Wer einen Gaming-PC zusammenstellen will, steht vor einer einfachen Frage mit komplizierter Antwort: Wie viel vom Budget gehört in welche Komponente? Die Grafikkarte ist das Bauteil, über das alle reden, doch eine teure GPU auf einer schwachen Basis verschenkt Leistung. Diese Kaufberatung zeigt, nach welcher Logik Sie das Geld verteilen, wie Sie das passende Netzteil berechnen und woran Sie einen Flaschenhals erkennen. Sie stützt sich auf Angaben von Intel, Corsair, dem 80-PLUS-Programm und Micron.

Hinweis: Wir nennen bewusst keine Euro-Beträge für einzelne Bauteile. Grafikkarten-, Prozessor- und Speicherpreise schwanken in Deutschland teils wöchentlich; eine Liste von heute wäre in kurzer Zeit falsch. Die Verteilungslogik bleibt dagegen gültig.

Welche Komponenten bestimmen die Gaming-Leistung?

Intel nennt in seinem Ratgeber zu Budget-Gaming-PCs zwei Bauteile, die Bildrate, Grafikdetails und Auflösung am stärksten bestimmen: den Prozessor (CPU) und die Grafikkarte (GPU). Die Aufgabenteilung ist grob so:

  • Die CPU berechnet Spiellogik, Physik, KI-Gegner und bereitet für jedes Bild die Zeichenbefehle vor.
  • Die GPU setzt diese Befehle in Pixel um. Je höher Auflösung und Detailstufe, desto mehr Arbeit landet bei ihr.

Alle anderen Teile, also Mainboard, Arbeitsspeicher, SSD, Netzteil, Gehäuse und Kühlung, entscheiden nicht direkt über die Bildrate. Sie sorgen aber dafür, dass CPU und GPU ihre Leistung stabil abrufen können, und bestimmen, wie gut sich der Rechner später aufrüsten lässt. Wer hier zu stark spart, zahlt meist beim nächsten Upgrade drauf.

Was ist ein Flaschenhals – und warum kostet er Geld?

Intel beschreibt einen Flaschenhals (Bottleneck) als Bauteil, das die Leistung anderer Hardware begrenzt, weil die Fähigkeiten der Komponenten zu weit auseinanderliegen. Es gibt zwei Richtungen:

  • CPU-Limit: Die Grafikkarte könnte mehr Bilder berechnen, bekommt aber vom Prozessor nicht schnell genug Nachschub.
  • GPU-Limit: Der Prozessor liefert genug Befehle, die Grafikkarte kommt mit dem Rendern nicht hinterher.

Ein leichtes GPU-Limit ist im Spielealltag normal und kein Problem, denn dann arbeitet das teuerste Bauteil voll ausgelastet. Teuer wird es, wenn die Lücke groß ist: Intel nennt als Beispiel für ein unpassendes Paar einen Core-i5-Prozessor mit einer Grafikkarte der damaligen Spitzenklasse (RTX 3090) und umgekehrt einen Spitzenprozessor mit einer Einsteiger-Grafikkarte. In beiden Fällen haben Sie für Leistung bezahlt, die das System nicht abruft.

Wichtig ist auch die Auflösung. Laut Intel steigt der Bedarf an GPU-Leistung mit der Auflösung; für Full HD (1080p) reichen Einsteiger-Grafikkarten, hohe Auflösungen verlangen nach Oberklasse-Modellen. In schnellen Shootern, in denen viele Spieler auf sehr hohe Bildraten zielen, gewinnt dagegen der Prozessor an Gewicht.

Wie verteile ich mein Budget sinnvoll?

Eine feste Prozentformel, die für jedes Budget gilt, gibt es nicht, und Hersteller wie Intel nennen auch keine. In Bastler-Communitys kursieren Faustregeln, nach denen die Grafikkarte den größten Einzelposten bilden sollte. Als grobe Orientierung taugt das, als Gesetz nicht. Sinnvoller ist eine Reihenfolge der Prioritäten:

  1. Ziel festlegen: Welche Auflösung und welche Bildrate wollen Sie in Ihren Spielen erreichen? Ein Full-HD-Monitor mit 60 Hz braucht eine ganz andere Grafikkarte als ein WQHD- oder 4K-Monitor mit hoher Bildwiederholrate.
  2. Grafikkarte nach diesem Ziel wählen. Sie ist bei den meisten Spielen der wichtigste Hebel.
  3. Prozessor passend dazu wählen, nicht maximal. Die CPU sollte die gewählte Grafikkarte in Ihrer Zielauflösung auslasten können.
  4. Pflichtposten nicht unterdimensionieren: Netzteil, Arbeitsspeicher und SSD in vernünftiger Qualität und Größe.
  5. Erst danach: Optik, Beleuchtung, besonders teure Mainboards oder Gehäuse.

Intel rät ausdrücklich dazu, zuerst die eigenen Anforderungen zu klären, bevor Geld in Extras fließt, und am Ende ein ausgewogenes System zu haben.

