Wer mit einer Ray-Ban- oder Oakley-Brille von Meta ein Speisekarten-Foto übersetzen lässt, liefert damit bislang auch Material für Metas KI-Entwicklung. Das soll sich ändern: Meta will Nutzern seiner KI-Brillen erlauben, der Verwendung ihrer Kamerabilder für das KI-Training zu widersprechen. Wer das tut, dessen Bilder sollen außerdem nicht mehr von externen Dienstleistern gesichtet werden. Das hat das Unternehmen am 23. September, dem Tag der Meta Connect 2026, gegenüber dem US-Techportal Engadget erklärt. Für Deutschland ist der Schritt besonders interessant, weil die Hamburger Datenschutzaufsicht erst vor zwei Wochen scharfe Kritik an genau diesem Punkt geübt hat.
Was ändert sich für Brillenträger?
Bisher gilt: Fragt man Meta AI über die Brille etwas zu dem, was die Kamera sieht, landet das Bild auf Metas Servern. Anders als normale Fotos und Videos erscheinen diese Aufnahmen nicht in der Galerie der Companion-App, viele Nutzer wissen deshalb gar nicht, dass sie gespeichert werden. Meta durfte sie nach den bisherigen Bedingungen zur Verbesserung seiner Modelle verwenden.
Mit dem neuen Opt-out sollen Kamerabilder nach Metas Darstellung nur noch zur Beantwortung der jeweiligen Frage dienen und danach verworfen werden. Weder ein Training noch eine Prüfung durch Menschen zur Produktverbesserung soll dann stattfinden.
Wichtig ist, was nicht abgedeckt ist:
| Datenart | Mit Opt-out | Hinweis |
|---|---|---|
| Kamerabilder aus Anfragen an Meta AI | kein Training, keine menschliche Prüfung | nur die Antwort wird erzeugt |
| Sprachaufnahmen („Hey Meta …“) | weiter für Training und Prüfung nutzbar | manuell löschbar |
| Eigene Fotos und Videos in der Galerie | unverändert | liegen zunächst lokal auf der Brille |
| Unterhaltungen mit Muse | eigener Widerspruch vorgesehen | laut Meta keine Weitergabe an Werbesysteme |

Offen ist, wo genau sich die Einstellung in der Meta-AI-App befindet, ab wann sie verfügbar ist und ob sie in der EU zeitgleich startet. Eine offizielle Hilfeseite von Meta dazu haben wir bis Donnerstagmorgen nicht gefunden.
Warum die menschliche Prüfung so umstritten ist
Hintergrund sind Berichte über externe Dienstleister, die Aufnahmen aus den Brillen sichten und für das KI-Training beschriften. Nach Recherchen, auf die sich Engadget bezieht, arbeiten solche Teams unter anderem in Kenia und bekamen dabei auch private und intime Bilder zu sehen. In den USA ist wegen der Datenschutzversprechen rund um die Brillen mindestens eine Sammelklage eingereicht worden.
Meta reagiert damit auf eine Debatte, die zuletzt deutlich an Tempo gewonnen hat. Auf der Connect stellte der Konzern mit der Ray-Ban Meta Audio erstmals eine KI-Brille ganz ohne Kamera vor, und in Paris ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen heimlich gefilmter Frauen.
Was sagt der Hamburger Prüfbericht?
Der Hamburgische Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit (HmbBfDI) hat am 10. September 2026 einen technischen und rechtlichen Prüfbericht zur Ray-Ban Meta Wayfarer der ersten Generation veröffentlicht. Ein interdisziplinäres Team hat dafür den Datenverkehr der App mitgeschnitten, die Brille zerlegt und die Komponenten untersucht. Die zentralen Ergebnisse:
- Aufnahmen Unbeteiligter außerhalb des engen privaten Umfelds sind im Alltag nach Einschätzung der Behörde in aller Regel nicht zulässig.
- Die Aufnahme-LED ist bei Tageslicht schwer zu erkennen. Eine informierte Einwilligung der Gefilmten ist daher praktisch kaum einzuholen.
