Die Tasche ist offen, das Handy weg – oder es liegt irgendwo im Zug, und Sie merken es erst zu Hause. In beiden Fällen gilt: Wenn Ihr Handy verloren oder gestohlen ist, zählen die ersten Minuten. Je schneller Sie das Gerät orten, sperren und die SIM-Karte blockieren lassen, desto kleiner ist der Schaden. Denn heute hängen am Smartphone nicht nur Fotos und Kontakte, sondern auch Banking-Apps, E-Mail-Konten und Zwei-Faktor-Codes. Diese Anleitung zeigt Ihnen die richtige Reihenfolge, die offiziellen Wege von Apple und Google sowie die Sperrnummern der deutschen Netzbetreiber.
Was sollte ich zuerst tun, wenn mein Handy weg ist?
Halten Sie diese Reihenfolge ein. Sie richtet sich nach den Hinweisen von Apple, Google und den Mobilfunkanbietern:
- Orten: Prüfen Sie über einen anderen Computer oder ein anderes Gerät, wo sich das Handy befindet.
- Sperren: Markieren Sie es als verloren. So ist der Bildschirm mit Ihrem Code gesperrt.
- SIM-Karte sperren lassen: Damit niemand auf Ihre Kosten telefoniert oder SMS-Codes abfängt.
- Passwörter ändern: Vor allem für E-Mail, Apple-Account oder Google-Konto, Banking und soziale Netzwerke.
- Anzeige erstatten: Bei Diebstahl immer – Sie brauchen die Anzeige oft auch für die Versicherung.
- Löschen: Erst ganz zum Schluss, wenn Sie das Gerät aufgegeben haben.
Ist das Handy wahrscheinlich nur verlegt, reicht oft Schritt 1 mit einem Signalton. Wurde es aus der Jackentasche gezogen, gehen Sie die ganze Liste durch.

Wie orte und sperre ich ein verlorenes iPhone?
Apple bündelt die Ortung in der App bzw. dem Dienst „Wo ist?“. Haben Sie kein zweites Apple-Gerät zur Hand, öffnen Sie im Browser icloud.com/find und melden Sie sich mit Ihrem Apple-Account an. Laut Apple ist dafür kein Bestätigungscode nötig – das ist wichtig, weil der Code sonst ausgerechnet auf dem verlorenen iPhone landen würde.
So gehen Sie vor:
- Unter „Alle Geräte“ das betroffene iPhone auswählen.
- Den Standort auf der Karte prüfen. Ist das Gerät nur verlegt, können Sie einen Ton abspielen.
- „Als verloren markieren“ wählen und den Anweisungen folgen. Das iPhone wird mit Ihrem Gerätecode gesperrt, und Änderungen am Apple-Account vom Gerät aus werden verhindert.
Die drei typischen Fehler bei einem gestohlenen iPhone
Apple warnt in seinem Support-Dokument ausdrücklich vor Schritten, die gut gemeint sind, aber dem Dieb helfen:
- Keine Kontaktdaten im Verloren-Modus, wenn das iPhone gestohlen wurde. Diebe nutzen Telefonnummer oder E-Mail-Adresse gern für gefälschte „Apple-Nachrichten“, mit denen sie Ihr Passwort erschleichen wollen. Bei einem einfach verlorenen Gerät ist eine Kontaktnummer dagegen sinnvoll, damit ehrliche Finder Sie erreichen.
- Das iPhone nicht aus „Wo ist?“ entfernen. Damit würden Sie die Aktivierungssperre aufheben. Genau diese Sperre macht ein gestohlenes iPhone für Hehler nahezu wertlos.
- Den Diebstahlschutz für Geräte nutzen. Ist er aktiv, verlangt das iPhone für sensible Änderungen – etwa das Ausschalten des Verloren-Modus – Face ID oder Touch ID. Ein abgeschauter Code allein reicht dann nicht.
Hatten Sie „Wo ist?“ nicht eingeschaltet, ist eine Ortung nicht möglich. Ändern Sie dann sofort das Passwort Ihres Apple-Accounts und prüfen Sie unter account.apple.com, ob E-Mail-Adresse, Telefonnummer und Wiederherstellungsoptionen noch stimmen.
