Die Einbindung von ChatGPT in Siri und Apple Intelligence hat für OpenAI offenbar kaum etwas gebracht. Das geht aus einem Schriftsatz hervor, den das Unternehmen im Kartellverfahren mit Elon Musks SpaceXAI beim US-Bezirksgericht für den nördlichen Bezirk von Texas eingereicht hat. Darin wird die Partnerschaft mit Apple als Kanal beschrieben, der „dauerhaft unter den Erwartungen“ geblieben sei.
Bemerkenswert ist die Stoßrichtung: OpenAI nutzt das Eingeständnis nicht als Schwäche, sondern als Argument. Wenn die Kooperation kaum Nutzer brachte, so die Logik, kann sie Wettbewerber wie Grok auch nicht vom Markt verdrängt haben.
Was steht in dem Dokument?

Laut den Berichten von MacRumors und 9to5Mac ergibt sich folgender Ablauf:
- Dezember 2024: ChatGPT wird mit iOS 18.2 in Siri und die Schreibwerkzeuge integriert. Die Funktion ist standardmäßig deaktiviert und muss in mehreren Schritten aktiviert werden.
- Januar 2025: Etwa einen Monat nach dem Start spricht OpenAI intern von einem „langsamen Start“ und senkt die Prognose für zusätzliche wöchentlich aktive Nutzer aus dem Apple-Kanal.
- Sommer 2025: Spätestens jetzt ist die schwache Entwicklung laut 9to5Mac eindeutig.
- März 2026: Apple und OpenAI sprechen über das Thema; der Inhalt ist im Dokument geschwärzt.
Ursprünglich hatte OpenAI auf einen „Halo-Effekt“ gehofft: iPhone-Nutzer sollten ChatGPT über Siri entdecken und später ein Abo abschließen. Konkrete Nutzerzahlen – erwartet oder tatsächlich erreicht – sind in der öffentlichen Fassung geschwärzt.
Warum OpenAI das jetzt offenlegt

Musks Unternehmen hatten Apple und OpenAI im August 2025 verklagt. Der Vorwurf: Beide hätten sich abgesprochen, um ihre Stellung im KI-Markt abzusichern; Grok sei auf dem iPhone benachteiligt und im App Store zurückgestuft worden. Am 14. September 2026 zogen X Corp und SpaceXAI sämtliche Vorwürfe gegen Apple zurück – endgültig, eine erneute Klage in dieser Sache ist ausgeschlossen. Das Verfahren gegen OpenAI läuft weiter.
Am Dienstag, dem 22. September, beantragte OpenAI bei US-Bezirksrichter Mark Pittman ein Urteil ohne Hauptverhandlung (Summary Judgment). Die Verteidigung stützt sich auf zwei Punkte:
| Argument | Inhalt laut Schriftsatz und Berichten |
|---|---|
| Keine Exklusivität | Apple lehnte eine von OpenAI gewünschte zweijährige Exklusivität ab und behielt sich weitere Anbieter vor. Apples Gutachterin, die Ökonomin Catherine Tucker, beziffert den Ausschluss von Wettbewerbern als vernachlässigbar. |
| Kein Schaden | Laut PYMNTS verweist OpenAI auf den Börsenprospekt von SpaceX bei der US-Börsenaufsicht SEC, der Aussagen enthalte, die dem behaupteten Wettbewerbsschaden „diametral“ widersprächen. |
Was bedeutet das für iPhone-Nutzer in Deutschland?
Unmittelbar ändert sich nichts. Das Dokument enthält keinen Hinweis darauf, dass die ChatGPT-Option in Apple Intelligence entfernt werden soll. Interessant ist der Fall aus zwei Gründen:
- Voreinstellungen entscheiden. Eine Funktion, die ab Werk ausgeschaltet ist und eine zusätzliche Zustimmung verlangt, wird von den meisten Nutzern nie aktiviert. Das ist auch für die europäische Debatte um Standardeinstellungen und Auswahlbildschirme unter dem Digital Markets Act relevant.
- Apple setzt auf mehrere Anbieter. Für die neue Siri AI nutzt Apple inzwischen Modelle von Googles Gemini; Xcode unterstützt Coding-Agenten von Anthropic, Google und OpenAI. Die von Apple 2024 angekündigte Wahlfreiheit bei KI-Modellen setzt sich damit fort.
Wie geht es weiter?
Wann Richter Pittman über den Antrag entscheidet, ist offen. Lehnt er ihn ab, beginnt der Prozess im Januar 2027. Weitere aktuelle Entwicklungen rund um OpenAI finden Sie in unserem Beitrag zum Vorfall mit einem OpenAI-Agenten in Australien.
Häufige Fragen
Wird ChatGPT aus Siri entfernt?
Dafür gibt es keine Anzeichen. Der Schriftsatz beschreibt lediglich, dass die Integration weniger Nutzer brachte als erwartet.
Wie viele Nutzer hatte OpenAI erwartet?
Das ist nicht bekannt. Die konkreten Zahlen sind in der öffentlichen Fassung des Dokuments geschwärzt.
Wer klagt noch gegen wen?
Nur noch SpaceXAI gegen OpenAI. Die Vorwürfe gegen Apple wurden am 14. September 2026 zurückgezogen.










