Google verteilt seit dem 24. September 2026 die Gesundheitsfunktionen „Health Guardian“ an Besitzer der Pixel Watch 3, 4 und 5. Die Uhr soll im Hintergrund Hinweise auf einen dauerhaft erhöhten Blutdruck und auf eine nachlassende Insulinempfindlichkeit erkennen, ohne Manschette und ohne Bluttest. Für Pixel-Watch-Nutzer ist das Paket kostenlos.

Angekündigt hatte Google die Funktionen bereits im August zusammen mit der Pixel Watch 5. Jetzt lassen sie sich in der Google-Health-App einrichten, die ersten Auswertungen folgen laut Google Anfang Oktober. Wir erklären, was die Uhr tatsächlich liefert, wo die Grenzen liegen und was für Deutschland noch unklar ist.

Health Guardian: Funktionen, Geräte und Voraussetzungen
Grafik: dasTECHNO · Daten: Google Blog (12.08. und 24.09.2026), 9to5Google · Stand 24.09.2026

Welche Funktionen kommen auf die Pixel Watch?

Health Guardian bündelt vier Auswertungen. Drei davon erhalten alle drei Uhrengenerationen:

  • Blutdruck-Trends: Die Uhr wertet über den Monat Puls- und Bewegungsmuster aus und schätzt daraus, ob der Blutdruck tendenziell zu hoch liegt. Google nutzt dafür ein eigenes Modell namens WavesFM. Eine Kalibrierung mit einer Oberarmmanschette ist nicht nötig. Voraussetzung: Die Uhr wird in einer Woche an mindestens fünf aufeinanderfolgenden Tagen getragen.
  • Insulinresistenz-Trends: Hier beobachtet die Uhr mehrere Wochen lang physiologische Daten, um Veränderungen im Stoffwechsel zu erkennen. Nötig sind mindestens sieben Tage mit Daten pro Monat. Das zugrunde liegende Sensormodell wurde laut Google mit mehr als einer Billion Minuten an Daten von rund fünf Millionen Nutzern trainiert, die dem zugestimmt hatten.
  • Atmungsqualität im Schlaf: Jeden Morgen gibt es eine kurze Einschätzung der nächtlichen Atmung, einmal im Monat einen Überblick über die Muster.

Die vierte Funktion, die Atemnotfall-Erkennung, ist nur für Pixel Watch 4 und 5 gedacht. Sinkt die Sauerstoffsättigung gefährlich ab und reagiert die Person nicht mehr, kann die Uhr selbstständig den Notruf verständigen. Diese Funktion trägt nach Googles Angaben eine CE-Kennzeichnung und ist ausschließlich in ausgewählten europäischen Ländern verfügbar.

Was bedeutet „Trend“ – und was nicht?

Wichtig für die Einordnung: Die Pixel Watch ersetzt kein Blutdruckmessgerät. Sie zeigt keine einzelnen Werte wie 130/85 mmHg, sondern liefert einmal im Monat, jeweils am Monatsersten, eine Einschätzung in der App. Google beschreibt die Auswertungen als Funktionen für das allgemeine Wohlbefinden; sie sollen keine Krankheit diagnostizieren oder behandeln. Eine Zulassung der US-Arzneimittelbehörde FDA haben die Trend-Funktionen nicht.

In der App fällt ein Trend dann etwa als „hoch“ auf, verbunden mit dem Hinweis, dass der Körper möglicherweise dauerhaft mehr leisten musste als nötig. Über den Coach in der Google-Health-App lassen sich Rückfragen stellen, etwa warum ein Trend erhöht ist.

Health-Guardian-Übersicht in der Google-Health-App
Görsel: Google

Wer einen auffälligen Trend angezeigt bekommt, sollte das als Anlass sehen, den Blutdruck mit einem geprüften Messgerät nachzumessen oder ärztlich abklären zu lassen – nicht als Befund.

Ist Health Guardian in Deutschland verfügbar?

Hier bleibt Google vage. Laut dem Unternehmen hängt die Verfügbarkeit von Land und Gerät ab; eine vollständige Länderliste hat Google bis zum 24. September 2026 nicht veröffentlicht. Klar ist nur: Die Atemnotfall-Erkennung ist ausdrücklich für ausgewählte europäische Länder vorgesehen. Ob Deutschland dazugehört und ob Blutdruck- und Insulinresistenz-Trends hierzulande ab sofort in der App auftauchen, hat Google nicht ausdrücklich bestätigt.

Unser Rat: Aktualisieren Sie die Google-Health-App und prüfen Sie in der App, ob Health Guardian zur Einrichtung angeboten wird. Da die Verteilung schrittweise läuft, kann es einige Tage dauern.

Was gilt für die Fitbit Air?

Die Fitbit Air erhält Blutdruck- und Insulinresistenz-Trends später im Jahr 2026 – allerdings nur mit einem Abo von Google Health Premium. Auf der Pixel Watch sind die Funktionen dagegen ohne zusätzliches Abo enthalten. Einen Termin für die Fitbit Air nennt Google nicht.

Einordnung: Blutdruck am Handgelenk

Google ist nicht der erste Hersteller mit einer solchen Idee. Auch andere Smartwatch-Anbieter werten Pulsdaten aus, um Hinweise auf Bluthochdruck zu geben, meist ebenfalls als Trend statt als Messwert. Der Unterschied liegt im Detail: Google setzt auf große KI-Modelle, die aus sehr vielen Nutzerdaten gelernt haben, und koppelt die Ergebnisse an einen Coach in der App.

Für Nutzerinnen und Nutzer in Deutschland stellt sich zusätzlich die Datenschutzfrage. Gesundheitsdaten gelten nach der DSGVO als besonders schützenswert. Google betont in der App, dass die Gesundheitsdaten geschützt seien und die Kontrolle beim Nutzer liege. Wer die Funktionen nutzt, sollte trotzdem in den Einstellungen nachsehen, welche Daten für die Auswertung verwendet werden. Ausprobiert haben wir die Funktionen nicht; alle Angaben stammen von Google und den genannten Quellen.

Häufige Fragen

Pixel Watch 3, 4 und 5. Die Atemnotfall-Erkennung gibt es nur für Pixel Watch 4 und 5.

Kostet Health Guardian etwas?

Auf der Pixel Watch nicht. Für die Fitbit Air ist Google Health Premium nötig.

Misst die Pixel Watch meinen Blutdruck in mmHg?

Nein. Sie schätzt einmal im Monat einen Trend. Einzelwerte liefert nur ein Blutdruckmessgerät.

Wann sehe ich die ersten Ergebnisse?

Laut Google Anfang Oktober 2026, sofern die Uhr ausreichend getragen wurde.