Der Claude-Entwickler Anthropic hat mit dem Infrastruktur-Anbieter Akamai Technologies einen Cloud-Vertrag über 11,6 Milliarden US-Dollar mit sieben Jahren Laufzeit geschlossen. Akamai gab den Deal am Donnerstagabend nach US-Börsenschluss bekannt, in Deutschland war es da bereits 22:01 Uhr. Umgerechnet zum EZB-Referenzkurs vom 25. September (1 Euro = 1,1403 Dollar) entspricht die feste Zusage rund 10,2 Milliarden Euro.
Bemerkenswert ist weniger die Summe als das, was Anthropic dafür einkauft: keine Grafikbeschleuniger, sondern klassische Prozessor-Rechenleistung (CPU).
Die Eckdaten des Vertrags
Akamai hat die Bedingungen in einer Pressemitteilung und in einer Pflichtmitteilung an die US-Börsenaufsicht SEC (Formular 8-K) offengelegt:
- Laufzeit und Volumen: sieben Jahre, 11,6 Milliarden Dollar als verbindliche Abnahme.
- Wachstumsoption: Anthropic kann bis zu 9 Milliarden Dollar zusätzlich abrufen. Insgesamt wären dann etwa 20 Milliarden Dollar (ca. 17,5 Milliarden Euro) möglich.
- Beteiligung: Akamai gibt Anthropic Optionsscheine auf stimmrechtslose Vorzugsaktien, wandelbar in 7,7 Millionen Stammaktien – rund 5 % des Unternehmens. Der Ausübungspreis liegt bei 111,33 Dollar je Aktie.
- Staffelung: Etwa 2 % werden mit der jetzigen Zusage wirksam. Die restlichen rund 3 % schalten sich frei, wenn Anthropic mehr ausgibt – je zusätzliche 3 Milliarden Dollar etwa ein weiterer Prozentpunkt.

Akamai-Chef Tom Leighton sagte laut Mitteilung, Anthropic treibe die KI-Revolution voran, man sei „begeistert“, dass sich das Unternehmen für Akamais Fähigkeiten entschieden habe. Von Anthropic selbst enthält die Mitteilung kein Zitat.
Warum CPUs statt GPUs?
Große Sprachmodelle werden auf GPU-Clustern trainiert und größtenteils auch dort ausgeführt. Laut Akamai soll der neue Vertrag aber das wachsende CPU-Aufkommen von Anthropic abdecken. Solche Last entsteht vor allem rund um KI-Agenten: Wenn Claude Code ausführt, Programme testet, Webseiten aufruft oder Werkzeuge bedient, läuft das in abgeschotteten Umgebungen auf gewöhnlichen Servern. Je mehr Unternehmen Agenten statt einfacher Chat-Anfragen nutzen, desto stärker wächst dieser Bedarf.
Für Akamai ist das ein Ritterschlag. Der Konzern ist vielen vor allem als Content-Delivery-Netzwerk bekannt, über das große Webseiten, Streaming-Dienste und Software-Updates ausgeliefert werden. Seit der Übernahme von Linode baut Akamai zusätzlich eine eigene Cloud auf und wirbt mit besonders vielen, weltweit verteilten Standorten.
Was Akamai investieren muss
Ganz ohne Risiko ist der Auftrag für Akamai nicht. Für die zugesagte Kapazität plant der Konzern laut SEC-Mitteilung Investitionen von rund 5,5 Milliarden Dollar. Allein für 2026 hebt Akamai die Investitionsplanung um etwa 1,7 Milliarden Dollar an, unter anderem um Komponenten wie Arbeitsspeicher vorab zu sichern – angesichts der aktuell hohen RAM-Preise ein nachvollziehbarer Schritt.
Umsatz fließt dagegen erst später: Für 2026 erwartet Akamai keinen Effekt. TechCrunch zufolge rechnet das Unternehmen ab dem zweiten Halbjahr 2027 mit 150 bis 300 Millionen Dollar, bis Ende 2028 soll ein Jahrestempo von rund 1,7 Milliarden Dollar erreicht sein. Der Vertrag ist zudem an Liefer- und Verfügbarkeitszusagen geknüpft; unter bestimmten Bedingungen können beide Seiten aussteigen. Die Akamai-Aktie stieg nachbörslich um bis zu 17 %. Ein kleinerer Vertrag über 1,8 Milliarden Dollar vom Mai wird durch die neue Vereinbarung ersetzt.
Was bedeutet das für Deutschland?
Wo genau die neue Kapazität entsteht, hat Akamai nicht mitgeteilt. Für den deutschen Markt ist der Konzern aber kein Unbekannter: Frankfurt am Main gehört laut Akamai zu den meistgenutzten Cloud-Regionen des Anbieters und wurde zuletzt mit neuer Hardware ausgebaut, dazu kommt ein kleinerer Standort in Berlin. Ob Anthropic dort Kapazität nutzt, ist offen – eine Aussage zu europäischer Datenverarbeitung gibt es nicht.
Anthropic selbst ist seit Ende 2025 mit einem Büro in München vertreten und nannte die Region Europa, Nahost und Afrika damals ihren am schnellsten wachsenden Markt. Für Nutzerinnen und Nutzer von Claude in Deutschland ändert sich durch den Deal zunächst nichts: Preise, Abos und Datenschutzbedingungen bleiben, soweit bekannt, unverändert. Mittelfristig könnte mehr Rechenleistung aber Engpässe bei Agenten-Funktionen verringern. Einen Überblick über das aktuelle Spitzenmodell finden Sie in unserem Beitrag zu Claude Opus 5.5.
Anthropics Rechenzentrums-Einkaufstour
Der Akamai-Vertrag reiht sich in eine lange Liste ein. Zu Anthropics großen Infrastruktur-Partnern gehören laut TechCrunch:
| Partner | Art der Vereinbarung |
|---|---|
| Amazon (AWS) | Investition und Cloud-Partnerschaft (seit 2024 ausgebaut) |
| Microsoft | Strategische Partnerschaft inkl. Chips und Kapazität (November 2025) |
| Bis zu 40 Mrd. Dollar in bar und Rechenleistung (April 2026) | |
| AMD | Bis zu 2 Gigawatt an GPUs der Serie MI450 |
| Akamai | 11,6 Mrd. Dollar für CPU-Cloud, erweiterbar auf ca. 20 Mrd. |
Die Strategie ist klar erkennbar: Anthropic verteilt seinen Bedarf auf möglichst viele Anbieter und Chip-Architekturen, statt sich von einem einzigen Hyperscaler abhängig zu machen. Wie wichtig Vertrauen in KI-Anbieter inzwischen ist, zeigt auch Anthropics jüngster Vorstoß zu Wasserzeichen für KI-Texte.
Häufige Fragen
Wird Claude dadurch günstiger?
Dazu gibt es keine Aussage. Anthropic hat keine Preisänderungen angekündigt.
Laufen meine Claude-Daten künftig über Akamai?
Das ist nicht bekannt. Der Vertrag beschreibt Rechenkapazität für CPU-Lasten, aber keine Standorte oder Datenflüsse.
Übernimmt Anthropic Akamai?
Nein. Anthropic kann über Optionsscheine höchstens rund 5 % der Aktien erwerben, und zwar stimmrechtslos.
Warum spielt die Laufzeit von sieben Jahren eine Rolle?
Sie gibt Akamai Planungssicherheit für die Investitionen von rund 5,5 Milliarden Dollar, die für den Aufbau der Kapazität nötig sind.
Titelbild: Akamai-Zentrale in Cambridge, Massachusetts, Foto: Billykamenides, CC BY-SA (Wikimedia Commons).










