Die Bundesregierung will chinesische Netztechnik offenbar auch aus den Antennenstandorten des deutschen 5G-Netzes verbannen. Nach Berichten von Handelsblatt und Golem plant die Bundesnetzagentur, in einem neuen Sicherheitskatalog erstmals alle Funktionen von 5G-Basisstationen als „kritisch“ einzustufen. Für Huawei und ZTE hätte das weitreichende Folgen: Ihre Technik dürfte dann im Zugangsnetz, also dort, wo Smartphones sich mit dem Netz verbinden, kaum noch eingesetzt werden.
Beschlossen ist das noch nicht. Ein Termin für die finale Fassung des Katalogs wurde nicht genannt, und eine offizielle Pressemitteilung von Bundesnetzagentur oder Bundesinnenministerium (BMI) liegt bislang nicht vor.
Was die Bundesnetzagentur plant
Basisstationen, im Fachjargon gNodeB, sind die Funkknoten an Masten und auf Dächern. Bisher galten sie bei den Sicherheitsauflagen für Mobilfunknetze als weniger heikel als das Kernnetz. Die Bundesnetzagentur sieht das nun anders. Ihre Begründung laut den Berichten:
- Basisstationen übernehmen zentrale Sicherheits- und Steuerungsfunktionen.
- Sie müssen vor einer möglichen Einflussnahme aus Drittstaaten geschützt werden.
- Bei einer Störung drohe ein Ausfall über eine Region hinaus.
Wird eine Funktion im Katalog als kritisch geführt, greift für die verbauten Komponenten das strengere Prüfregime für kritische Infrastruktur. Das BMI kann den Einsatz bestimmter Hersteller dann untersagen. Ein Ministeriumssprecher sprach gegenüber dem Handelsblatt von einer „sicherheitspolitischen Zeitenwende“, die eine umfassende Neubewertung erfordere.

Was bisher vereinbart war
Der Vorstoß baut auf einer Einigung auf, die das BMI im Juli 2024 mit Deutscher Telekom, Vodafone und Telefónica (O2) geschlossen hat. Sie sah zwei Fristen vor: Im 5G-Kernnetz ist für Huawei- und ZTE-Komponenten Ende 2026 Schluss. Drei Jahre später, also Ende 2029, sollen auch kritische Funktionen der Netzmanagementsysteme in Zugangs- und Transportnetz ersetzt sein.
Die Antennen selbst blieben damals weitgehend außen vor. Genau diese Lücke würde der neue Katalog schließen. Weil das Funknetz der mit Abstand größte Teil eines Mobilfunknetzes ist, ginge dieser Schritt deutlich weiter als die bisherigen Auflagen.
Netzbetreiber und Huawei halten dagegen
Der Widerstand ist breit. In ihrer Auswertung der Stellungnahmen hält die Bundesnetzagentur selbst fest, dass alle Netzbetreiber die Einstufung der Basisstationen als unverhältnismäßig ablehnen. Die Deutsche Telekom warnt, die „Versorgungsqualität würde aufs Spiel gesetzt“. Huawei argumentiert, die Funktionen von Basisstationen dürften nicht pauschal auf die Liste der kritischen Funktionen gesetzt werden.
Hinter der Kritik stehen vor allem Kosten und Zeit, denn ein Austausch beträfe Technik direkt an den Funkstandorten. Die Berichte sprechen von Milliardenkosten, eine belastbare Zahl von Behörden oder Betreibern gibt es bislang aber nicht.
Was das für Mobilfunkkunden bedeutet
Kurzfristig ändert sich für Kundinnen und Kunden nichts: Der Katalog ist noch in Arbeit, und wie lange Betreiber nach einer Einstufung Zeit für den Austausch hätten, ist offen. Spürbar könnte die Entscheidung erst während eines Umbaus werden. Betreiber müssten dann parallel zum Netzausbau Technik tauschen, was Ressourcen bindet. Wie gut die Netze heute dastehen, zeigt der nPerf-Vergleich von Telekom, Vodafone und O2.
Als Alternativen zu Huawei und ZTE kommen im Funknetz vor allem Ericsson und Nokia infrage. Wie es um die europäischen Ausrüster wirtschaftlich steht, hat zuletzt die ECIPE-Studie zu 6G in Europa beleuchtet.
Häufige Fragen
Ist Huawei jetzt in deutschen 5G-Netzen verboten?
Nein, nicht vollständig. Fest vereinbart ist der Ausstieg aus dem 5G-Kernnetz bis Ende 2026 und aus kritischen Netzmanagementfunktionen bis Ende 2029. Die Ausweitung auf Basisstationen ist bisher nur ein Plan.
Was ist eine 5G-Basisstation?
Die Funkanlage an einem Mast oder auf einem Dach, mit der sich Smartphones verbinden. Sie leitet den Datenverkehr ins Transport- und Kernnetz weiter.
Wann wird der neue Sicherheitskatalog verbindlich?
Ein Datum ist nicht bekannt. Die Bundesnetzagentur hat zunächst Stellungnahmen der Branche eingeholt und ausgewertet.
Welche Netzbetreiber sind betroffen?
Die drei großen Betreiber Telekom, Vodafone und Telefónica (O2), die 2024 die Vereinbarung mit dem BMI geschlossen haben. Alle drei lehnen die geplante Einstufung als unverhältnismäßig ab.
Titelbild: IToms / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)











