Auf seiner jährlichen Creator-Veranstaltung Made On YouTube hat YouTube am 23. September 2026 (16:30 Uhr deutscher Zeit) eine Reihe KI-gestützter Neuerungen angekündigt. Im Mittelpunkt stehen Custom Feeds: Sie beschreiben in eigenen Worten, welche Art von Videos Sie sehen möchten, und YouTube legt daraus einen eigenen Tab auf der Startseite an. Dazu kommen Shorts-Serien, neue Analyse- und Vergleichswerkzeuge für Creator sowie Echtzeit-Übersetzungen für Livestreams.
Viele Funktionen tragen allerdings nur das Etikett „bald“ – und einige sind vorerst auf die USA beschränkt.
Custom Feeds: Die Startseite per Texteingabe steuern
Statt sich allein auf den Empfehlungsalgorithmus zu verlassen, tippen Nutzer eine Beschreibung in ein Eingabefeld, etwa „lange Dokumentationen für den Feierabend“. YouTube erstellt daraus einen Feed, der oben auf der Startseite angeheftet wird und sich laufend mit neuen passenden Videos füllt. Mehrere solcher Feeds lassen sich speichern. Laut TechCrunch steckt Googles Sprachmodell Gemini dahinter; auch ausführliche Wünsche, was ein- oder ausgeschlossen werden soll, sind möglich. Der normale Startseiten-Feed bleibt erhalten.
YouTube kündigt die Funktion für Nutzer in den USA auf Web, Mobilgeräten und TV an. Einen Termin für Deutschland oder deutschsprachige Eingaben gibt es noch nicht. Bereits seit Mai 2026 lief in den USA ein Experiment mit einem einzelnen, per Prompt erzeugten Feed.
Weitere Neuerungen für Zuschauer
- Ask YouTube erstellt bei Produktrecherchen nun Vergleichstabellen mit Eigenschaften der Produkte und beantwortet Rückfragen – per Text oder Sprache, also auch auf dem Fernseher.
- Shorts-Serien: Creator können Shorts ab sofort in Staffeln und Folgen ordnen, zugeschnitten auf das boomende Format der Mikrodramen.
- GIFs in Kommentaren unter Videos und Shorts sollen im Herbst folgen.
- Your Podcast Lineup liefert Abonnenten von YouTube Music und Premium eine wöchentliche, KI-erzeugte Hörvorschau empfohlener Podcasts; Ask Music lernt, die Warteschlange anzupassen. Beides ist weltweit „bald“ angekündigt – also grundsätzlich auch für Premium-Kunden in Deutschland, ohne konkretes Datum.

Was sich für Creator ändert
Ask Studio gibt künftig Rückmeldungen zu Videoentwürfen auf Basis der Kanalhistorie und der Kommentare und schlägt alternative Titel und Thumbnails vor. Neu ist ein A/B-Vergleich für bis zu drei Schnittfassungen eines Videos. Bei dynamischen Thumbnails entscheidet YouTube selbst, welches von mehreren hochgeladenen Vorschaubildern welcher Zuschauer sieht. Die Erkennung von KI-Imitationen (Likeness Detection) erfasst neben dem Gesicht künftig auch die Stimme.
Für Livestreams kommen Live Showdowns, bei denen zwei Creator ihre Streams zu einem Wettbewerb zusammenlegen, sowie ein automatisches Echtzeit-Dubbing, das Anfang 2027 als Pilot startet. Welche Sprachen dabei sind, ist offen. Bis Ende 2026 will YouTube sein Affiliate-Programm in insgesamt 35 Ländern anbieten, inklusive Amazon-Anbindung außerhalb der USA; ob Deutschland dazugehört, hat YouTube nicht aufgeschlüsselt.
Einordnung
YouTube folgt mit selbst beschreibbaren Feeds einem Trend, den Bluesky, Threads, Instagram, X und Spotify in unterschiedlicher Form bereits aufgegriffen haben. Für Nutzer in Deutschland dürfte vor allem relevant sein, dass Gemini damit tiefer in den Google-Alltag einzieht – wie sich der Assistent gegen die Konkurrenz schlägt, zeigt unser Vergleich von ChatGPT, Gemini und Claude. Mit Blick auf die DSGVO ist interessant, dass das US-Experiment im Mai ein aktiviertes Wiedergabeprotokoll voraussetzte; wie eine Umsetzung in der EU aussehen würde, hat YouTube noch nicht erklärt.











