Europas größte Mobilfunkkonzerne wollen Starlink beim Handyempfang aus dem All offenbar nicht kampflos das Feld überlassen. Deutsche Telekom, Vodafone, Orange und Telefónica sondieren nach Berichten von Bloomberg und Politico ein gemeinsames Konsortium, das sich um das 2-GHz-Satellitenband der EU bewerben könnte. Damit ließen sich Smartphones direkt per Satellit verbinden, dort, wo kein Funkmast hinreicht.
Offiziell bestätigt ist davon nichts. Keiner der vier Konzerne wollte sich gegenüber Bloomberg äußern, die Gespräche gelten als frühes Stadium. Ob überhaupt ein Konsortium gegründet und ein Gebot abgegeben wird, ist nicht entschieden.
Worum geht es beim 2-GHz-Band?
Das Band rund um 2 GHz ist in der EU für mobile Satellitendienste reserviert. Seit 2009 nutzen es zwei Anbieter: Inmarsat (heute Teil von Viasat) und EchoStar. Ihre Nutzungsrechte enden im Mai 2027. Die EU-Kommission hat im Mai 2026 einen neuen Rechtsrahmen für die Vergabe vorgeschlagen, dem Parlament und Rat noch zustimmen müssen. Konkrete Auktionsregeln gibt es bislang nicht.
Klar ist nach den bisherigen Berichten zweierlei: Ein Teil des Spektrums soll für staatliche Dienste wie das EU-Satellitenprogramm IRIS² reserviert werden, und europäisch kontrollierte Betreiber sollen bei der Vergabe Vorrang bekommen. Wie das Band genau aufgeteilt wird, beschreiben die Quellen unterschiedlich; beschlossen ist das noch nicht.

Warum jetzt? Politischer Rückenwind aus Paris und Brüssel
Laut heise, das sich auf Politico beruft, hat Frankreichs Präsident Emmanuel Macron beim jüngsten Weltraumgipfel in Paris europäische Unternehmen zu einer gemeinsamen Front aufgerufen. Im EU-Parlament drängen Abgeordnete wie Angelika Winzig und Michał Kobosko darauf, die Hürden für außereuropäische Anbieter bei der Vergabe zu erhöhen.
Auch Orange hat seine Linie bereits öffentlich gemacht: Laut heise betonte Michaël Trabbia von der Orange-Gruppe, man wolle einen solchen Dienst den eigenen Kunden anbieten und werde keinen einzelnen dominanten Anbieter hinnehmen.
Der Widerspruch: Die Telekom arbeitet schon mit Starlink
Bemerkenswert ist die Rolle der Deutschen Telekom. Sie hat am 2. März 2026 offiziell eine Partnerschaft mit Starlink angekündigt: Ab Anfang 2028 sollen Smartphones in zehn europäischen Telekom-Märkten, darunter Deutschland, automatisch auf Starlink-Satelliten umschalten, wenn das Mobilfunknetz fehlt. Genutzt werden soll dafür Starlinks Satellitengeneration V2.
Auch bei Vodafone ist die Lage verzwickt. Der Konzern hält 50 Prozent an einem europäischen Gemeinschaftsunternehmen mit dem US-Anbieter AST SpaceMobile. Nach dem Kommissionsvorschlag würde diese Struktur laut The Next Web nicht als „europäisch kontrolliert“ gelten. Für ein gemeinsames Gebot müsste sie also umgebaut werden.
Für die Konzerne wäre ein eigenes Satellitenkonsortium deshalb vor allem eine strategische Absicherung: Wer selbst Spektrum besitzt, ist nicht dauerhaft auf die Konditionen eines einzigen Anbieters angewiesen.
Was bedeutet das für Sie als Handynutzer?
Kurzfristig ändert sich nichts. Selbst wenn das Konsortium zustande kommt, werden die neuen Frequenzrechte nach den bisherigen Plänen erst gegen Ende des Jahrzehnts vergeben; Dr. Web nennt 2029 als wahrscheinlichen Zeitpunkt. Bis dahin ist die Telekom-Starlink-Kooperation der konkreteste Weg zu Satellitenempfang auf normalen Smartphones in Deutschland.
Langfristig könnte mehr Wettbewerb im All aber Funklöcher günstiger schließen, etwa in Bergregionen oder Naturschutzgebieten, in denen sich Masten kaum bauen lassen. Wie schnell Starlink selbst seine Technik ausbaut, zeigt der erste Orbitalflug von Starship mit Starlink-V3-Satelliten. Wo Europa bei der Mobilfunktechnik insgesamt steht, beleuchtet unser Bericht zum 6G-Dilemma Europas.
Häufige Fragen
Gibt es schon einen Vertrag zwischen den vier Konzernen?
Nein. Es handelt sich um Gespräche in einem frühen Stadium. Die Unternehmen haben sich nicht öffentlich geäußert.
Wann wird das 2-GHz-Band neu vergeben?
Die aktuellen Lizenzen laufen im Mai 2027 aus. Der neue Rechtsrahmen muss noch von Parlament und Rat beschlossen werden; die Vergabe selbst wird erst danach erfolgen.
Kann ich mit meinem Telekom-Handy schon Starlink nutzen?
Noch nicht. Die Telekom plant den Start ihres Satellite-to-Mobile-Dienstes mit Starlink für Anfang 2028.
Was ist IRIS²?
IRIS² ist das geplante Satellitenkommunikationssystem der EU für sichere staatliche Verbindungen und gilt als europäische Antwort auf Starlink.