Wie orte und sperre ich ein Android-Handy?
Bei Android heißt der Dienst inzwischen Find Hub (früher „Mein Gerät finden“). Sie erreichen ihn über android.com/find im Browser oder über die App auf einem anderen Android-Gerät. Damit die Ortung klappt, nennt Google fünf Voraussetzungen: Das Handy ist eingeschaltet und ausreichend geladen, es hat eine Internetverbindung über Mobilfunk oder WLAN, es ist mit einem Google-Konto angemeldet, die Funktion ist aktiviert, und das Gerät ist in Google Play sichtbar.
Nach der Anmeldung wählen Sie das Gerät aus und sehen den Standort auf der Karte. Ist das Handy offline, zeigt Google den letzten bekannten Standort. Danach stehen drei Aktionen zur Wahl:
| Aktion | Was passiert | Wann sinnvoll |
|---|---|---|
| Ton abspielen | Das Handy klingelt fünf Minuten lang in voller Lautstärke, auch im Lautlos-Modus | Gerät ist vermutlich in der Wohnung oder im Auto |
| Als verloren markieren | Sperre mit PIN, Muster oder Passwort; Benachrichtigungen und Widgets werden ausgeblendet | Sofort, sobald das Gerät nicht in Reichweite ist |
| Daten löschen | Zurücksetzen auf Werkseinstellungen, alle Daten werden gelöscht | Nur wenn Sie das Gerät aufgegeben haben |
Neu ist eine Sperre ohne Anmeldung: Auf der Find-Hub-Seite bietet Google eine Fernsperre an, für die nur die Telefonnummer des Geräts nötig ist. Das hilft, wenn Sie Ihr Google-Passwort gerade nicht parat haben – oder wenn die Zwei-Faktor-Abfrage ausgerechnet auf dem verlorenen Handy ankommt.
Hersteller wie Samsung bieten zusätzlich eigene Ortungsdienste an. Nutzen Sie den, den Sie vorher eingerichtet haben; der Google-Dienst funktioniert auf allen Android-Geräten mit Google-Konto.
Wann sollte ich das Handy aus der Ferne löschen?
Löschen ist der letzte Schritt, nicht der erste. Vodafone weist zu Recht darauf hin: Solange das Handy nur gesperrt ist, kann es eine Nachricht mit Kontaktnummer anzeigen, und Sie können es weiter orten. Nach dem Löschen geht beides nicht mehr.
Beachten Sie bei Android außerdem:
- Nach dem Zurücksetzen erscheint das Gerät nicht mehr in Find Hub.
- Wer das Gerät neu einrichten will, braucht das Passwort Ihres Google-Kontos. Diese Sperre bleibt also bestehen.
- Daten auf einer SD-Karte werden unter Umständen nicht gelöscht.
Beim iPhone löschen Sie über icloud.com/find mit „Dieses Gerät löschen“. Auch das ist laut Apple nicht umkehrbar. Wichtig: Entfernen Sie das gelöschte iPhone trotzdem nicht aus „Wo ist?“, damit die Aktivierungssperre aktiv bleibt.
Haben Sie regelmäßig gesichert, ist der Verlust der Daten verschmerzbar. Wie Sie Fotos und Dokumente richtig sichern, lesen Sie in unserem Ratgeber zur 3-2-1-Backup-Regel.
Wie lasse ich meine SIM-Karte sperren?
Die SIM-Sperre verhindert, dass jemand auf Ihre Rechnung telefoniert, teure Dienste bucht oder SMS mit Bestätigungscodes empfängt. Halten Sie Ihre Rufnummer und Ihr Kundenkennwort bereit. Die Wege der drei großen Netzbetreiber:
| Anbieter | Telefonisch | Online |
|---|---|---|
| Telekom | 0800 330 2202, rund um die Uhr; von einem Telekom-Handy Kurzwahl 2202 | Kundencenter → Mobilfunkvertrag → „Meine SIM-Karten“ |
| Vodafone | 0800 172 1212; aus dem Vodafone-Netz Kurzwahl 1212 | MeinVodafone |
| o2 | 0176 888 55 282 (laut o2-Ratgeber) | Mein o2 |
Für Kunden von Discountern und Drittanbietern gilt: Wenden Sie sich an den Anbieter, bei dem Sie den Vertrag haben, nicht an den Netzbetreiber dahinter. Die Sperrnummer steht meist im Kundenportal oder in den Vertragsunterlagen.
