Wer für einen neuen Job, ein Ehrenamt im Sportverein oder eine Tätigkeit in der Kita ein Führungszeugnis braucht, muss nicht mehr auf den Brief aus Bonn warten. Seit dem 1. Oktober 2026 stellt das Bundesamt für Justiz (BfJ) das Dokument auf Wunsch auch digital aus – als PDF-Datei im BundID-Postfach. Das grüne Spezialpapier gibt es weiterhin; die digitale Fassung ist eine Alternative, kein Ersatz.
Für viele Menschen ist das ein spürbarer Unterschied: Nach Angaben des Justizministeriums werden in Deutschland jedes Jahr rund fünf Millionen Führungszeugnisse ausgestellt. Bisher dauerte der Postweg je nach Andrang mehrere Tage bis Wochen.
Papier oder PDF: die Unterschiede im Überblick
| Papier (bisher) | Digitales Führungszeugnis | |
|---|---|---|
| Antrag | Bürgeramt oder online | nur online über fuehrungszeugnis.bund.de |
| Zustellung | per Post | ausschließlich ins BundID-Postfach |
| Dauer | Postlaufzeit, oft Tage bis Wochen | im Regelfall wenige Stunden |
| Gebühr | 13 Euro | 13 Euro |
| Aussehen | grünes Spezialpapier | weißer Hintergrund mit QR-Code |
| Echtheitsprüfung | Papiermerkmale | elektronisches Siegel + QR-Code, App ZeSI |
| Apostille fürs Ausland | möglich | nicht möglich |
Die Tabelle fasst die Angaben des Bundesamts für Justiz und der beteiligten Stellen zusammen (Stand: 1. Oktober 2026).
Welche Führungszeugnisse es digital gibt
Die PDF-Variante gilt für die sogenannten Privatführungszeugnisse, also die, die Sie selbst erhalten und weitergeben:
- das einfache Führungszeugnis, etwa für Arbeitgeber,
- das erweiterte Führungszeugnis für Tätigkeiten mit Kindern, Jugendlichen oder pflegebedürftigen Menschen,
- das Europäische Führungszeugnis für Staatsangehörige anderer EU-Länder.
Für das erweiterte Zeugnis brauchen Sie wie bisher eine schriftliche Aufforderung der Stelle, die es verlangt – also etwa des Vereins oder Trägers. Diese laden Sie beim Antrag mit hoch, ebenso Nachweise, falls Sie eine Gebührenbefreiung beantragen. Das sogenannte Behördenführungszeugnis ist nicht Teil der Neuerung; es geht wie gehabt direkt an die anfragende Stelle.
Was Sie für den Antrag brauchen
Der Antrag läuft vollständig online. Sie benötigen:
- Personalausweis mit aktivierter Online-Ausweisfunktion und Ihre sechsstellige PIN – alternativ einen elektronischen Aufenthaltstitel oder die eID-Karte für EU-Bürgerinnen und -Bürger.
- Ein NFC-fähiges Smartphone mit der kostenlosen AusweisApp.
- Ein BundID-Konto. Wer noch keins hat, kann es direkt im Antrag anlegen.
- Eine Kreditkarte für die Gebühr von 13 Euro.

Nach dem Absenden prüft das BfJ den Antrag. Im Regelfall soll das PDF nach Angaben des Ministeriums innerhalb weniger Stunden im BundID-Postfach liegen. Länger kann es dauern, wenn ein Antrag manuell geprüft werden muss oder Auskünfte aus anderen EU-Staaten nötig sind – das betrifft vor allem das Europäische Führungszeugnis.
Ob Ihre Online-Ausweisfunktion aktiv ist und die PIN funktioniert, sollten Sie vorher testen. Ein Problem dabei ist häufig die vergessene Transport-PIN aus dem Ausweisbrief. Unser Bericht zur AusweisApp und dem widerrufenen Zertifikat erklärt außerdem, was bei Browser-Warnungen auf ausweisapp.bund.de zu tun ist.
