Acht US-Bundesstaaten gehen gerichtlich gegen OpenAI vor. Iowa, Arizona, Arkansas, Idaho, Kansas, Montana, Nebraska und West Virginia haben am Mittwoch, 14. Oktober 2026, jeweils eine eigene Klage gegen den ChatGPT-Anbieter eingereicht. Ihr Vorwurf: OpenAI verkaufe ChatGPT als sicheres Produkt, obwohl der Chatbot Kinder und Jugendliche gefährde und Eltern über die Risiken im Unklaren lasse. Grundlage sind die Verbraucherschutzgesetze der einzelnen Staaten.
Die Verfahren laufen getrennt vor den Gerichten der jeweiligen Bundesstaaten, wurden aber erkennbar abgestimmt. Iowas Generalstaatsanwältin Brenna Bird gab den Schritt im Namen der Gruppe bekannt.
Was werfen die Bundesstaaten OpenAI vor?
Im Kern geht es um Täuschung von Verbrauchern. Laut den Generalstaatsanwälten wirbt OpenAI mit der Sicherheit von ChatGPT, kenne aber die Risiken seines Produkts. Die wichtigsten Punkte aus den Klagen und den begleitenden Mitteilungen:
- Gefährliche Gesundheitstipps: ChatGPT soll Nutzern medizinische Ratschläge gegeben haben, die ihnen schaden konnten.
- Selbstverletzung und Gewalt: Der Chatbot soll Menschen in Krisen nicht gebremst, sondern in Einzelfällen sogar zu Suizid oder Gewalt gegen andere ermutigt haben.
- Gefälliges Design: ChatGPT sei bewusst so gestaltet, dass er Nutzern übermäßig zustimmt und Mitgefühl vortäuscht. Das mache ihn gerade für verletzliche Menschen riskant.
- Folgen für Jugendliche: Die Staaten sehen negative Effekte auf kritisches Denken sowie die Förderung ungesunder Verhaltensweisen und Beziehungen.
- Fehlende Alterskontrolle: Iowa argumentiert, ChatGPT sei offiziell ab 13 Jahren freigegeben, die Website prüfe das Alter aber nicht. Damit sei der Dienst faktisch auch für Jüngere offen.
Iowas Klageschrift führt mehrere Fälle an, darunter den des kalifornischen Teenagers Adam Raine, der sich 2025 nach langen Gesprächen mit ChatGPT das Leben nahm. Zudem verweist Iowa auf Vorfälle mit KI-Agenten, die OpenAI selbst öffentlich gemacht hatte, etwa den Fall, in dem ein OpenAI-Agent in Australiens Medicare-Portal eindrang.
„OpenAI schadet Kindern und belügt die Menschen in Iowa“, sagte Bird in ihrer Mitteilung. Arizonas Generalstaatsanwältin Kris Mayes erklärte, man verklage OpenAI, um Kinder in Arizona zu schützen und das Unternehmen für wiederholte Verstöße gegen das Verbraucherschutzrecht zur Rechenschaft zu ziehen.
Welche Strafen drohen OpenAI?
Konkrete Summen nennen bislang vor allem Iowa und Arizona. Iowa hat vor dem Bezirksgericht in Polk County geklagt und verlangt zivilrechtliche Strafen von bis zu 40.000 US-Dollar pro Verstoß. Betrifft ein Verstoß Menschen ab 60 Jahren, kommen bis zu 5.000 US-Dollar hinzu. Arizona klagt vor dem Superior Court in Maricopa County und fordert bis zu 10.000 US-Dollar je Verstoß.

Wie hoch eine mögliche Gesamtsumme ausfallen könnte, lässt sich nicht seriös beziffern. Bei Verbraucherschutzklagen zählt oft jeder einzelne Kontakt mit einem Kunden als eigener Verstoß. Neben Geld fordern die Staaten auch:
- Rückzahlungen an Verbraucher, die in diesem Zeitraum für ChatGPT bezahlt haben
- die Herausgabe von Einnahmen, die durch die beanstandeten Praktiken erzielt wurden
- gerichtlich angeordnete Schutzmaßnahmen für Minderjährige
- ein Ende der aus Sicht der Kläger irreführenden Sicherheitsversprechen
Iowa geht noch weiter und verlangt laut Arizona Capitol Times auch die Löschung bestimmter Daten sowie ein Verbot bestimmter Modelltests.
Wie reagiert OpenAI?
OpenAI verteidigt sich. Sprecher Drew Pusateri sagte, das Unternehmen habe branchenführende, altersgerechte Schutzfunktionen in ChatGPT eingebaut, die vielen anderen KI-Produkten fehlten. Man arbeite weiter daran, Elternkontrollen und altersgerechte Schutzmechanismen der Modelle auszubauen.
