Die eSIM ersetzt die kleine Plastikkarte, die man jahrzehntelang mit einer Büroklammer ins Handy geschoben hat. Statt einer Karte lädt Ihr Mobilfunkanbieter ein digitales SIM-Profil auf einen Chip, der fest im Smartphone verbaut ist. In Deutschland unterstützen inzwischen alle drei Netzbetreiber und viele Discounter die Technik – und mit dem iPhone Air verkauft Apple hierzulande das erste iPhone, das gar keinen SIM-Kartenschacht mehr hat. In diesem Ratgeber erfahren Sie, wie Sie eine eSIM bekommen, aktivieren und beim Handywechsel mitnehmen.
Was ist eine eSIM – und was ändert sich für Sie?
„eSIM“ steht für embedded SIM, also eingebettete SIM. Technisch ist das ein kleiner Sicherheitschip auf der Hauptplatine des Geräts. Er erfüllt dieselbe Aufgabe wie die klassische SIM-Karte: Er weist Sie gegenüber dem Mobilfunknetz aus und ist mit Ihrer Rufnummer verknüpft.
Der Unterschied liegt in der Bereitstellung. Die Zugangsdaten kommen nicht per Post, sondern als digitales Profil. Das bringt einige praktische Vorteile:
- Kein Warten auf den Brief: Ein neuer Vertrag kann oft innerhalb weniger Minuten aktiv sein.
- Mehrere Profile auf einem Gerät: Moderne Smartphones speichern mehrere eSIM-Profile, etwa Privat- und Diensthandy-Nummer oder einen Reisetarif.
- Dual-SIM ohne zweiten Schacht: Viele Geräte kombinieren eine physische SIM mit einer eSIM oder zwei eSIMs gleichzeitig.
- Kein Kartenverlust: Bei einem Diebstahl kann die SIM nicht einfach herausgenommen und in ein anderes Gerät gesteckt werden.
Es gibt aber auch Nachteile: Ist das Handy defekt und lässt sich nicht mehr einschalten, können Sie die eSIM nicht wie eine Karte in ein Ersatzgerät stecken. Sie brauchen dann ein neues Profil vom Anbieter.
Welche Anbieter in Deutschland unterstützen die eSIM?
Die folgende Übersicht zeigt den Stand der großen Anbieter. Konditionen und Bestellwege ändern sich allerdings regelmäßig, prüfen Sie die Details deshalb vor der Bestellung auf der Website Ihres Anbieters.
| Anbieter | eSIM verfügbar? | Wie bekommen Sie sie? |
|---|---|---|
| Telekom | Ja | Bei Neuvertrag wählbar, Bestandskunden über das Kundencenter bzw. die MeinMagenta-App |
| Vodafone | Ja | Online, in der App oder im Shop |
| o2 (Telefónica) | Ja | Im Bestellprozess wählbar, Tausch über „Mein o2“ bzw. die App |
| 1&1 | Ja | Im Bestellprozess bzw. über das Kundencenter |
| Discounter (z. B. congstar, fraenk, Aldi Talk, Lidl Connect) | Meist ja | Teils direkt bei der Bestellung, teils erst durch Tausch einer bestehenden SIM |
Bei Prepaid-Marken ist die eSIM in der Regel ebenfalls möglich, der Weg dorthin ist aber manchmal umständlicher: Einige Discounter verschicken zunächst eine physische Karte, die Sie anschließend im Kundenportal oder über die Hotline in eine eSIM umwandeln.
Was kostet eine eSIM?
Bei den Netzbetreibern ist die eSIM für Vertragskunden in der Regel kostenlos. o2 beispielsweise gibt an, dass sowohl der Wechsel von der Plastikkarte zur eSIM als auch ein neues eSIM-Profil beim Gerätewechsel nichts kosten.
Anders sieht es bei Zusatzkarten aus: Wer eine eSIM als zweite oder dritte Karte im selben Tarif nutzen möchte (MultiSIM, etwa für eine Smartwatch oder ein Tablet), zahlt je nach Anbieter und Tarif eine monatliche Gebühr.
Gebühren für Ersatzkarten sind rechtlich umstritten. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) hat vor dem Oberlandesgericht Frankfurt am Main gegen eine pauschale Gebühr von 14,95 Euro geklagt, die der Anbieter Drillisch für Ersatz-SIMs und neue eSIM-Profile verlangt hatte – und in dieser Instanz Recht bekommen. Stellt Ihnen ein Anbieter für einen notwendigen Gerätewechsel eine Gebühr in Rechnung, lohnt sich ein Blick in die aktuellen Informationen der Verbraucherzentralen.
Welche Smartphones sind eSIM-fähig?