Prioritäten je nach Budget im Überblick

BauteilKleines BudgetMittleres BudgetGroßes Budget
GrafikkarteGrößter Posten, Ziel Full HDGrößter Posten, Ziel WQHDGrößter Posten, Ziel 4K oder sehr hohe Bildraten
ProzessorAktuelle Einsteiger-/MittelklasseMittelklasse, passend zur GPUOberklasse, wenn GPU und Ziel es verlangen
Arbeitsspeicher16 GB16 bis 32 GB32 GB oder mehr bei Bedarf
Speicher (SSD)Mind. 500 GB1 TB oder mehrMehrere TB möglich
NetzteilMarkengerät mit ReserveEffizienter, mit ReserveEffizient, leise, mit Reserve
MainboardSolide Basis, Aufrüstpfad beachtenMehr Anschlüsse nach BedarfAusstattung nach Bedarf

Eigene Einordnung auf Basis der Herstellerangaben; keine verbindlichen Grenzwerte.

Wie viel Arbeitsspeicher braucht ein Gaming-PC?

Intel bezeichnet 16 GB oder mehr als ideal; 8 GB reichen nach Intels Angabe für viele Spiele noch aus, darunter kann es zu Leistungsproblemen kommen. In seinem Bottleneck-Ratgeber nennt Intel 16 GB als Mindestgröße für aktuelle Spiele und betont, dass die Menge wichtiger ist als die Geschwindigkeit. Für einen neuen Gaming-PC sind 16 GB damit die sinnvolle Untergrenze; wer streamt, nebenbei viele Programme offen hat oder Mods nutzt, plant mehr ein.

Bei der Generation entscheidet das Mainboard: DDR4 und DDR5 sind nicht untereinander austauschbar, die Plattform legt fest, welcher Typ passt. Laut Micron bietet DDR5 bis zu doppelte effektive Bandbreite gegenüber DDR4 und arbeitet mit 1,1 statt 1,2 Volt Versorgungsspannung. Micron gibt für DDR4 Datenraten bis 3.200 MT/s an, für DDR5 ab 4.800 MT/s. Wer neu kauft und lange aufrüsten will, landet heute in der Regel bei einer DDR5-Plattform.

Mehr zur Frage nach der richtigen Größe lesen Sie in unserem Ratgeber Wie viel RAM braucht ein Laptop?; die Grundlogik gilt für Desktop-PCs genauso.

Welche SSD und wie viel Speicher?

Intel empfiehlt mindestens 500 GB Speicher und rät zur SSD, weil sie Ladezeiten und Systemreaktion gegenüber einer Festplatte (HDD) deutlich verbessert. Da aktuelle Spiele oft sehr viel Platz belegen, ist 1 TB für viele Spieler die bequemere Wahl. Im Desktop ist zusätzlicher Speicher meist einfach nachrüstbar, ein freier M.2-Steckplatz auf dem Mainboard hält diese Tür offen.

Ob NVMe oder SATA, und worauf es bei der Auswahl ankommt, erklärt unsere Kaufberatung zum SSD-Kauf.

Wie groß muss das Netzteil sein?

Offenes Gehäuse eines Gaming-PCs mit Mainboard, Grafikkarte und Netzteil mit 80-PLUS-Gold-Siegel
Bild: Unsplash / Petr Urbanek

Das Netzteil ist das Bauteil, bei dem am häufigsten falsch gespart wird. Corsair schlägt eine einfache Faustformel vor:

  1. Leistungsaufnahme der Grafikkarte (laut Hersteller-Datenblatt)
  2. plus Leistungsaufnahme des Prozessors (laut Hersteller-Datenblatt)
  3. plus rund 150 W für Mainboard, Lüfter, Arbeitsspeicher, Laufwerke und Peripherie
  4. plus rund 150 W Reserve für spätere Aufrüstungen und damit das Netzteil nicht dauerhaft am Limit läuft

Rechenbeispiel (fiktive Werte): Eine Grafikkarte mit 220 W und ein Prozessor mit 120 W ergeben zusammen 340 W. Plus 150 W für das übrige System und 150 W Reserve kommen Sie auf 640 W, also auf die nächsthöhere gängige Stufe von 650 W.

Warum die Reserve? Laut Corsair arbeiten Netzteile unter Volllast nicht am effizientesten, ein Betrieb am Limit kann zudem die Lebensdauer verkürzen. Mit Puffer bleibt das Netzteil im günstigen Bereich, wird weniger warm und dreht seinen Lüfter seltener hoch. Wer weiß, dass später eine stärkere Grafikkarte kommen soll, plant die Reserve gleich großzügiger ein.

Was bedeuten Bronze, Gold und Titanium?

