Ausgerechnet in der Woche, in der Kamerabrillen in Europa wegen heimlicher Aufnahmen in der Kritik stehen, bringt Meta eine Brille ganz ohne Kamera: Auf der Connect 2026 hat der Konzern in der Nacht auf Donnerstag (Keynote ab 1 Uhr deutscher Zeit) die Ray-Ban Meta Audio vorgestellt. In den USA kostet sie 349 US-Dollar und lässt sich bereits vorbestellen, ausgeliefert wird ab dem 13. Oktober. Ob und wann sie nach Deutschland kommt, ist noch offen.

Was kann die Ray-Ban Meta Audio?

Im Kern handelt es sich um eine Ray-Ban Meta ohne Kameramodul. Lautsprecher, Mikrofone und der Sprachassistent Meta AI bleiben an Bord, Fotos und Videos sind nicht möglich. Die wichtigsten Daten im Überblick:

  • Gewicht: 43 Gramm – laut Gizmodo wiegen die Kameramodelle 49 bis 53 Gramm.
  • Akku: bis zu 12 Stunden pro Ladung, das Etui liefert weitere 48 Stunden.
  • Fassungen: eckige Burbank und die Retro-Form Clubmaster, insgesamt 23 Kombinationen aus Farben und Gläsern.
  • Korrekturgläser: werden unterstützt.
  • Funktionen: Musik und Podcasts, Telefonate, Antworten auf Sprachnachrichten, Live-Übersetzung und Fragen an Meta AI.
  • Passform: verstellbare Bügelenden, austauschbare Nasenpads und Scharniere, die sich weiter öffnen lassen.

Was fehlt, sind alle Funktionen, bei denen Meta AI die Umgebung „sieht“. Dafür ist die Brille leichter und läuft länger als die Kameramodelle.

Ray-Ban Meta Audio im Datenblatt-Vergleich
Grafik: dasTECHNO · Daten: Meta, Engadget, Gizmodo, GadgetGuy

Preis und Verfügbarkeit in Deutschland

Offiziell genannt ist bislang nur der US-Preis von 349 Dollar. Das liegt knapp unter der Ray-Ban Meta (Gen 2), die in den USA ab 379 Dollar startet. Einen Euro-Preis und einen Termin für Deutschland hat Meta noch nicht veröffentlicht. Eine direkte Umrechnung wäre wenig aussagekräftig, weil US-Preise ohne Mehrwertsteuer angegeben werden. Sobald Meta oder EssilorLuxottica Angaben für Europa machen, aktualisieren wir diesen Artikel.

Warum die kameralose Brille in Deutschland interessant ist

Hierzulande ist die Debatte um Kamerabrillen bereits bei den Behörden angekommen. Die Organisation HateAid hat im August Strafanzeige gegen Meta, Ray-Ban, Oakley und vier Händler gestellt; die Bundesnetzagentur sieht derzeit keinen Grund für ein Verbot. In Paris ermittelt die Staatsanwaltschaft, weil Frauen mit Smart Glasses heimlich gefilmt wurden – Details dazu in unserem Überblick zur Rechtslage.

Eine Brille ohne Kamera nimmt diesem Streit die Grundlage: Sie kann schlicht nichts aufnehmen. Für Arbeitgeber, Schulen, Behörden oder Fitnessstudios, die Kamerabrillen skeptisch sehen, dürfte das ein Argument sein. Für Nutzerinnen und Nutzer ist die Audio-Variante eher eine Alternative zu In-Ear-Kopfhörern als zur klassischen Ray-Ban Meta.

Ray-Ban Meta (Gen 3): die Kameravariante

Parallel hat Meta die dritte Generation der Kamerabrille gezeigt. Laut GadgetGuy ist die Ray-Ban Meta (Gen 3) schlanker, hält bis zu 9 Stunden (Gen 2: bis zu 8 Stunden) und nimmt weiterhin 12-Megapixel-Fotos sowie 3K-Videos auf. Sechs Mikrofone sollen mehr als 90 Prozent der Umgebungsgeräusche herausfiltern, die Aufnahme-LED bleibt. Preis und Termin der Gen 3 waren in den für uns zugänglichen Quellen nicht eindeutig angegeben.

Muse und neue Software-Funktionen

Nach Angaben aus Metas offiziellem Blog soll der Anfang September vorgestellte KI-Agent Muse „in den kommenden Monaten“ auch auf den KI-Brillen laufen. Nach dem Zuruf „Muse“ erledigt er Aufgaben im Hintergrund und meldet sich, wenn er fertig ist – etwa Termine buchen, Flugpreise prüfen, Produkte suchen und kaufen, Trainingspläne erstellen oder Mahlzeiten protokollieren. Muse ist bislang nur in den USA für Erwachsene verfügbar; einen Europa-Termin nennt Meta nicht.

Dazu kommen neue Brillen-Funktionen: Dolby Atmos Capture für räumliche 360-Grad-Tonaufnahmen, Dynamic Photo mit automatischer Mehrfachaufnahme, ein Querformat-Zuschnitt, Private Processing für KI-Anfragen ohne Datenübertragung, ausführlichere Beschreibungen für blinde und sehbehinderte Menschen sowie Audio-Balance, Mono-Ton und frei belegbare Touch-Gesten.

Hörverstärkung mit FDA-Zulassung – vorerst nur USA

Eine FDA-zugelassene Software zur Hörverstärkung soll Menschen mit leichtem bis mittlerem Hörverlust helfen. Aktiviert wird sie per Sprachbefehl. Nach einer 30-tägigen Testphase kostet sie einmalig 149,99 US-Dollar oder ist im Abo Meta One enthalten. Der Start ist für später im Jahr 2026 in den USA geplant, laut Engadget zunächst auf unterstützten Meta-Glasses-Modellen statt auf Ray-Ban-Brillen. Eine Zulassung als Medizinprodukt in der EU hat Meta nicht erwähnt – für Deutschland ist die Funktion daher vorerst kein Thema.

Häufige Fragen

Hat die Ray-Ban Meta Audio eine Kamera?

Nein. Es ist Metas erste Smart-Brille ohne Kamera, gedacht für Musik, Telefonate und Meta AI.

Was kostet die Ray-Ban Meta Audio in Euro?

Einen Euro-Preis gibt es noch nicht. In den USA kostet sie 349 Dollar, Auslieferung ab 13. Oktober 2026.

Wie lange hält der Akku?

Bis zu 12 Stunden pro Ladung, mit Ladeetui zusätzlich 48 Stunden.

Kommt die Hörverstärkung nach Deutschland?

Angekündigt ist sie nur für die USA. Für Europa gibt es weder Termin noch Zulassungsangaben.