Praktisch alle aktuellen Oberklasse- und viele Mittelklasse-Smartphones unterstützen die eSIM:
- Apple: alle iPhones seit dem iPhone XS/XR. Das iPhone Air (2025) ist auch in Deutschland ausschließlich mit eSIM erhältlich. Die Modelle iPhone 17, 17 Pro und 17 Pro Max haben in Europa weiterhin zusätzlich einen Nano-SIM-Schacht.
- Google Pixel: alle Modelle der vergangenen Jahre.
- Samsung: die Galaxy-S- und Galaxy-Z-Reihe sowie ausgewählte Galaxy-A-Modelle.
- Weitere Hersteller wie Xiaomi, Motorola oder OnePlus: oft nur bestimmte Modelle.
So prüfen Sie es selbst: Tippen Sie in der Telefon-App *#06#. Wird neben der IMEI eine EID angezeigt (eine lange Nummer), besitzt das Gerät einen eSIM-Chip. Achten Sie außerdem darauf, ob das Smartphone einen SIM-Lock hat – bei einem gesperrten Gerät funktioniert nur das Profil des Anbieters, der die Sperre gesetzt hat.
Wie aktiviere ich eine eSIM? Schritt für Schritt
Die Aktivierung ist bei allen Anbietern ähnlich. Stellen Sie vorher sicher, dass das Smartphone mit einem WLAN verbunden ist, denn das Profil wird aus dem Internet heruntergeladen.
Variante 1: Mit QR-Code
- Fordern Sie die eSIM bei Ihrem Anbieter an. Sie erhalten einen QR-Code per Brief, E-Mail oder im Kundenportal, oft zusammen mit einem Bestätigungscode.
- iPhone: Öffnen Sie Einstellungen > Mobilfunk > eSIM hinzufügen und wählen Sie „QR-Code verwenden“. Alternativ scannen Sie den Code einfach mit der Kamera-App.
- Android (z. B. Pixel): Öffnen Sie Einstellungen > Netzwerk & Internet > SIMs > SIM hinzufügen und wählen Sie den Download einer eSIM. Bei Samsung heißt der Punkt meist Verbindungen > SIM-Manager > eSIM hinzufügen.
- Scannen Sie den Code und geben Sie gegebenenfalls den Bestätigungscode ein.
- Vergeben Sie einen Namen für das Profil (z. B. „Privat“) und legen Sie fest, welche Nummer für mobile Daten, Anrufe und iMessage bzw. SMS verwendet wird.
Die Menübezeichnungen können je nach Hersteller und Softwareversion leicht abweichen.
Praktischer Tipp: Der QR-Code wird häufig am PC angezeigt, während Sie ihn mit dem Handy scannen. Auf dem iPhone können Sie seit iOS 17.4 auch lange auf einen QR-Code in einer E-Mail oder im Browser tippen und „eSIM hinzufügen“ wählen – ein zweites Gerät ist dann nicht nötig.
Variante 2: Über die App oder die Netzbetreiber-Aktivierung
Einige Anbieter aktivieren die eSIM direkt über ihre App oder spielen sie automatisch auf das Gerät. Beim iPhone erscheint dann in den Einstellungen der Hinweis „Mobilfunktarif kann installiert werden“. Tippen Sie darauf und folgen Sie den Anweisungen.
Variante 3: Manuelle Eingabe
Klappt das Scannen nicht, lassen sich die Aktivierungsdaten (SM-DP+-Adresse und Aktivierungscode) auch von Hand eintippen. Die Daten stehen in der Regel unter dem QR-Code.
eSIM auf ein neues Smartphone übertragen
Beim Handywechsel müssen Sie nicht zwingend ein neues Profil beim Anbieter bestellen:
- iPhone zu iPhone: Mit der „eSIM-Schnellübertragung“ ziehen Sie die Nummer vom alten auf das neue iPhone um. Beide Geräte müssen laut Apple mit demselben Apple Account angemeldet sein, Bluetooth muss aktiviert sein, und das alte Gerät benötigt iOS 18.4 oder neuer. Voraussetzung ist, dass Ihr Anbieter das Verfahren unterstützt.
- Android zu Pixel: Unter Einstellungen > Netzwerk & Internet > SIMs > SIM hinzufügen bietet Google die Option „SIM von einem anderen Gerät übertragen“. Manche Anbieter übertragen die SIM auch automatisch bei der Einrichtung.
- Android zu iPhone und umgekehrt: Hier sind Sie meist auf Ihren Anbieter angewiesen, der eine neue eSIM ausstellt. Apple nennt für iOS 26 zwar eine direkte Übertragung von ausgewählten Android-Geräten, ob das in Ihrer Kombination funktioniert, hängt aber vom Anbieter ab.