- Für Metas eigene Verarbeitung der Aufnahmen, vor allem zum Training kommerzieller KI-Modelle, fehlt laut HmbBfDI regelmäßig eine geeignete Rechtsgrundlage.
- In der Software fanden die Prüfer Tabellen, deren Namen auf Gesichtserkennung hindeuten. Sie waren zum Zeitpunkt der Untersuchung allerdings leer.
Die Datenschutzkanzlei SBS Legal leitet aus dem Bericht die Empfehlung ab, das KI-Training in den Einstellungen abzuschalten, gerade bei dienstlicher Nutzung. Genau dafür bietet Meta nun zumindest für Bilddaten eine Option an. Die Hamburger Kritik an Aufnahmen von Passanten betrifft dagegen den Träger selbst und wird durch ein Opt-out nicht gelöst.
Private Processing: Metas technischer Ansatz
Parallel hat Meta in seinem Engineering-Blog beschrieben, wie KI-Anfragen der Brillen künftig verarbeitet werden sollen. Unter dem Namen Private Processing laufen Funktionen wie Live-Transkription, kontextbezogene Suche und ein Langzeitgedächtnis in sogenannten vertraulichen virtuellen Maschinen. Diese nutzen hardwaregestützte, verschlüsselte Ausführungsumgebungen (Trusted Execution Environments), auf die Meta nach eigener Darstellung selbst keinen Zugriff hat.
Die Geräte prüfen per Remote-Attestierung, ob auf dem Server tatsächlich der veröffentlichte Code läuft. Anfragen werden über Relays externer Anbieter geleitet, damit sie sich nicht einzelnen Personen zuordnen lassen, gespeicherte Daten werden mit Schlüsseln der Nutzer verschlüsselt. Externe Prüfer wie die NCC Group sollen das System begutachten. Einen Starttermin nennt Meta nicht. Für Muse, den neuen KI-Agenten, kündigt Meta eine ähnliche „Confidential VM“ an. Muse selbst startet vorerst nur in den USA, für Brillen heißt es lediglich „demnächst“.
Was bedeutet das für Nutzer in Deutschland?
Für Besitzer einer Meta-Brille lohnt sich ein Blick in die Datenschutzeinstellungen der Meta-AI-App, sobald die neue Option erscheint. Bis dahin gilt, was schon der Hamburger Bericht nahelegt: Wer keine Bilder zum Training beitragen will, sollte Meta-AI-Anfragen mit Kamera sparsam einsetzen.
Aus Datenschutzsicht bleibt das Grundmodell ein Widerspruchsverfahren. Wer nichts tut, gibt seine Daten weiter frei. Diese Kritik kennt Meta bereits aus der Diskussion um das KI-Training mit öffentlichen Facebook- und Instagram-Beiträgen in der EU. Ob die Aufsichtsbehörden eine Opt-out-Lösung für Brillenbilder als ausreichend ansehen, ist offen. Zu den Sprachaufnahmen, die weiter genutzt werden dürfen, dürfte die Debatte ohnehin weitergehen.
Häufige Fragen
Kann ich das KI-Training mit meinen Brillenbildern schon abschalten?
Meta hat die Option angekündigt, aber bislang weder den Ort in der App noch ein Startdatum oder die Verfügbarkeit in Deutschland genannt.
Gilt das Opt-out auch für Sprachbefehle?
Nein. Nach Metas Angaben betrifft es nur Kamerabilder. Sprachaufnahmen können weiter für Training und Prüfung verwendet werden, lassen sich aber in der App löschen.
Sind Aufnahmen mit einer Kamerabrille in Deutschland erlaubt?
Die Brillen selbst sind erlaubt; die Bundesnetzagentur sieht bislang keinen Verbotsgrund. Das Filmen fremder Personen im Alltag ist laut Hamburger Datenschutzbehörde aber in der Regel unzulässig.
Was ist Private Processing?
Eine Cloud-Verarbeitung in abgeschotteten, verschlüsselten Umgebungen, auf die Meta nach eigener Aussage keinen Zugriff hat. Wann sie für die Brillen startet, ist offen.