So prüfen Arbeitgeber und Vereine die Echtheit
Eine PDF-Datei lässt sich am Rechner leicht verändern. Damit das beim Führungszeugnis nicht unbemerkt geht, ist es doppelt abgesichert: Das PDF trägt ein qualifiziertes elektronisches Siegel, und auf dem Dokument ist zusätzlich ein sichtbares digitales Siegel als QR-Code aufgedruckt. Beides funktioniert auch, wenn das Zeugnis ausgedruckt wird.
Zur Prüfung stellt die Bundesdruckerei die kostenlose App ZeSI bereit. Sie liest den Code ein, prüft die Signatur direkt auf dem Gerät und zeigt die im Siegel gespeicherten Daten an. Die prüfende Person vergleicht diese dann mit dem Inhalt des vorgelegten Dokuments. Zum Start läuft die mobile App allerdings noch nicht auf allen Smartphones fehlerfrei, genannt werden etwa einzelne Samsung-Modelle wie Galaxy A36 5G und A13 5G; an einer Lösung wird gearbeitet.
Für Personalabteilungen und Vereinsvorstände heißt das: Ein digital erhaltenes Zeugnis sollte nicht einfach als Datei abgelegt, sondern einmal mit ZeSI geprüft werden. Wer selbst ein Zeugnis vorlegen muss, sollte im Zweifel kurz nachfragen, ob die Stelle die PDF-Fassung schon annimmt.
Wann Sie weiter Papier brauchen
Eine wichtige Einschränkung betrifft das Ausland. Auf dem digitalen Führungszeugnis kann keine Apostille, Überbeglaubigung oder Endbeglaubigung angebracht werden. Wer das Dokument etwa für ein Visum, eine Arbeitsstelle oder eine Einbürgerung außerhalb Deutschlands benötigt, beantragt daher weiterhin die Papierfassung.
Hintergrund: der lange Weg zur Digitalisierung
Das Bundeskabinett hatte den Gesetzentwurf am 21. Januar 2026 beschlossen, der Bundestag stimmte am 21. Mai zu. Die Regeln stehen im geänderten Bundeszentralregistergesetz. Das Ministerium rechnet mit Einsparungen von rund einer Million Euro pro Jahr, vor allem bei Druck und Versand. Justizministerin Stefanie Hubig betonte nach dem Bundestagsbeschluss, dass niemand mehr wochenlang auf das Dokument warten müsse und es jederzeit sicher über die BundID abrufbar sei.
Einordnung
Das digitale Führungszeugnis ist eines der wenigen Verwaltungsangebote, bei denen der Nutzen sofort greifbar ist: Ein Dokument, das Millionen Menschen regelmäßig brauchen, kommt in Stunden statt Wochen. Die Hürde bleibt der Online-Ausweis. Wer PIN und AusweisApp bisher nie genutzt hat, muss das zuerst einrichten – und erst wenn mehr Menschen ihren Ausweis online verwenden, entfaltet auch die BundID ihren Wert. Für Ehrenamtliche in der Jugendarbeit, die ihr erweitertes Zeugnis alle paar Jahre erneuern müssen, dürfte die neue Variante dennoch schnell zum Standard werden.
Häufige Fragen
Seit wann gibt es das digitale Führungszeugnis?
Seit dem 1. Oktober 2026. Beantragt wird es über das Portal fuehrungszeugnis.bund.de.
Ist das PDF teurer als die Papierfassung?
Nein. Beide kosten 13 Euro. Eine Gebührenbefreiung ist unter bestimmten Voraussetzungen möglich, die das Merkblatt des Bundesamts für Justiz nennt; Nachweise laden Sie beim Antrag hoch.
Kann ich das digitale Führungszeugnis ausdrucken?
Ja. Das aufgedruckte digitale Siegel lässt sich auch auf Papier mit der App ZeSI prüfen.
Bekomme ich das PDF auch per E-Mail?
Nein. Das digitale Führungszeugnis wird ausschließlich in das Postfach Ihres BundID-Kontos zugestellt.
Brauche ich für das Ausland weiter Papier?
Ja, wenn eine Apostille oder Beglaubigung verlangt wird. Diese kann auf der digitalen Fassung nicht angebracht werden.
Titelbild: Wolkenkratzer / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0 (Bundesamt für Justiz, Bonn, 2017).











