Bill Gates hält künstliche Intelligenz inzwischen für so leistungsfähig, dass sie Ereignisse mit bis zu einer Milliarde Todesopfern auslösen könnte. Das sagte der Microsoft-Mitgründer im Gespräch mit der NBC-Sendung „Meet the Press“, aus dem der Sender am Freitag erste Auszüge veröffentlicht hat. Zugleich fordert Gates verbindliche Gesetze für KI-Anbieter. In Deutschland gehörte „Bill Gates KI“ in der Nacht zu Samstag zu den häufig gesuchten Begriffen bei Google.
Die vollständige Folge strahlt NBC am Sonntag, 27. September, aus – am US-Vormittag, in Deutschland also am Nachmittag. Die Warnung fällt in eine Woche, in der KI-Sicherheit ganz oben auf der politischen Tagesordnung steht.
Was hat Gates genau gesagt?
Im Kern geht es Gates nicht um eine Maschine, die sich selbstständig gegen die Menschheit wendet, sondern um Missbrauch. Laut Axios und Bloomberg sagte er wörtlich: „AI is certainly powerful enough to drive events that, you know, cause a billion deaths.“ Die Kombination aus Menschen mit schädlichen Absichten und den neuesten KI-Werkzeugen sei nach seiner Einschätzung gefährlicher als jede bisherige Waffe.
Daraus leitet Gates eine klare politische Forderung ab:
- Gesetzliche Regeln hält er für „absolut“ notwendig.
- An eine wirksame Selbstregulierung der KI-Firmen glaube niemand ernsthaft, so Gates.
- Politik und Strafverfolgung müssten gemeinsam festlegen, welche Schutzmechanismen und welche Form der Überwachung von KI-Systemen nötig sind.
Konkrete Paragrafen oder ein Aufsichtsmodell nannte Gates in den bislang veröffentlichten Ausschnitten nicht. Ob er im vollständigen Interview detaillierter wird, ist offen.
Warum warnt ausgerechnet Bill Gates?
Gates galt lange als Optimist in Sachen KI. Microsoft, das er 1975 mitgegründet hat, ist einer der größten Geldgeber von OpenAI; operativ ist Gates dort seit Jahren nicht mehr tätig. Seine Tonlage hat sich in den vergangenen Wochen spürbar verschoben:
- Am 26. August veröffentlichte er auf seinem Blog GatesNotes einen fast 6.000 Wörter langen Essay mit dem Titel „The Turbulent AI Era Is Here“. Darin schreibt er, er wünschte, KI würde sich langsamer entwickeln. Als Risiken nennt er Cyberangriffe auf Kliniken, Banken, Wasser- und Stromversorgung, Biowaffen, wegfallende Einstiegsjobs sowie Folgen von KI-Begleitern für Kinder.
- Am 15. September sagte er Reuters, keine Regierung der Welt sei auf die Umwälzungen vorbereitet. KI verglich er mit einer außerirdischen Intelligenz aus Katastrophenfilmen, bei denen die USA und China plötzlich zusammenarbeiten.
Gleichzeitig investiert seine Stiftung in die Technik: Nach Angaben aus dem Reuters-Bericht will die Gates Foundation in den kommenden zwei Jahren mindestens eine Milliarde US-Dollar ausgeben, um KI in ärmeren Ländern zugänglich zu machen. Warnen und fördern schließen sich für Gates also nicht aus.

Gates ist nicht allein: Die Branche selbst tritt auf die Bremse
Bemerkenswert ist, dass die Warnungen derzeit vor allem aus der Branche selbst kommen. Anthropic-Chef Dario Amodei hatte am 12. September den Essay „We Must Pace the Frontier“ veröffentlicht. Er plädiert darin nicht für einen Stopp, sondern für ein bewusst gedrosseltes Tempo – mit unabhängigen Prüfern in den Laboren, gemeinsamen Sicherheitsstandards demokratischer Staaten und später einer Abstimmung mit China. Laut Axios unterstützten unter anderem Sam Altman (OpenAI), Demis Hassabis (Google DeepMind) und Elon Musk (xAI) den Vorstoß.
