15 Umläufe zusammen, pro Jahr mehr als 5.500. Dass nach 36 Jahren nun die Marke von 200.000 erreicht ist, passt zu dieser Rechnung.

Beeindruckender als die Strecke ist die wissenschaftliche Bilanz. Laut NASA beantragen Astronominnen und Astronomen jedes Jahr ungefähr siebenmal so viel Beobachtungszeit, wie Hubble tatsächlich bieten kann. Das Teleskop ist also trotz seines Alters stark überbucht. Ein Grund: Hubble beobachtet im ultravioletten und sichtbaren Licht und deckt damit Bereiche ab, die das Infrarot-Teleskop James Webb nicht erfasst. Die NASA betont deshalb, dass sich Hubble, Webb und das künftige Roman-Teleskop gegenseitig ergänzen.

Hubble nach 200.000 Erdumrundungen
Grafik: dasTECHNO · Daten: NASA, heise online, Wikipedia

Supernova Athena: Warum Hubble auf eine Wiederholung wartet

Die Jubiläumsaufnahme zeigt den Galaxienhaufen MACS J0417. Er ist so massereich, dass er als Gravitationslinse wirkt: Seine Schwerkraft krümmt und verstärkt das Licht von Objekten, die weit dahinter liegen. Das Licht einer fernen Sternexplosion kann dadurch auf mehreren Wegen unterschiedlicher Länge zur Erde gelangen. Die Folge ist verblüffend: Dieselbe Supernova taucht mehrfach auf, im Abstand von Monaten oder sogar Jahren.

Genau so ein Fall ist die Supernova Athena, die das James-Webb-Teleskop 2025 entdeckt hat. Nach den Modellen der Forschenden soll sie zwischen jetzt und Anfang März 2027 an einer weiteren Stelle des Bildes erneut erscheinen. Hubble fotografiert die Region deshalb wiederholt, um den Moment nicht zu verpassen.

Galaxienhaufen MACS J0417, aufgenommen von Hubble bei der Suche nach der Supernova Athena
Bild: NASA, ESA, STScI, M. Pascale (UCLA); Bearbeitung: J. DePasquale (STScI)

Der Zeitpunkt des Wiedererscheinens ist für die Kosmologie wertvoll. Aus der Verzögerung zwischen den einzelnen Bildern lässt sich zum einen die Massenverteilung des Haufens genauer bestimmen. Zum anderen liefert sie einen unabhängigen Weg, die Hubble-Konstante zu messen, also die Geschwindigkeit, mit der sich das Universum ausdehnt. Bei diesem Wert liefern verschiedene Messmethoden seit Jahren nicht zueinander passende Ergebnisse. Jede zusätzliche, unabhängige Messung hilft, diese sogenannte Hubble-Spannung einzuordnen.

Wie lange arbeitet Hubble noch?

Ganz ohne Alterserscheinungen läuft der Betrieb nicht mehr. Ursprünglich hatte Hubble sechs Kreiselinstrumente (Gyroskope) zur Ausrichtung an Bord. Seit 2024 arbeitet das Teleskop bewusst nur noch mit einem, um die übrigen als Reserve zu schonen. Nach Angaben von heise sinkt die Beobachtungskapazität dadurch um rund 12 Prozent. Reparieren kann vor Ort niemand mehr: Die letzte von fünf Wartungsmissionen flog die Raumfähre Atlantis im Mai 2009, aus dieser Mission stammt auch unser Titelbild. Seit dem Ende des Shuttle-Programms 2011 gibt es kein Fahrzeug, das Astronauten zu Hubble bringen kann. Zudem sinkt die Umlaufbahn langsam. Schätzungen gehen davon aus, dass Hubble ohne Anhebung der Bahn in den 2030er-Jahren in die Atmosphäre eintreten würde. Ein konkretes Enddatum hat die NASA nicht genannt.

Was hat Europa davon?

Hubble ist ein Gemeinschaftsprojekt von NASA und ESA. Die europäische Raumfahrtagentur hat unter anderem die ersten Solarzellen und ein Instrument beigesteuert. Im Gegenzug steht Forschenden aus den ESA-Mitgliedsstaaten, darunter Deutschland, mindestens 15 Prozent der Beobachtungszeit zu. Auch die Jubiläumsaufnahme trägt deshalb neben NASA den Vermerk ESA. Für europäische Teams bleibt Hubble damit eines der wenigen großen Observatorien, das im ultravioletten Licht beobachten kann.

Häufig gestellte Fragen

Wann wurde Hubble gestartet?

Am 24. April 1990 mit der Raumfähre Discovery (Mission STS-31). Ausgesetzt wurde das Teleskop einen Tag später.

Wie schnell umrundet Hubble die Erde?

Eine Runde dauert rund 94 Minuten, in etwa 540 Kilometern Höhe. Das entspricht gut 15 Umläufen pro Tag.

Was ist eine gravitativ gelinste Supernova?

Eine Sternexplosion, deren Licht durch die Schwerkraft eines Galaxienhaufens auf mehrere Wege gelenkt wird. Dadurch erscheint sie mehrfach und zeitversetzt am Himmel.

Ersetzt James Webb das Hubble-Teleskop?

Nein. Webb beobachtet vor allem im Infrarot, Hubble im ultravioletten und sichtbaren Bereich. Die NASA setzt beide ergänzend ein.