Nach zwei oder drei Jahren hält das Smartphone plötzlich nur noch bis zum Nachmittag durch. Der Akku ist in fast jedem Handy das Bauteil, das als Erstes schwächelt. Rund um das Thema Handy-Akku schonen kursieren allerdings viele Tipps, die aus der Zeit alter Nickel-Akkus stammen und heute eher schaden. In diesem Ratgeber erfahren Sie, was einen modernen Lithium-Ionen-Akku tatsächlich altern lässt, welche Einstellungen auf iPhone und Android helfen und welche Ratschläge Sie getrost vergessen können.

Warum verliert ein Handy-Akku an Kapazität?

Smartphones nutzen Lithium-Ionen- bzw. Lithium-Polymer-Akkus. Diese Akkus sind Verschleißteile: Bei jedem Lade- und Entladevorgang laufen chemische Prozesse ab, die die speicherbare Energiemenge nach und nach verringern. Apple spricht vom „chemischen Alter“ des Akkus, das nicht nur von der Zeit, sondern auch von Temperaturen und Ladezyklen abhängt.

Ein Ladezyklus ist dabei nicht jedes Einstecken, sondern die Summe von 100 Prozent Ladung. Laden Sie an einem Tag zweimal von 50 auf 100 Prozent, ergibt das zusammen einen Zyklus.

Drei Faktoren beschleunigen die Alterung besonders:

  1. Hitze: Hohe Temperaturen sind der größte Feind des Akkus.
  2. Hoher Ladestand über lange Zeit: Ein Akku, der tagelang bei 100 Prozent gehalten wird, altert schneller als einer im mittleren Bereich.
  3. Tiefentladung: Ein vollständig entleerter Akku steht chemisch unter Stress.

Was hilft wirklich? Die wichtigsten Tipps

1. Hitze vermeiden

Apple nennt für iPhones einen optimalen Betriebsbereich von 0 bis 35 Grad Celsius und warnt, dass höhere Temperaturen die Akkukapazität dauerhaft beeinträchtigen können – besonders beim Laden. Im Alltag heißt das:

  • Lassen Sie das Handy nicht im Sommer im Auto oder in der prallen Sonne liegen.
  • Nutzen Sie es nicht als Navi in der Halterung hinter der Windschutzscheibe, während es gleichzeitig lädt – diese Kombination erzeugt viel Wärme.
  • Nehmen Sie beim Laden eine dicke Hülle ab, wenn das Gerät spürbar warm wird.
  • Laden Sie nicht unter dem Kopfkissen oder auf der Bettdecke.

Kälte ist weniger schädlich. Bei Minusgraden sinkt zwar die Laufzeit vorübergehend, das normalisiert sich aber, sobald das Gerät wieder warm ist.

2. Optimiertes Laden oder Ladelimit aktivieren

Moderne Smartphones haben Funktionen, die die Zeit bei 100 Prozent verkürzen:

  • iPhone: Unter Einstellungen > Batterie > Laden finden Sie das „Optimierte Laden“. Das iPhone lernt Ihre Gewohnheiten und hält den Akku zum Beispiel nachts bei 80 Prozent, bis Sie normalerweise aufstehen. Laut Apple braucht die Funktion mindestens 14 Tage, um Ihr Muster zu lernen. Ab dem iPhone 15 können Sie außerdem ein festes Ladelimit zwischen 80 und 100 Prozent in Fünf-Prozent-Schritten einstellen.
  • Google Pixel: Unter „Optimiertes Laden“ können Sie zwischen „Adaptives Laden“ (der Akku wird erst kurz vor dem gewohnten Abstecken voll) und „Auf 80 % begrenzen“ wählen. Google weist darauf hin, dass das Pixel für eine genaue Kapazitätsmessung trotzdem etwa bei jedem zehnten Zyklus vollständig lädt.
  • Samsung Galaxy: Unter Einstellungen > Akku finden Sie den Akkuschutz, der je nach Modus die Ladung zum Beispiel bei 80 Prozent stoppt.
  • Andere Hersteller haben ähnliche Funktionen unter Namen wie „Intelligentes Laden“ oder „Akku-Pflege“.

Die Menüpfade können je nach Softwareversion abweichen. Suchen Sie im Zweifel in den Einstellungen nach „Laden“ oder „Akku“.

3. Den mittleren Bereich nutzen

Lithium-Ionen-Akkus fühlen sich zwischen etwa 20 und 80 Prozent am wohlsten. Sie müssen das nicht verbissen einhalten – ein vollständig geladener Akku für einen langen Ausflug ist völlig in Ordnung. Aber zwischendurch nachzuladen ist besser, als das Handy regelmäßig bis auf null laufen zu lassen.

4. Software aktuell halten

Updates enthalten oft Verbesserungen beim Energiemanagement und beheben Fehler, bei denen Apps im Hintergrund unnötig Strom verbrauchen. Außerdem zeigt der Akkuverbrauch in den Einstellungen, welche Apps besonders viel Energie benötigen. Nebenbei schließen Updates Sicherheitslücken – ein Grund mehr, sie zeitnah zu installieren (mehr dazu in unserem Ratgeber Konto gehackt – was tun?).

