Audi bekommt sein erstes eigenes Werk in den USA. Der Ingolstädter Hersteller will im Bundesstaat Georgia rund 4 Milliarden US-Dollar investieren und etwa 4.500 Arbeitsplätze schaffen. Bekannt gemacht hat das zuerst US-Präsident Donald Trump am Samstagabend (Ortszeit) bei einer Wahlkampfveranstaltung in Perry nahe Macon; Audi bestätigte die Pläne am 25. Oktober 2026 mit einer offiziellen Mitteilung.
Für die deutsche Autoindustrie ist das mehr als eine Standortmeldung aus Übersee. Bislang hat Audi alle Fahrzeuge für den US-Markt importiert – aus Europa oder aus Mexiko. Mit dem neuen Werk ändert die VW-Tochter dieses Modell grundlegend.
Was Audi in Georgia plant
Gebaut wird auf der Middle Georgia Mega Site, einem großen, bereits erschlossenen Industriegelände in Zentral-Georgia. Der Baubeginn ist für 2027 vorgesehen, die Serienproduktion soll Anfang der 2030er-Jahre starten. Ausgelegt ist das Werk auf bis zu 200.000 Fahrzeuge pro Jahr.
Welche Modelle dort entstehen, nennt Audi selbst nur allgemein: Premium-SUVs, die auf Kundinnen und Kunden in Nordamerika zugeschnitten sind. Nach Angaben eines US-Regierungsvertreters, über den die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, geht es um die großen Baureihen Q7, Q8 und Q9. Döllner selbst sprach in Perry davon, die „größten und hochwertigsten SUVs“ der Marke künftig in Georgia zu fertigen.

Zur Einordnung der Investitionssumme: Audi spricht von „rund 4 Milliarden Dollar“. In einzelnen Berichten taucht auch die Zahl 4,2 Milliarden Dollar auf. Maßgeblich ist hier die Angabe des Herstellers.
Begründet wird die Standortwahl mit einem baureifen Grundstück, verfügbaren Fachkräften, einem etablierten Zuliefernetz im Südosten der USA und guter Logistik. Das Gelände biete zudem Platz für spätere Erweiterungen. Produktionsvorstand Gerd Walker sieht im Neubau die Chance, Fertigungsabläufe von Grund auf neu zu planen, statt ein bestehendes Werk umzubauen.
Warum Audi jetzt in den USA produziert
Die USA sind nach Audi-Angaben der zweitgrößte Premiummarkt der Welt – und einer, in dem die Marke hinter ihren Möglichkeiten bleibt. Vorstandschef Gernot Döllner sagt, man habe für Audi in Amerika „much greater ambitions“ und schöpfe das Potenzial dort bislang nicht aus. Ziel sei ein stärkeres US-Geschäft insgesamt, nicht nur ein neues Werk.

Der zweite Grund steht weniger prominent in der Mitteilung, ist aber kaum zu übersehen: Zölle. Audi schreibt, eine stärkere Präsenz in Nordamerika verringere die Abhängigkeit von Handels- und Währungsrisiken. Laut Reuters haben die US-Importzölle Audi im vergangenen Jahr mehr als eine Milliarde Euro gekostet, weil sämtliche US-Fahrzeuge eingeführt werden mussten. Hinzu kommt schwache Nachfrage: Die Verkäufe in den USA liegen laut Reuters in diesem Jahr rund 16 Prozent unter dem Vorjahr.
Trump nutzte die Ankündigung als Beleg für seine Zollpolitik, rund eine Woche vor den Zwischenwahlen am 3. November. Der republikanische Senator Bernie Moreno erklärte, das Werk wäre ohne Zölle und gelockerte Regulierung nicht gekommen. Kritiker halten dagegen, dass die Zölle die Autopreise in den USA erhöht und Investitionsentscheidungen verzögert haben.
Was bedeutet das für die deutschen Standorte?
Das ist die Frage, die hierzulande am meisten interessiert – und die Audi nur indirekt beantwortet. In der Mitteilung heißt es, Deutschland und Europa blieben mit ihrer Ingenieurskompetenz, ihrem technologischen Know-how und ihrer Fertigungskompetenz das industrielle Rückgrat von Audi. Das US-Werk ergänze das bestehende Produktionsnetz. Nordamerika soll so neben Europa und China zur dritten großen Säule werden.
Konkrete Aussagen zu Stückzahlen, Modellverlagerungen oder Beschäftigung in Ingolstadt und Neckarsulm enthält die Mitteilung nicht. Aus dem Werk in Georgia lässt sich daher kein unmittelbarer Stellenabbau in Deutschland ableiten. Bekannt ist allerdings, dass die Zukunft einzelner deutscher Konzernwerke ohnehin diskutiert wird: Reuters weist darauf hin, dass Neckarsulm zu vier deutschen VW-Konzernstandorten zählt, deren Fortbestand nach 2030 offen ist. Wie sich die neue US-Fertigung auf diese Debatte auswirkt, ist derzeit nicht absehbar.
Für Kundinnen und Kunden in Deutschland ändert sich vorerst nichts. Bis das Werk produziert, vergehen noch mehrere Jahre, und die dort geplanten Fahrzeuge sind laut Audi auf den nordamerikanischen Markt ausgerichtet.
Der VW-Konzern baut seine US-Präsenz aus
Audi ist nicht die einzige Konzernmarke, die stärker auf Fertigung in den USA setzt. Volkswagen betreibt bereits ein Werk in Chattanooga (Tennessee), und die Offroad-Marke Scout Motors errichtet ein rund 2 Milliarden Dollar teures Werk in Blythewood, South Carolina. Dort sollen laut dem von Reuters zitierten US-Regierungsvertreter zusätzlich rund 25.000 Audi-Fahrzeuge pro Jahr gebaut werden; ein Teil davon soll auch exportiert werden. Audi selbst hat diese Zahl in seiner Mitteilung nicht genannt.
Auch andere Hersteller verlagern Kapazitäten: Toyota kündigte im Juli 3,6 Milliarden Dollar für eine Pickup-Fertigung in Texas an. Wie es dem Konzern zuletzt insgesamt ging, zeigen die Auslieferungen des VW-Konzerns im dritten Quartal. Technisch macht Audi derzeit eher mit Effizienz Schlagzeilen, etwa mit dem Reichweitenrekord des A6 e-tron.
Häufige Fragen
Wo genau entsteht das Audi-Werk in den USA?
Auf der Middle Georgia Mega Site bei Perry, südlich von Macon im US-Bundesstaat Georgia.
Wann laufen die ersten Autos vom Band?
Der Bau soll 2027 beginnen, die Produktion Anfang der 2030er-Jahre. Ein genaues Datum hat Audi nicht genannt.
Welche Modelle baut Audi in Georgia?
Audi spricht von Premium-SUVs für Nordamerika. Nach Angaben eines US-Regierungsvertreters sind es Q7, Q8 und Q9.
Werden deshalb Werke in Deutschland geschlossen?
Dazu sagt Audi nichts. Das Unternehmen betont lediglich, Deutschland und Europa blieben das industrielle Rückgrat; das US-Werk ergänze das bestehende Netz.
Wie viel investiert Audi?
Laut Audi rund 4 Milliarden US-Dollar. Geplant sind etwa 4.500 direkte Arbeitsplätze.
Titelbild: Audi