Eine Woche später sprachen Altman und Amodei vor dem UN-Sicherheitsrat, der sich erstmals gezielt mit KI-Risiken befasste. Details dazu lesen Sie in unserem Bericht UN-Sicherheitsrat: Altman und Amodei fordern globale KI-Standards.
| Akteur | Position (Stand: 26. September 2026) |
|---|---|
| Bill Gates | Gesetzliche Regeln „absolut“ nötig, Selbstregulierung reicht nicht |
| Dario Amodei (Anthropic) | Entwicklung bewusst verlangsamen, externe Prüfer, gemeinsame Standards |
| Sam Altman (OpenAI) | Unterstützt Amodeis Vorstoß, warnt vor Kontrollverlust |
| US-Regierung | Lehnt neue globale Regeln und eine Pause ab; Trump nennt KI-Gefahren wiederholt einen „Hoax“ |
| EU | AI Act in Kraft, Pflichten für Allzweckmodelle seit August 2025 |
Was passiert als Nächstes in Washington?
Am Dienstag, 29. September, wollen Präsident Donald Trump und der Sprecher des Repräsentantenhauses, Mike Johnson, Chefs großer KI-Unternehmen im Weißen Haus empfangen. Johnson kündigte laut ABC News eine Diskussion darüber an, welche Verantwortung die Firmen für die Sicherheit tragen und welche Rolle der Staat spielen soll. Welche Manager teilnehmen, ist nicht bestätigt.
Die Ausgangslage ist widersprüchlich: Trump hat Warnungen vor KI-Risiken mehrfach als übertrieben abgetan und Rufe nach einer Verlangsamung zurückgewiesen. Vor den Zwischenwahlen im November wächst in seiner Partei aber der Druck, das Thema aufzugreifen. Wie gespannt das Verhältnis zwischen Regierung und Teilen der Branche ist, zeigt der Streit um die Claude-Sperre im Pentagon.
Was bedeutet das für Deutschland und die EU?
Für Nutzerinnen und Nutzer in Deutschland ändert sich durch das Interview nichts. Gates' Forderung zeigt aber, dass die Debatte in den USA gerade dort ankommt, wo die EU schon ist: Mit dem AI Act gibt es in Europa bereits einen verbindlichen Rechtsrahmen. Anbieter großer Allzweckmodelle wie GPT oder Claude müssen seit August 2025 unter anderem technische Dokumentationen vorlegen; für besonders leistungsfähige Modelle kommen Risikobewertungen und Meldepflichten bei schweren Vorfällen hinzu.
Genau solche Mechanismen – Prüfungen, Meldungen, staatliche Aufsicht – meint Gates, wenn er von „Safeguards“ spricht. In den USA fehlt ein vergleichbares Bundesgesetz bislang. Sollte Washington nachziehen, könnten sich Regeln diesseits und jenseits des Atlantiks annähern; setzt sich dagegen Trumps Linie durch, bleibt Europa mit seinem strengeren Ansatz vorerst allein.
Häufige Fragen
Sagt Bill Gates, dass KI eine Milliarde Menschen töten wird?
Nein. Gates sagt, KI sei mächtig genug, um Ereignisse mit einer solchen Opferzahl auszulösen – vor allem, wenn Menschen mit schädlichen Absichten sie einsetzen, etwa für Biowaffen oder Angriffe auf Infrastruktur. Eine Prognose ist das nicht.
Wann läuft das komplette Interview?
NBC strahlt die Folge von „Meet the Press“ am Sonntag, 27. September, aus. Bisher sind nur Auszüge bekannt.
Ist Gates noch bei Microsoft aktiv?
Gates ist Mitgründer von Microsoft, hat sich aber aus dem operativen Geschäft zurückgezogen und konzentriert sich auf seine Stiftung.
Gibt es in Deutschland bereits KI-Gesetze?
Ja, über die EU: Der AI Act gilt in allen Mitgliedstaaten. Für Allzweckmodelle gelten Transparenz- und Dokumentationspflichten seit August 2025, weitere Teile treten schrittweise in Kraft.
Titelbild: Bill Gates bei der EU-Kommission in Brüssel (2023). Foto: European Commission, Jennifer Jacquemart, CC BY 4.0 (Wikimedia Commons).










