Apples neuer Chef John Ternus sieht keinen Grund, beim Thema künstliche Intelligenz hektisch nachzuziehen. In einem ausführlichen Gespräch mit WIRED-Autor Steven Levy, das am 30. Oktober erschien, wies er den Vorwurf zurück, Apple sei im KI-Rennen abgehängt. Seine knappe Antwort darauf: „I really like where we're at“ – ihm gefalle, wo Apple derzeit stehe.
Das Interview entstand in der Woche, in der Apple in Los Angeles das MacBook Pro mit Touchscreen vorstellte. Es ist Ternus' erste große Grundsatzäußerung zur KI, seit er am 1. September die Nachfolge von Tim Cook angetreten hat.
Was hat Ternus konkret gesagt?

Der zentrale Satz des Gesprächs lautet: „We don't want to ship AI for AI's sake.“ Apple wolle also keine Funktionen veröffentlichen, nur weil KI gerade gefragt ist. Als Maßstab nannte Ternus die Frage, ob Menschen ein Produkt wirklich mögen. Im Idealfall solle niemand darüber nachdenken müssen, ob eine Funktion auf KI oder auf klassischer Software beruht.
Levy fragte auch nach KI-Agenten, die eines Tages klassische Apps überflüssig machen könnten – ein Szenario, das Apples App-Store-Geschäft direkt beträfe. Ternus räumte ein, dass so etwas das Leben stark vereinfachen könne. Die Entwicklung von Produkten bleibe aber eine zutiefst menschliche Arbeit, die Apple gern selbst übernehme.
Zur Regulierung von KI blieb er allgemein: Apples Fokus liege auf sicheren Produkten und dem Schutz der Nutzerdaten. Seine eigene Rolle fasste er laut 9to5Mac in einem Wort zusammen: Produkt.
Welche Rolle spielt Tim Cook noch?
Tim Cook ist seit dem Wechsel Executive Chairman, also Vorsitzender des Verwaltungsrats. Ternus sagte, Cook stehe ihm überall dort zur Seite, wo er um Hilfe bitte – vor allem bei politischen Kontakten. Eigene Beziehungen baue er gerade erst auf; US-Präsident Donald Trump habe er nach eigener Aussage noch nicht getroffen.
Ternus ist seit 2001 bei Apple. Laut seiner offiziellen Biografie war er zuletzt Senior Vice President für Hardware-Entwicklung und an iPad, AirPods sowie mehreren iPhone-, Mac- und Apple-Watch-Generationen beteiligt. Während Cook aus dem operativen Geschäft kam, stammt Ternus aus der Produktentwicklung.
Wie steht Apple im Vergleich zur Konkurrenz da?
Google, Microsoft, Samsung und OpenAI vermarkten KI offensiv als eigenständiges Produkt, etwa mit Chatbots und Agenten. Apple setzt dagegen darauf, KI in bestehende Funktionen einzubauen. Die neue Siri AI greift dabei auch auf Gemini-Modelle von Google zurück, und Apple Intelligence lässt Nutzern die Wahl externer Dienste wie ChatGPT.
Dass dieser Weg nicht immer aufgeht, zeigte zuletzt OpenAI selbst: In einer Gerichtsakte räumte das Unternehmen ein, dass die ChatGPT-Integration in Siri weit hinter den Erwartungen blieb. Ternus' Aussagen lassen sich auch als Antwort auf Anleger lesen, die von Apple mehr Tempo bei KI erwarten.
Was bedeutet das für Nutzer in Deutschland?
Kurzfristig wenig. Siri AI ist in der EU wegen des Streits um den Digital Markets Act auf iPhone und iPad weiterhin nicht verfügbar; Bloomberg rechnet bestenfalls mit einem Start im Frühjahr 2027 (unsere Analyse). Zum DMA-Konflikt äußerte sich Ternus in den bekannten Auszügen des Interviews nicht. Auf dem Mac ist die neue Siri dagegen auch hierzulande nutzbar, bislang aber nur auf Englisch voll.
Häufige Fragen
Seit wann ist John Ternus Apple-CEO?
Seit dem 1. September 2026. Tim Cook wechselte an die Spitze des Verwaltungsrats.
Plant Apple einen eigenen Chatbot?
Dazu hat Ternus nichts angekündigt. Er betonte, KI solle Produkte verbessern, statt selbst im Vordergrund zu stehen.
Wo ist das Interview erschienen?
Bei WIRED, geführt von Steven Levy; veröffentlicht am 30. Oktober 2026.