Was ist der Sperr-Notruf 116 116?
Die 116 116 ist eine zentrale, kostenlose Sperrhotline, die rund um die Uhr erreichbar ist, auch an Feiertagen. Betrieben wird sie vom Verein Sperr-Notruf 116 116 e.V. in Berlin, nicht von einer Behörde. Mit einem Anruf lassen sich Bankkarten, Kreditkarten und – sofern Ihr Mobilfunkanbieter teilnimmt – auch SIM-Karten sperren. Aus dem Ausland wählen Sie +49 116 116 oder +49 30 4050 4050. Laut Betreiber ist der Anruf aus dem deutschen Festnetz kostenlos; aus Mobilfunknetzen und aus dem Ausland können Kosten anfallen.
Praktisch ist das vor allem, wenn mit dem Handy auch das Portemonnaie weg ist. Ob Ihr Mobilfunkanbieter angeschlossen ist, erfahren Sie direkt bei der Hotline. Im Zweifel rufen Sie zusätzlich die Nummer Ihres Anbieters an.
Bekomme ich meine Rufnummer zurück?
Ja. Eine Sperre betrifft die SIM-Karte, nicht die Nummer oder den Vertrag. Bestellen Sie eine Ersatz-SIM oder eine eSIM; danach sind Sie unter der gewohnten Nummer wieder erreichbar. Das ist wichtig, wenn Konten per SMS bestätigt werden. Wie die Umstellung auf eine eSIM funktioniert, erklärt unser Ratgeber eSIM in Deutschland aktivieren. Je nach Tarif kann für die Ersatzkarte eine Gebühr anfallen.
Muss ich zur Polizei, und was ist die IMEI?
Bei einem Diebstahl sollten Sie immer Anzeige erstatten. Die Polizeiliche Kriminalprävention rät, SIM-Karte und Telefon sofort sperren zu lassen und Passwörter für Dienste wie E-Mail, PayPal oder soziale Netzwerke zu ändern. Viele Versicherungen verlangen zudem eine Anzeige, und mit dem Aktenzeichen lassen sich spätere Funde zuordnen. In vielen Bundesländern können Sie die Anzeige auch über die Online-Wache der Landespolizei aufgeben.
Für die Anzeige brauchen Sie laut o2:
- die IMEI, die 15-stellige Seriennummer des Geräts,
- den Kaufbeleg oder Kaufvertrag,
- eine Beschreibung (Hersteller, Modell, Farbe, Hülle, Besonderheiten).
Apple nennt für iPhones zusätzlich die Seriennummer. Die IMEI finden Sie auf der Verpackung, auf der Rechnung oder – solange Sie das Handy noch haben – durch Eingabe von **\#06#* in der Telefon-App. Notieren Sie sich die Nummer am besten jetzt und legen Sie sie zu Ihren Unterlagen. Bei iPhones ist sie zudem in der Geräteliste Ihres Apple-Accounts hinterlegt.
Zahlt eine Versicherung, wenn das Handy gestohlen wurde?
Das hängt allein von Ihrem Vertrag ab, pauschal lässt sich die Frage nicht beantworten. Eine Hausratversicherung deckt in der Regel einen Einbruchdiebstahl; ob und in welcher Höhe ein Diebstahl unterwegs oder ein einfacher Verlust abgedeckt ist, regeln die jeweiligen Bedingungen. Daneben gibt es spezielle Handy- oder Elektronikversicherungen, und Apple bietet AppleCare+ mit Diebstahl- und Verlustschutz an, dessen Verfügbarkeit laut Apple je nach Land variiert.
Prüfen Sie Ihre Unterlagen, bevor Sie Schadensmeldungen schreiben, und melden Sie den Schaden zügig. Fast alle Anbieter wollen dafür die Polizeianzeige sehen.
