Der Führerschein wandert aufs Smartphone, und zwar früher als zuletzt angekündigt. Das Bundesverkehrsministerium (BMV) will den digitalen Führerschein bis Ende November 2026 freischalten. Bisher war nur von „Ende 2026“ die Rede. Einen festen Starttag nennt das Ministerium noch nicht. Gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung sprach es von einem Zeitraum von etwa vier Wochen.

Eine neue App müssen Sie dafür nicht installieren. Der Führerschein kommt in die i-Kfz-App, die das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) gemeinsam mit der Bundesdruckerei entwickelt hat. Dort liegt bereits der digitale Fahrzeugschein.

Was Sie für den digitalen Führerschein brauchen

Die Hürden sind dieselben wie beim Fahrzeugschein in der App. Wer die App schon nutzt, ist also weitgehend vorbereitet:

  1. Personalausweis mit aktivierter Online-Ausweisfunktion und die sechsstellige PIN. Laut BMV funktionieren auch die eID-Karte für Bürgerinnen und Bürger aus EU und EWR sowie der elektronische Aufenthaltstitel.
  2. Ein NFC-fähiges Smartphone, denn der Ausweis wird zur Anmeldung ans Gerät gehalten.
  3. iPhone mit iOS 17 oder neuer bzw. Android ab Version 12.
  4. Die kostenlose i-Kfz-App aus dem App Store oder Google Play. Ein eigenes Konto ist nicht nötig.

Nicht jedes Android-Gerät wird unterstützt. Laut heise laufen alternative Systeme wie LineageOS und GrapheneOS nicht, ebenso Huawei-Smartphones, denen die Google-Dienste fehlen. Bei Motorola klappt es nur mit neueren Modellen, darunter das faltbare Razr 50 Ultra sowie die Edge-50-Reihe in den Varianten Neo und Ultra.

Digitaler Führerschein: Plastikkarte und App im Vergleich
Grafik: dasTECHNO · Daten: Bundesregierung, BMV, ADAC (Stand: 3. November 2026)

Ersetzt die App die Plastikkarte?

Nein. Der digitale Führerschein ist ein freiwilliges Zusatzangebot. Die Karte bleibt gültig und wird nicht eingezogen. Nach Angaben des ADAC gilt die App-Version vorerst nur in Deutschland. Für Fahrten ins Ausland müssen Sie deshalb weiter die Plastikkarte dabeihaben, auch für den Urlaub mit dem Mietwagen in Österreich oder Italien.

Im Inland soll das Smartphone künftig als Nachweis reichen, etwa bei einer Verkehrskontrolle oder beim Carsharing. Ganz reibungslos dürfte das zum Start aber nicht laufen. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) begrüßt die Digitalisierung zwar grundsätzlich, bemängelt laut t3n aber, dass es noch keine einheitliche Schulung für die Prüfung digitaler Dokumente gibt. Gerade in den ersten Wochen ist es daher sinnvoll, die Karte zusätzlich mitzunehmen. Ein leerer Akku ist sonst kein Nachweis.

Wie viele Menschen die App schon nutzen

Die i-Kfz-App wurde im November 2025 von Verkehrsminister Patrick Schnieder und Digitalminister Karsten Wildberger vorgestellt. Zuerst ging es nur um den Fahrzeugschein, also die Zulassungsbescheinigung Teil I. Im März 2026 meldete die Bundesregierung mehr als 1,5 Millionen Nutzerinnen und Nutzer. Laut t3n lag die Zahl der Installationen im August bei über zwei Millionen. Inzwischen können auch Betriebe wie Handwerksfirmen oder Flottenbetreiber den Fahrzeugschein per QR-Code an Beschäftigte weitergeben, ohne dass diese den Ausweis des Halters brauchen.

Mit dem Führerschein kommt nun das zweite Dokument hinzu, das viele Menschen täglich im Portemonnaie tragen. Ähnlich wie beim digitalen Führungszeugnis über die BundID hängt alles am Online-Ausweis. Wer PIN und Ausweis-Login bisher nie genutzt hat, sollte das vor dem Start einrichten. Eine vergessene PIN lässt sich über den Rücksetzbrief neu setzen, das dauert aber einige Tage.

Wie es in Europa weitergeht

Deutschland ist mit seiner Lösung vorerst allein. Die EU hat mit der neuen Führerscheinrichtlinie einen digitalen Führerschein für alle Mitgliedstaaten beschlossen, der bis 2030 kommen soll. Erst dann wird die Smartphone-Version auch über die Grenzen hinweg anerkannt. Zusätzlich will das BMV den Führerschein laut ADAC Anfang 2027 auch in die deutsche EUDI-Wallet bringen, die staatliche Brieftasche für digitale Nachweise.

Einordnung

Für Autofahrerinnen und Autofahrer ist der praktische Nutzen überschaubar, aber real: ein Dokument weniger, das man vergessen kann. Wichtiger ist der Schritt für die Verwaltung. Nach Fahrzeugschein und Führungszeugnis zeigt sich, dass der Online-Ausweis langsam zum Schlüssel für viele Behördendienste wird. Die Schwachstellen liegen eher außerhalb der App, bei der Polizei vor Ort und bei der fehlenden Gültigkeit im Ausland.

Häufige Fragen

Wann startet der digitale Führerschein genau?

Das Bundesverkehrsministerium nennt „bis Ende November 2026“. Ein konkreter Tag ist noch nicht bekannt.

Brauche ich eine neue App?

Nein. Der Führerschein wird in die bestehende i-Kfz-App des Kraftfahrt-Bundesamts integriert.

Muss ich den Plastikführerschein abgeben?

Nein. Die Karte bleibt gültig. Im Ausland müssen Sie sie weiterhin mitführen.

Funktioniert die App auf meinem Huawei-Handy?

Nach aktuellem Stand nicht. Auch Custom-ROMs wie LineageOS und GrapheneOS werden nicht unterstützt.

Was kostet der digitale Führerschein?

Die i-Kfz-App selbst ist kostenlos. Zu möglichen Gebühren für den digitalen Führerschein gibt es bisher keine Angaben.

Titelbild: Startbildschirm der i-Kfz-App, Quelle: BMV.