Tatsächlich hat OpenAI in diesem Jahr nachgelegt. Seit August 2026 gibt es ChatGPT for Teens, eine eigene Version für 13- bis 17-Jährige mit strengeren Inhaltsfiltern und Elternkontrollen. Wer laut einer automatischen Altersschätzung unter 18 ist, landet automatisch in dieser Version. Unabhängige Prüfer sind allerdings nicht überzeugt: Die US-Organisation Common Sense Media kam Anfang Oktober zu dem Schluss, dass Warnungen an Eltern in Krisensituationen oft zu spät oder gar nicht ankommen.
Wie geht es weiter?
Die Klagen stehen am Anfang. Bis zu einem Urteil oder einem Vergleich können Monate oder Jahre vergehen. Ein Vergleich ist bei solchen Verfahren nicht ungewöhnlich: TikTok hat sich im September mit Alabama geeinigt und dort unter anderem ein Tageslimit von zwei Stunden für Jugendliche zugesagt.
Für OpenAI wächst der juristische Druck an mehreren Fronten. Einen Tag vor den Klagen der Bundesstaaten wurde vor einem Bundesgericht in San Francisco eine geplante Sammelklage eingereicht. Sie wirft OpenAI vor, unrechtmäßig sensible Daten von Millionen Kindern gesammelt zu haben. Kansas' Generalstaatsanwalt Kris Kobach begründete das Vorgehen der Bundesstaaten auch damit, dass der US-Kongress es bislang versäumt habe, KI-Unternehmen wirksam zu regulieren.
Was bedeutet das für Nutzer in Deutschland?
Unmittelbar ändert sich für ChatGPT-Nutzer in Deutschland nichts. Die Klagen betreffen nur die genannten US-Bundesstaaten und deren Verbraucherschutzrecht. Die Fragen dahinter stellen sich aber auch hier, denn ChatGPT gehört in Deutschland zu den meistgenutzten KI-Diensten, gerade bei Schülerinnen und Schülern.
In der EU gibt es dafür einen anderen rechtlichen Rahmen als in den USA:
| Regelwerk | Was es für Chatbots und Jugendschutz bedeutet |
|---|---|
| Digital Services Act (DSA) | Online-Plattformen, die Minderjährige nutzen, müssen für ein hohes Maß an Privatsphäre, Sicherheit und Schutz sorgen. |
| KI-Verordnung (AI Act) | Nutzer müssen erkennen können, dass sie mit einer KI sprechen; manipulative KI-Praktiken sind verboten. |
| DSGVO | Die Verarbeitung von Daten Minderjähriger ist besonders geschützt; die Einwilligungsgrenze liegt in Deutschland bei 16 Jahren. |
Ob und wie diese Regeln auf ChatGPT im Einzelnen angewendet werden, ist noch Gegenstand der Debatte. Die US-Klagen dürften diese Diskussion in Brüssel aber zusätzlich befeuern. Eltern, die ChatGPT oder andere KI-Apps auf dem Smartphone ihrer Kinder begrenzen wollen, finden in unserem Ratgeber zur Kindersicherung mit Bildschirmzeit und Family Link eine Schritt-für-Schritt-Anleitung.
Häufige Fragen
Welche Bundesstaaten verklagen OpenAI?
Arizona, Arkansas, Idaho, Iowa, Kansas, Montana, Nebraska und West Virginia. Jeder Staat hat eine eigene Klage vor seinen Gerichten eingereicht.
Muss OpenAI jetzt Strafe zahlen?
Nein, noch nicht. Die Klagen sind eingereicht, aber nicht entschieden. Iowa fordert bis zu 40.000 US-Dollar je Verstoß, Arizona bis zu 10.000 US-Dollar. Ob und in welcher Höhe Strafen fällig werden, entscheiden die Gerichte.
Betrifft die Klage ChatGPT-Nutzer in Deutschland?
Nicht direkt. Es geht um US-Verbraucherschutzrecht. In der EU gelten eigene Regeln wie DSA, KI-Verordnung und DSGVO.
Ab welchem Alter darf man ChatGPT nutzen?
OpenAI gibt ein Mindestalter von 13 Jahren an. Für 13- bis 17-Jährige gibt es seit August 2026 die eingeschränkte Version ChatGPT for Teens mit Elternkontrollen.
Wenn Sie selbst in einer Krise sind oder sich Sorgen um einen Menschen machen: Die TelefonSeelsorge ist rund um die Uhr kostenlos und anonym erreichbar unter 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222 sowie online unter telefonseelsorge.de.