Das 80-PLUS-Siegel gibt an, welchen Wirkungsgrad ein Netzteil bei verschiedenen Lastzuständen mindestens erreicht. Ein höherer Wirkungsgrad bedeutet weniger Abwärme und geringere Stromkosten. Für Deutschland sind die Werte für 230 V maßgeblich, die etwas höher liegen als die oft zitierten 115-V-Werte aus den USA:

80 PLUS: Mindest-Wirkungsgrad bei 230 V (EU, intern)
Grafik: dasTECHNO · Daten: 80 PLUS / CLEAResult (Stand: Oktober 2026)

Für einen Gaming-PC ist ein Netzteil ab Bronze, besser Gold, eine vernünftige Wahl. Platinum und Titanium sparen im Alltag nur noch wenig zusätzlich, sind aber oft besonders leise. Das Programm kennt inzwischen auch die Stufe Ruby, die sich vor allem an Rechenzentren richtet. Achten Sie beim Kauf darauf, für welche Spannung das Siegel vergeben wurde.

Mainboard, Gehäuse und Kühlung: Wo darf ich sparen?

Diese Bauteile bringen keine zusätzlichen Bilder pro Sekunde, entscheiden aber über Stabilität und Zukunft:

  • Mainboard: Muss zum Sockel des Prozessors und zur RAM-Generation passen. Wichtiger als Luxusausstattung sind ausreichend M.2-Steckplätze, die gewünschten Anschlüsse und ein Aufrüstpfad für spätere Prozessoren derselben Plattform.
  • Gehäuse: Prüfen Sie die maximale Grafikkartenlänge und die Höhe für den CPU-Kühler im Datenblatt. Ein Gehäuse mit gutem Luftstrom hält Bauteile kühler und leiser.
  • Kühlung: Der Kühler muss zur Abwärme des Prozessors passen. Ein solider Luftkühler genügt für viele Systeme; eine Wasserkühlung ist eher eine Frage von Optik und Lautstärke als Pflicht.

Intel weist darauf hin, dass sich manche Desktop-PCs schwerer aufrüsten lassen als andere. Gerade bei Komplett-PCs mit proprietären Gehäusen oder Netzteilen lohnt sich vor dem Kauf ein Blick darauf.

Selbst bauen oder Komplett-PC kaufen?

Ein selbst zusammengestellter Rechner erlaubt volle Kontrolle über jede Komponente und gezielte Upgrades. Dafür müssen Sie Kompatibilität selbst prüfen und tragen bei Montagefehlern das Risiko. Ein Mittelweg ist ein Händler, der eine selbst gewählte Konfiguration gegen Aufpreis montiert. Bei Komplett-PCs gilt: Schauen Sie nicht nur auf Grafikkarte und Prozessor, sondern auch auf Netzteil-Hersteller, RAM-Größe und SSD-Kapazität. Hier wird oft unauffällig gespart.

Sie überlegen, ob es statt eines Desktop-PCs ein Notebook sein soll? Worauf es dabei ankommt, steht in unserer Kaufberatung Laptop kaufen: Worauf achten?.

Häufige Fragen

Wie viel vom Budget sollte in die Grafikkarte fließen?

Eine verbindliche Prozentzahl gibt es nicht, und die Hersteller nennen keine. In der Praxis ist die Grafikkarte bei einem Gaming-PC meist der größte Einzelposten. Entscheidend ist, dass Prozessor und übriges System sie in Ihrer Zielauflösung auslasten können.

Woran erkenne ich, ob CPU und GPU zusammenpassen?

Ein grober Anhaltspunkt ist die Leistungsklasse: Mittelklasse-GPU zu Mittelklasse-CPU, Oberklasse zu Oberklasse. Starke Ausreißer in eine Richtung, etwa eine Spitzen-Grafikkarte mit einem schwachen Prozessor, führen laut Intel zu einem Flaschenhals.

Reichen 16 GB RAM zum Spielen?

Ja, Intel bezeichnet 16 GB oder mehr als ideal. Wer streamt, viele Programme parallel nutzt oder speicherhungrige Mods einsetzt, sollte mehr einplanen.

Wie berechne ich die Netzteil-Leistung?

Nach Corsairs Faustformel: Leistungsaufnahme von Grafikkarte und Prozessor addieren, rund 150 W für das restliche System und rund 150 W Reserve hinzurechnen, dann auf die nächste gängige Stufe aufrunden.

Lohnt sich ein 80-PLUS-Titanium-Netzteil?

Für die meisten Gaming-PCs nicht zwingend. Bei 230 V liegt Gold bei mindestens 92 Prozent Wirkungsgrad unter halber Last, Titanium bei 95 Prozent. Der Unterschied ist messbar, aber im Alltag klein; Bronze oder Gold sind ein guter Kompromiss.

Fazit

Ein guter Gaming-PC entsteht nicht aus dem teuersten Einzelteil, sondern aus einem ausgewogenen System. Legen Sie zuerst Auflösung und Bildrate fest, wählen Sie danach die Grafikkarte, dann einen passenden Prozessor. Sparen Sie nicht an Netzteil, Arbeitsspeicher und SSD: 16 GB RAM, mindestens 500 GB SSD-Speicher und ein Netzteil mit ausreichender Reserve und 80-PLUS-Siegel sind die solide Basis. Was danach noch übrig ist, darf in Optik und Komfort fließen.