Wichtig: Löschen Sie das eSIM-Profil auf dem alten Gerät erst, wenn das neue Smartphone Anrufe und mobile Daten zuverlässig nutzt. Ein gelöschtes Profil lässt sich nicht wiederherstellen, Sie bräuchten dann ein neues vom Anbieter.
Wie sicher ist eine eSIM?
Grundsätzlich ist die eSIM mindestens so sicher wie eine Plastikkarte. Einen typischen Angriff sollten Sie aber kennen: das SIM-Swapping. Dabei bringen Kriminelle einen Anbieter dazu, Ihre Rufnummer auf eine neue SIM oder eSIM zu übertragen – etwa mit gestohlenen Personendaten oder einem abgefangenen QR-Code. Anschließend empfangen sie Ihre SMS, darunter Bestätigungscodes für Konten.
So schützen Sie sich:
- QR-Code geheim halten: Teilen Sie ihn niemals per Messenger oder E-Mail und posten Sie keine Fotos davon.
- Kundenkennwort setzen: Die meisten Anbieter erlauben ein Kennwort oder eine PIN für Service-Anfragen. Nutzen Sie diese Möglichkeit.
- Auf SMS-Codes verzichten, wo es geht: Nutzen Sie für wichtige Konten lieber Authenticator-Apps oder Passkeys. Wie das funktioniert, erklären wir in unserem Ratgeber zur Zwei-Faktor-Authentifizierung und zu Passkeys.
- Plötzlich kein Netz? Wenn Ihr Handy ohne erkennbaren Grund dauerhaft „Kein Netz“ zeigt, rufen Sie umgehend Ihren Anbieter an. Das kann ein Hinweis auf eine fremde Aktivierung sein.
Vorsicht auch vor gefälschten Nachrichten, die eine „eSIM-Umstellung“ ankündigen und nach Kundendaten fragen. Solche Maschen beschreiben wir in unserem Ratgeber Phishing erkennen.
eSIM auf Reisen: Lohnt sich ein Datentarif?
Innerhalb der EU surfen Sie dank Roaming-Verordnung in der Regel zu Inlandskonditionen. Außerhalb der EU – etwa in der Türkei, der Schweiz oder den USA – können Roaming-Gebühren dagegen teuer werden. Hier ist die eSIM besonders praktisch: Sie können zusätzlich zu Ihrer Hauptnummer einen reinen Datentarif eines Reise-eSIM-Anbieters installieren, ohne die Heimat-SIM zu entfernen. Anrufe und SMS erreichen Sie weiterhin über die deutsche Nummer, während der Datenverkehr über das günstigere Reiseprofil läuft.
Achten Sie dabei auf seriöse Anbieter, prüfen Sie Datenvolumen und Laufzeit und stellen Sie in den Einstellungen sicher, dass „Datenroaming“ nur für das Reiseprofil aktiviert ist.
Häufige Fragen
Kann ich meine Rufnummer behalten, wenn ich zur eSIM wechsle?
Ja. Beim Umstieg von der Plastikkarte zur eSIM im selben Vertrag ändert sich nur das Trägermedium, Rufnummer und Tarif bleiben gleich. Die alte Karte wird mit der Aktivierung der eSIM ungültig.
Wie viele eSIMs kann ein Smartphone speichern?
Das hängt vom Gerät ab. Apple gibt an, dass iPhones acht oder mehr eSIM-Profile verwalten können. Gleichzeitig aktiv sind bei den meisten Geräten aber nur zwei Nummern.
Was passiert, wenn mein Handy kaputtgeht?
Die eSIM lässt sich nicht aus einem defekten Gerät entnehmen. Sie bestellen bei Ihrem Anbieter ein neues eSIM-Profil oder eine Ersatz-Plastikkarte und aktivieren sie im Ersatzgerät. Halten Sie dafür Ihre Zugangsdaten zum Kundenportal griffbereit.
Funktioniert die eSIM auch in Smartwatches und Tablets?
Ja, viele Smartwatches mit Mobilfunk und Tablets unterstützen eSIM. Meist wird sie als Zusatzkarte zu Ihrem Handyvertrag gebucht, wofür häufig eine monatliche Gebühr anfällt.
Fazit
Die eSIM ist in Deutschland im Alltag angekommen. Die Aktivierung dauert in der Regel nur wenige Minuten, und beim Handywechsel ist die Übertragung dank der Funktionen von Apple und Google oft einfacher als mit der Plastikkarte. Wer den QR-Code sorgfältig behandelt und für wichtige Konten auf sicherere Anmeldeverfahren als SMS setzt, kann den Umstieg ohne Bedenken wagen.











