Nintendo hat vor einem US-Bundesgericht einen Schadensersatz von 4,5 Millionen US-Dollar gegen einen mutmaßlichen Switch-Raubkopierer durchgesetzt. Das Bezirksgericht für den westlichen Bezirk von Washington in Seattle erließ am Mittwoch (23. September 2026, US-Zeit) ein Versäumnisurteil gegen James C. Williams, der im Netz unter dem Namen "Archbox" auftrat. Williams hatte auf die bereits im Juni 2024 eingereichte Klage nie reagiert. Deshalb gab es weder eine Verhandlung noch eine Jury – das Gericht entschied allein auf Grundlage der Unterlagen von Nintendo.

Was wird Williams vorgeworfen?

Laut der Klageschrift von Nintendo of America soll Williams mehrere sogenannte "Pirate Shops" betrieben haben. Gemeint sind Online-Angebote, über die sich modifizierte Switch-Konsolen mit großen Bibliotheken kopierter Spiele versorgen lassen – Nintendo spricht von hunderten bis tausenden Titeln. Zusätzlich war er Moderator des Subreddits r/SwitchPirates, wo er laut Nintendo auch beim Umgehen des Kopierschutzes half. Seine Moderatorenrolle soll er zudem genutzt haben, um Nintendo-eShop-Guthabenkarten einzufordern.

Wie Nintendo ihn fand, ist fast schon eine Anekdote: Das Unternehmen verknüpfte den Reddit-Namen mit einem ähnlich benannten Nintendo-Account. Über diesen Account hatte Williams Reparaturaufträge für seine Hardware eingereicht – und damit seine Adresse hinterlegt.

Wie kommen die 4,5 Millionen Dollar zustande?

Nintendo hat nicht den tatsächlichen Schaden beziffert, sondern sogenannte Statutory Damages beantragt. Das US-Urheberrecht erlaubt pro verletztem Werk einen pauschalen Betrag, bei vorsätzlicher Verletzung bis zu 150.000 Dollar. Die Klage nennt 30 konkrete Switch-Spiele, darunter "Animal Crossing: New Horizons", "Luigi's Mansion 3" und "Pikmin 4".

PostenWert
GerichtU.S. District Court, W.D. Washington (Seattle)
Aktenzeichen2:24-cv-00960
Klage eingereichtJuni 2024
Säumnis festgestellt8. November 2024
Antrag auf VersäumnisurteilOktober 2025
Genannte Spiele30
Betrag pro Spiel150.000 US-Dollar (Höchstsatz)
Gesamt4,5 Mio. US-Dollar

In den Gerichtsunterlagen macht Nintendo deutlich, dass der wirkliche Schaden aus Sicht des Konzerns weit über dieser Summe liegt. Ob Williams den Betrag jemals zahlen kann, ist offen.

Was muss Williams außerdem tun?

Das Gericht erließ eine dauerhafte Unterlassungsverfügung. Williams muss alle von ihm betriebenen Shops mit kopierten Switch-Spielen sofort abschalten. Außerdem darf er keine Software oder Hardware mehr verbreiten, verkaufen oder bewerben, mit der sich Nintendos Kopierschutz umgehen lässt. Das gilt ausdrücklich auch für Aktivitäten auf Reddit, Instagram, X und TikTok.

Einordnung: Wie hart geht Nintendo vor?

Das Urteil reiht sich in eine lange Serie ein. Nintendo verfolgt Raubkopien, Modchips und Emulatoren konsequent vor US-Gerichten – und erzielt dabei regelmäßig Summen, die weit über das hinausgehen, was die Beklagten realistisch zahlen können.

Nintendo gegen Piraterie: zugesprochene Summen
Grafik: dasTECHNO · Daten: Gerichtsunterlagen US-Bundesgerichte; Stand 24.09.2026
  • Gary Bowser (Team Xecuter): Im Dezember 2021 akzeptierte er einen Vergleich über 10 Millionen Dollar, zusätzlich zu 4,5 Millionen Dollar Rückzahlung aus dem Strafverfahren.
  • Yuzu-Emulator: Die Entwickler von Tropic Haze einigten sich im März 2024 auf 2,4 Millionen Dollar und stellten den Emulator ein.
  • Archbox: Mit 4,5 Millionen Dollar liegt das neue Urteil dazwischen – bemerkenswert für eine Einzelperson, die "nur" Shops und ein Forum betrieben haben soll.

Was bedeutet das für Switch-Nutzer in Deutschland?

Das Urteil betrifft direkt nur Williams und gilt in den USA. Die Botschaft richtet sich aber an alle Betreiber vergleichbarer Angebote: Nintendo verfolgt auch Moderatoren und Shop-Betreiber, nicht nur Hersteller von Hacking-Tools. Auch in Deutschland ist das Umgehen wirksamer Kopierschutzmaßnahmen nach § 95a Urheberrechtsgesetz verboten. Wer Spiele legal nutzen möchte, bleibt beim Nintendo eShop oder bei Spielmodulen aus dem Handel.

Häufige Fragen

Muss Williams ins Gefängnis?

Nein. Es handelt sich um ein Zivilverfahren. Das Gericht hat Schadensersatz und eine Unterlassung angeordnet, keine Haftstrafe.

Warum genau 30 Spiele?

Nintendo hat in der Klage 30 Titel konkret benannt. Nur für diese wurde der Pauschalbetrag von je 150.000 Dollar berechnet, obwohl die Shops laut Nintendo deutlich mehr Spiele anboten.

Ist das Urteil rechtskräftig?

Es ist ein Versäumnisurteil, weil Williams sich nicht verteidigt hat. Ob er noch Rechtsmittel einlegt, ist nicht bekannt.