Welche Konten sollte ich jetzt absichern?
Auch wenn das Handy gesperrt ist: Gehen Sie davon aus, dass ein Dieb es versucht. Ändern Sie vom Computer aus die Passwörter der wichtigsten Konten und melden Sie das alte Gerät dort ab:
- E-Mail-Konto zuerst, weil sich darüber fast alle anderen Passwörter zurücksetzen lassen.
- Apple-Account oder Google-Konto: Gerät in der Geräteliste prüfen, unbekannte Geräte entfernen (beim iPhone aber nicht aus „Wo ist?“).
- Banking: Rufen Sie die Bank an oder nutzen Sie den Sperr-Notruf, wenn Banking-Apps oder gespeicherte Karten auf dem Handy waren.
- Messenger und soziale Netzwerke: aktive Sitzungen beenden.
Lief die Zwei-Faktor-Anmeldung über das verlorene Handy, brauchen Sie Ihre Wiederherstellungscodes oder ein zweites Gerät. Wie Sie das künftig besser aufsetzen, zeigt unser Ratgeber zur Zwei-Faktor-Authentifizierung. Hat sich bereits jemand eingeloggt, hilft die Anleitung Konto gehackt – was tun?.
Wie bereite ich mich vor, bevor etwas passiert?
Fünf Minuten Vorbereitung sparen im Ernstfall viel Stress:
- Prüfen Sie, ob „Wo ist?“ (iPhone) bzw. Find Hub (Android) eingeschaltet ist.
- Aktivieren Sie auf dem iPhone den Diebstahlschutz für Geräte.
- Nutzen Sie eine Bildschirmsperre mit einem Code, der nicht leicht abzuschauen ist.
- Notieren Sie IMEI, Sperrnummer Ihres Anbieters und Kundenkennwort an einem sicheren Ort.
- Richten Sie automatische Backups ein.
- Bewahren Sie Wiederherstellungscodes für wichtige Konten außerhalb des Handys auf.
Häufige Fragen
Kann ich ein ausgeschaltetes Handy orten?
Bei Android zeigt Find Hub den letzten bekannten Standort an, wenn das Gerät offline ist. Ob ein iPhone auch ausgeschaltet noch auffindbar ist, hängt vom Modell und von den Einstellungen in „Wo ist?“ ab. Eine Live-Ortung ist ohne Verbindung nicht möglich.
Kann mein Mobilfunkanbieter das Handy über die IMEI orten?
Für Privatpersonen nicht ohne Weiteres. Eine Ortung über das Mobilfunknetz ist an rechtliche Voraussetzungen gebunden und läuft über die Ermittlungsbehörden. Geben Sie die IMEI deshalb bei der Anzeige an.
Soll ich das Handy selbst zurückholen, wenn ich den Standort sehe?
Nein. Begeben Sie sich nicht in Gefahr. Geben Sie den Standort der Polizei, idealerweise mit dem Aktenzeichen Ihrer Anzeige.
Was passiert mit dem Guthaben oder Vertrag nach der SIM-Sperre?
Der Vertrag läuft weiter, gesperrt wird nur die Karte. Mit einer Ersatz-SIM oder eSIM nutzen Sie Ihren Tarif wie gewohnt weiter.
Sollte ich bei einem gefundenen Handy die Kontaktnummer auf dem Sperrbildschirm anzeigen?
Bei einem verlorenen Handy ja, damit ehrliche Finder Sie erreichen. Bei einem Diebstahl rät Apple davon ab, weil Täter die Daten für Betrugsversuche nutzen.
Fazit
Ein verlorenes oder gestohlenes Handy ist ärgerlich, aber mit der richtigen Reihenfolge gut beherrschbar: erst orten und sperren, dann die SIM-Karte blockieren lassen, Passwörter ändern und bei Diebstahl Anzeige erstatten. Löschen Sie das Gerät erst, wenn Sie es aufgegeben haben, und entfernen Sie ein iPhone nie aus „Wo ist?“. Wer IMEI, Sperrnummer und Backups schon heute vorbereitet, verliert im Ernstfall vor allem das Gerät – nicht seine Daten.











