Der Markt für KI-Brillen wächst weiter kräftig: Nach Berechnungen des Marktforschers Omdia gingen im ersten Halbjahr 2026 weltweit rund 4,2 Millionen Geräte an den Handel, 127 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die am 22. September veröffentlichten Daten zeigen zugleich, wie ungleich der Kuchen verteilt ist: Allein Meta lieferte 3,4 Millionen Brillen aus. Bemerkenswert ist Platz zwei, denn dort steht ein Modell, das bewusst auf eine Kamera verzichtet.

Die wichtigsten Zahlen im Überblick

Omdia zählt zu den KI-Brillen Modelle mit Sprachassistent, egal ob mit Kamera, Display oder nur mit Audio. Für die erste Jahreshälfte 2026 ergibt sich folgendes Bild:

Kennzahl (1. Halbjahr 2026)Wert
Auslieferungen weltweitca. 4,2 Mio. Stück
Wachstum zum Vorjahreszeitraum+127 %
Meta3,4 Mio. Stück, 81,3 % Marktanteil
Even Realities (Platz 2)102.000 Stück, 2,4 %
Alibaba2,1 %
Anteil USA53,7 % (+103 %)
Anteil China12,3 % (ca. 520.000 Stück, +306 %)

Quelle: Omdia, Pressemitteilung vom 22.09.2026.

Eine Einordnung ist wichtig: Gegenüber dem zweiten Halbjahr 2025 mit rund 6,5 Millionen Einheiten sind die Stückzahlen gesunken. Das ist weniger ein Einbruch als ein saisonaler Effekt, denn das Weihnachtsgeschäft fällt traditionell in die zweite Jahreshälfte. Omdia selbst spricht von einem Markt, dessen Wachstum sich von einer sehr niedrigen Basis aus allmählich stabilisiert.

KI-Brillen: weltweite Auslieferungen je Halbjahr
Grafik: dasTECHNO · Daten: Omdia (22.09.2026)

Meta dominiert, doch der Zweite hat keine Kamera

Dass Meta vorne liegt, überrascht kaum. Die Ray-Ban- und Oakley-Modelle, die der Konzern gemeinsam mit EssilorLuxottica baut, sind seit Herbst 2023 auf dem Markt. Nach Angaben des Brillenkonzerns wurden allein 2025 mehr als sieben Millionen Stück verkauft, etwa dreimal so viele wie im Vorjahr.

Interessanter ist der Aufstieg von Even Realities. Das Unternehmen kletterte von Rang fünf im zweiten Halbjahr 2025 auf Rang zwei. Seine Even G2 sieht aus wie eine gewöhnliche Korrekturbrille, blendet aber über ein kleines einfarbiges Display Informationen ins Sichtfeld ein, etwa Live-Transkriptionen, Übersetzungen oder Notizen im Teleprompter-Stil. Kamera und Lautsprecher gibt es nicht. Laut Omdia kommt das Konzept vor allem in Nordamerika und Westeuropa gut an.

Mit dem Abstand zu Meta sollte man den Erfolg nicht überbewerten: 102.000 Brillen entsprechen nicht einmal einem Dreißigstel des Meta-Volumens. Als Signal ist der Sprung aber relevant, weil er zeigt, dass es eine Nachfrage nach smarten Brillen ohne Aufnahmefunktion gibt.

China: viele Anbieter, kein klarer Marktführer

Am schnellsten wächst der Markt in China. Dort haben sich die Auslieferungen laut Omdia etwa vervierfacht. Zahlreiche lokale Hersteller probieren unterschiedliche Kombinationen aus Display, Kamera und Audio aus. Die drei größten Anbieter Alibaba, INMO und Xiaomi kommen zusammen nur auf gut 46 Prozent des chinesischen Marktes, INMO und Xiaomi jeweils auf rund 14 Prozent. Nach Angaben von The Next Web arbeiten die Behörden in Peking zudem an Vorgaben für gut sichtbare Aufnahmeleuchten.

Was bedeutet das für Deutschland?

Konkrete Zahlen für Deutschland oder die EU weist Omdia in seiner Mitteilung nicht aus. Rechnet man die Anteile der USA und Chinas heraus, entfallen rund ein Drittel der Auslieferungen auf den Rest der Welt, darunter Europa.

Hierzulande wird das Thema derzeit weniger über Stückzahlen als über Datenschutz diskutiert. Erst diese Woche hat die Datenschutzkonferenz klargestellt, dass Träger von Kamerabrillen selbst nach DSGVO haften, wenn sie Fremde filmen. Die kleine Aufnahme-LED reicht den Behörden nicht als Hinweis für Umstehende. Auch in Frankreich laufen Ermittlungen rund um Kamerabrillen.

Vor diesem Hintergrund ist bemerkenswert, dass auch Meta nun eine Variante ohne Kamera anbietet: Die auf der Connect vorgestellte Ray-Ban Meta Audio kostet in den USA 349 US-Dollar, einen Euro-Preis und einen Deutschland-Start hat Meta bisher nicht genannt. Zusammen mit dem Erfolg der Even G2 deutet sich an, dass sich der Markt in zwei Richtungen aufspaltet: Kamerabrillen für Fotos und visuelle KI-Funktionen und diskretere Modelle für Audio, Anzeige und Übersetzung.

Für Käufer in Deutschland heißt das: Wer eine smarte Brille vor allem für Musik, Telefonate oder Untertitel nutzen will, braucht nicht zwingend eine Kamera und umgeht damit viele der rechtlichen Fragen, die die DSK aufgeworfen hat.

Ausblick: Samsung, Google und Apple kommen

Der Wettbewerb dürfte bald härter werden. Samsung und Google haben eigene Brillen auf Basis von Android XR angekündigt, Apple wird ein Einstieg für 2027 nachgesagt, bestätigt ist das nicht. Ob Metas Dominanz bei über 80 Prozent bleibt, dürfte sich deshalb erst in den Zahlen für 2027 zeigen.

Häufige Fragen

Wie viele KI-Brillen wurden 2026 bisher verkauft?

Omdia beziffert die globalen Auslieferungen von Januar bis Juni 2026 auf etwa 4,2 Millionen KI-Brillen. Das sind Auslieferungen, nicht zwingend Verkäufe an Endkunden.

Welcher Hersteller hat den größten Marktanteil?

Meta mit 81,3 Prozent beziehungsweise 3,4 Millionen Geräten, vor allem Ray-Ban-Meta- und Oakley-Meta-Modelle.

Gibt es smarte Brillen ohne Kamera?

Ja. Die Even Realities G2 setzt auf ein kleines Display ohne Kamera und Lautsprecher, Metas neue Ray-Ban Meta Audio auf Lautsprecher und Mikrofone ohne Kamera.

Gibt es Zahlen für Deutschland?

Nein. Omdia nennt nur globale Werte sowie Anteile für die USA und China.