Mythen: Was Sie vergessen können

BehauptungStimmt das?Erklärung
„Der Akku muss vor dem Laden leer sein.“NeinDas galt für alte Nickel-Akkus mit Memory-Effekt. Lithium-Ionen-Akkus haben keinen Memory-Effekt, Tiefentladung schadet ihnen eher.
„Über Nacht laden zerstört den Akku.“Nur bedingtDas Handy stoppt bei 100 Prozent. Problematisch ist die lange Zeit bei voller Ladung – genau das verhindert optimiertes Laden.
„Schnellladen ruiniert den Akku.“ÜbertriebenSchnellladen erzeugt mehr Wärme, Hersteller regeln die Leistung aber bei hohem Ladestand und Temperatur herunter. Wer es nicht eilig hat, kann trotzdem langsamer laden.
„Neue Akkus müssen erst ‚eingefahren‘ werden.“NeinLithium-Ionen-Akkus brauchen kein Formieren durch mehrere Vollzyklen.
„Nur Original-Ladegeräte verwenden.“TeilweiseZertifizierte Ladegeräte und Kabel namhafter Hersteller sind unbedenklich. Billige No-Name-Netzteile ohne CE-Prüfung können dagegen gefährlich sein.
„Apps schließen spart Akku.“Meist neinDas ständige Beenden aller Apps kann sogar mehr Energie kosten, weil sie beim nächsten Start neu geladen werden müssen.

Was ändert sich durch die EU-Regeln?

Seit dem 20. Juni 2025 gelten in der EU neue Ökodesign-Anforderungen für Smartphones und Tablets, die neu auf den Markt kommen. Für den Akku ist vor allem eine Vorgabe wichtig: Er muss nach 800 vollständigen Ladezyklen noch mindestens 80 Prozent seiner ursprünglichen Kapazität besitzen.

Zusätzlich tragen neue Geräte ein EU-Energielabel. Wie die Verbraucherzentrale Hamburg erläutert, zeigt es unter anderem die Energieeffizienzklasse, die Akkulaufzeit pro Ladung, die Zahl der Ladezyklen, einen Reparierbarkeitsindex sowie Angaben zur Sturzfestigkeit und zum Schutz gegen Staub und Wasser. Beim Kauf eines neuen Smartphones können Sie die Akku-Haltbarkeit damit erstmals direkt vergleichen.

Wie prüfe ich den Zustand meines Akkus?

  • iPhone: Unter Einstellungen > Batterie > Batteriezustand sehen Sie die maximale Kapazität im Vergleich zum Neuzustand. Neuere Modelle zeigen dort auch die Zahl der Ladezyklen an.
  • Android: Je nach Hersteller finden Sie unter Einstellungen > Akku bzw. Gerätewartung eine Anzeige zum Akkuzustand. Bei Samsung ist die Diagnose auch über die App „Samsung Members“ möglich.

Als Faustregel gilt: Sinkt die Kapazität unter etwa 80 Prozent und merken Sie das im Alltag deutlich, lohnt sich ein Akkutausch. Er ist bei den meisten Herstellern und Fachwerkstätten deutlich günstiger als ein neues Smartphone. Das Umweltbundesamt empfiehlt ohnehin, Smartphones möglichst lange zu nutzen, weil der größte Teil ihrer Umweltbelastung bei der Herstellung entsteht.

Hält Ihr Handy trotz gesundem Akku nicht lange durch oder ist insgesamt träge geworden, kann auch zu viel Hintergrundaktivität die Ursache sein. Prüfen Sie dann die Liste der Apps mit hohem Akkuverbrauch.

Häufige Fragen

Darf ich mein Handy über Nacht laden?

Ja. Moderne Smartphones stoppen den Ladevorgang automatisch. Aktivieren Sie am besten das optimierte Laden oder ein Ladelimit, damit der Akku nicht stundenlang bei 100 Prozent gehalten wird. Legen Sie das Handy beim Laden auf eine harte Unterlage, damit Wärme abgeführt werden kann.

Schadet kabelloses Laden dem Akku?

Kabelloses Laden erzeugt etwas mehr Wärme als das Laden per Kabel. Mit einem zertifizierten Ladepad und ohne dicke Hülle ist das im Alltag unproblematisch. Wird das Handy auf dem Pad spürbar heiß, sollten Sie lieber zum Kabel greifen.

Wie lange hält ein Handy-Akku?

Das hängt von Nutzung und Temperatur ab. Viele Akkus behalten bei normaler Nutzung zwei bis drei Jahre einen guten Zustand. Nach den neuen EU-Vorgaben müssen Akkus neuer Geräte nach 800 Ladezyklen noch mindestens 80 Prozent Kapazität haben – bei einem Zyklus pro Tag entspricht das gut zwei Jahren intensiver Nutzung.

Soll ich den Akku für die Lagerung voll laden?

Nein. Apple empfiehlt, ein Gerät für eine längere Lagerung auf etwa 50 Prozent zu laden, auszuschalten und kühl und trocken aufzubewahren. Bei einer Lagerung über sechs Monate sollten Sie es zwischendurch wieder auf rund 50 Prozent laden.

Fazit

Den Handy-Akku zu schonen ist einfacher, als viele denken: Vermeiden Sie Hitze, aktivieren Sie das optimierte Laden oder ein Ladelimit und lassen Sie den Akku nicht regelmäßig leerlaufen. Auf alte Rituale wie das „Einfahren“ oder vollständige Entladen können Sie verzichten. Und wenn der Akku nach einigen Jahren doch nachlässt, ist ein Tausch meist die günstigere und umweltfreundlichere Lösung als ein neues Gerät.