Wer Signal nutzen wollte, musste bisher zwingend eine Mobilfunknummer angeben. Das ändert sich: Unter Android lässt sich ein Konto jetzt auch ohne Telefonnummer anlegen – gegen eine kleine Einmalzahlung. Gleichzeitig hat Signal sein Backup-System umgebaut. Seit der iOS-Version 8.30 vom 28. September lassen sich Chats auf allen Plattformen verschlüsselt lokal sichern, was vor allem den Umzug zwischen iPhone und Android-Smartphone vereinfacht.
Wie funktioniert ein Signal-Konto ohne Nummer?
Signal nennt die neue Option intern „Signal Login“. Bei der Einrichtung wählen Sie statt der SMS-Bestätigung die nummernlose Registrierung und bezahlen einmalig einen kleinen Betrag. Danach erzeugt die App zwei Schlüssel, die künftig Ihre Identität gegenüber Signal belegen:
| Merkmal | Klassisches Konto | Konto ohne Nummer |
|---|---|---|
| Identität | Telefonnummer | Konto-ID (32 Zeichen) + Wiederherstellungsschlüssel (64 Zeichen) |
| Kosten | kostenlos | einmalig 2,99 US-Dollar, je nach Land abweichend |
| Plattform | Android, iOS, Desktop | zunächst nur Android |
| Zahlung | – | über Google Play |
| Wiederherstellung | per SMS an die Nummer | nur mit den Schlüsseln, kein Rückfallweg |
| Erreichbarkeit | über Nummer oder Nutzernamen | nur über optionalen Nutzernamen |
Der wichtigste Punkt steht in der letzten Zeile der Tabelle: Einen Rückweg über SMS gibt es nicht. Verlieren Sie Konto-ID und Wiederherstellungsschlüssel, kann auch Signal das Konto nicht retten. Android-Entwickler Greyson Parrelli formulierte es gegenüber Nutzern unmissverständlich: „If you lose them, your account is gone.“ Beide Werte gehören deshalb in einen Passwort-Manager oder an einen sicheren Ort auf Papier. Zusätzlich lassen sich eine Zwei-Faktor-Absicherung per Authenticator-App (TOTP) und Passkeys hinterlegen, auch Hardware-Schlüssel werden unterstützt. Wie Sie solche Verfahren grundsätzlich einrichten, erklärt unser Ratgeber zur Zwei-Faktor-Authentifizierung.
Ein Nutzername ist freiwillig. Legen Sie keinen an, sind Sie für andere schlicht nicht auffindbar – Sie können dann nur an Unterhaltungen teilnehmen, die Sie selbst beginnen.
Warum kostet das Geld?
Die Gebühr ist keine Einnahmequelle, sondern eine Hürde für Spammer: Wer massenhaft Wegwerfkonten anlegen will, müsste für jedes einzelne zahlen. Laut Signal wird der Kauf über dasselbe Zero-Knowledge-Verfahren abgewickelt, das der Dienst bereits für Spenden nutzt. Die Zahlung soll sich dadurch nicht direkt mit dem neuen Konto verknüpfen lassen.
Der Haken: Bezahlt wird über Google Play. Wer ein Android ohne Google-Dienste verwendet, etwa GrapheneOS ohne Play Store, kann die Funktion derzeit nicht nutzen – ausgerechnet die datenschutzbewusste Zielgruppe, die sich die nummernlose Anmeldung am längsten gewünscht hat. Für iOS gibt es noch keinen Termin.

Was ist neu bei den Backups?
Parallel hat Signal in einem Blogbeitrag vom 28. September Bilanz nach einem Jahr Backup-Umbau gezogen. Mit der iOS-Version 8.30 sind die Neuerungen nun auf allen Plattformen angekommen:
- Lokale Backups überall: Chats lassen sich Ende-zu-Ende-verschlüsselt auf dem Gerät sichern – neu auch auf dem iPhone und am Desktop (Windows, macOS, Linux). Unter Android wurde die bestehende Funktion überarbeitet. Auch externe Laufwerke oder ein NAS lassen sich als Speicherort wählen.
- Ein Format für alle Systeme: Ein Backup vom Android-Gerät lässt sich auf einem iPhone wiederherstellen und umgekehrt. Die Dateien können per direkter WLAN-Verbindung übertragen werden.
- Signal Secure Backups: Die optionale Online-Sicherung ist kostenlos für alle Textnachrichten und die Medien der letzten 45 Tage. Im Bezahltarif (laut heise rund 2 US-Dollar im Monat) passen bis zu 100 GB Anhänge hinein.
- Speicher sparen: Zahlende Nutzer können ältere Fotos und Videos vom Smartphone auslagern; eine Vorschau bleibt im Chat sichtbar.
- Nachladen am Desktop: Verknüpfte Computer können ältere Medien nachladen, die bisher nur auf dem Handy lagen.
Nachrichten, die innerhalb von 24 Stunden verschwinden sollen, landen bewusst nicht im Backup.
Was bedeutet das für Nutzer in Deutschland?
Der Wechsel zwischen iPhone und Android war bei Signal lange ein Ärgernis: Der Chatverlauf ließ sich zwischen den Systemen nicht ohne Weiteres mitnehmen. Mit dem einheitlichen Backup-Format fällt diese Hürde. Wer ohnehin plant, das Smartphone zu tauschen, findet allgemeine Tipps in unserem Ratgeber Daten von iPhone auf Android übertragen – bei WhatsApp funktioniert der Umzug übrigens anders, siehe WhatsApp-Backup aufs neue Handy.
Die nummernlose Registrierung ist vor allem für Menschen interessant, die ihre Mobilfunknummer nicht preisgeben möchten – etwa Journalistinnen und Journalisten, Aktivisten oder alle, die Signal für berufliche und private Kontakte trennen wollen. In Deutschland ist jede SIM-Karte seit 2017 ausweispflichtig registriert; eine Telefonnummer ist hierzulande also eng mit der eigenen Identität verbunden. Ein Konto ohne Nummer entkoppelt Signal von diesem Merkmal. Wer allerdings nur eine unkomplizierte Alternative zu WhatsApp sucht, ist mit dem klassischen, kostenlosen Konto weiterhin gut bedient – die Verschlüsselung der Nachrichten ist bei beiden Varianten identisch.
Einordnung
Signal hat den Abschied von der Telefonnummer schrittweise vorbereitet: 2024 kamen Nutzernamen, mit denen man die eigene Nummer vor Kontakten verbergen kann. Die jetzige Option geht einen Schritt weiter, weil Signal die Nummer gar nicht mehr kennt. Dass ausgerechnet Google Play als Bezahlweg dient, dürfte in der Community für Diskussionen sorgen. Ob Signal weitere Zahlungswege ergänzt, ist nicht bekannt.
Häufige Fragen
Kann ich mein bestehendes Signal-Konto ohne Nummer weiterführen?
Dazu hat Signal bislang keine Umstellung angekündigt. Die nummernlose Variante ist eine neue Registrierungsart.
Gibt es Signal ohne Telefonnummer auch fürs iPhone?
Noch nicht. Die Funktion ist vorerst auf Android beschränkt, einen Termin für iOS nennt Signal nicht.
Was passiert, wenn ich meinen Wiederherstellungsschlüssel verliere?
Wenn Konto-ID und Schlüssel verloren sind, ist das Konto nicht wiederherstellbar.
Sind die neuen lokalen Backups kostenlos?
Ja. Kosten fallen nur für die erweiterte Online-Sicherung mit bis zu 100 GB Medien an.











