Google hat am 24. September ein Update für Chrome angekündigt, das vor allem Nutzerinnen und Nutzern mit mehreren Geräten hilft: Tabs, die vom PC an das Android-Smartphone (oder in die andere Richtung) geschickt werden, öffnen sich künftig genau an der Stelle, an der Sie aufgehört haben. Außerdem kann Gemini in Chrome nun Fragen zu Podcasts, Vorlesungsmitschnitten und Videos beantworten, die nicht auf YouTube liegen. Vorgestellt hat die Neuerungen Charmaine Dsilva, Senior Director Product Management bei Chrome, im offiziellen Google-Blog. Eine dritte Funktion – KI-generierte Quiz – bleibt vorerst den USA und Indien vorbehalten.
Was ändert sich beim Senden von Tabs?
„An Ihre Geräte senden" gibt es in Chrome schon lange. Bisher kam auf dem Zielgerät allerdings nur die Adresse an, die Seite startete also wieder ganz oben. Nach dem Update überträgt Chrome laut Google den vollständigen Zustand des Tabs. Konkret heißt das:
- Scrollposition: Ein langer Artikel, eine Dokumentation oder ein PDF öffnet sich am selben Absatz.
- Formularinhalte: Bereits eingetippte Angaben in einem Formular bleiben erhalten. Das ist praktisch, wenn Sie etwa eine Buchung am Rechner beginnen und für einen Bestätigungscode aufs Smartphone wechseln müssen.
Die Funktion arbeitet laut 9to5Google zwischen Chrome für Desktop und Chrome für Android. Am Computer finden Sie sie im Drei-Punkte-Menü unter „Streamen, speichern und teilen" → „An Ihre Geräte senden"; auf Android läuft sie über das Teilen-Menü. Wer sie häufig nutzt, kann über „Chrome anpassen" auf der Seite „Neuer Tab" eine Schaltfläche in die Symbolleiste legen. Voraussetzung ist, dass beide Geräte mit demselben Google-Konto in Chrome angemeldet sind. Eine konkrete Chrome-Version nennt Google nicht; die Verteilung erfolgt schrittweise. Die genauen Menübezeichnungen können je nach Version leicht abweichen.
Gemini hört jetzt auch Podcasts mit
Bisher konnte Gemini in Chrome vor allem YouTube-Videos zusammenfassen. Jetzt versteht der Assistent in der Seitenleiste nahezu beliebige Audio- und Videodateien, die im Browser laufen: Podcasts, Mitschnitte von Vorlesungen oder Webinaren, Videos auf anderen Plattformen. Sie können sich die wichtigsten Punkte nennen lassen, nach einer bestimmten Stelle suchen oder einen unklaren Abschnitt erklären lassen.
Eine Einschränkung gibt es: Außerhalb von YouTube muss der Inhalt zuerst in Chrome abgespielt werden, bevor Gemini dazu Auskunft geben kann. Eine sofortige Zusammenfassung einer zweistündigen Podcastfolge, die Sie nie geöffnet haben, ist damit also nicht gemeint.

Was davon kommt in Deutschland an?
Das hängt von der Funktion ab. Für das Senden von Tabs mit Leseposition hat Google keine regionalen Einschränkungen genannt; sie kommt mit den regulären Chrome-Updates.
Bei Gemini in Chrome gibt es feste Voraussetzungen: Die deutsche Chrome-Hilfe führt Deutschland in der Liste der Länder für Nutzer ab 18 Jahren. Weitere Voraussetzungen laut Google:
| Voraussetzung | Details |
|---|---|
| Alter | mindestens 18 Jahre (Deutschland steht nicht auf der Liste für Jüngere) |
| Konto | in Chrome mit einem Google-Konto angemeldet |
| Gerät | Windows-PC, Mac oder Chromebook Plus |
| Sprache | Deutsch wird unterstützt |
| Einschränkungen | nicht im Inkognitomodus; bei Arbeits- und Schulkonten entscheidet die Administration |
Die interaktiven Quiz, die Gemini aus Google Docs, YouTube-Videos, Fachartikeln oder dem aktuellen Tab erstellt, starten dagegen nur auf Englisch in den USA und Indien – und nur am Desktop. Weitere Regionen und die mobile Version sollen „in den kommenden Monaten" folgen. Einen Termin für Deutschland oder die EU gibt es nicht.
Datenschutz: Was sollten Sie beachten?
Damit Gemini eine Seite oder ein Video auswerten kann, verarbeitet der Dienst den Inhalt des geöffneten Tabs. Wer Vorlesungsaufzeichnungen, interne Webinare oder vertrauliche Dokumente im Browser öffnet, sollte deshalb vor einer Frage an Gemini prüfen, ob die Inhalte an einen KI-Dienst gehen dürfen – bei Unterlagen von Hochschule oder Arbeitgeber gelten oft eigene Regeln. Firmen- und Schulkonten erhalten die Funktion ohnehin nur, wenn die Administration sie freigibt. Wie bei jedem KI-Assistenten gilt zudem: Zusammenfassungen können Fehler enthalten, wichtige Stellen sollten Sie in der Originalquelle nachprüfen.
Wir haben die neuen Funktionen nicht selbst ausprobiert; die Beschreibung beruht auf Googles Ankündigung und den offiziellen Hilfeseiten.
Hintergrund: Chrome wird zur Gemini-Plattform
Google präsentiert die Neuerungen als Hilfen zum Semesterstart, Tab-Übergabe mit Leseposition dürfte aber für fast alle nützlich sein, die zwischen Rechner und Smartphone wechseln. Strategisch passen sie zu Googles Kurs, Gemini tief in die eigenen Produkte einzubauen: Mit dem Googlebook kommt ein Laptop mit Gemini im Zentrum auch nach Deutschland, und für Unternehmen hat Google gerade Echtzeit-Avatare mit Gemini 3.8 Live vorgestellt. Auch in Google Fotos kamen diese Woche neue KI-Werkzeuge hinzu.
Im selben Blogbeitrag erinnert Google zudem an bereits vorhandene Funktionen: vertikale Tabs, Tabgruppen zum Sortieren nach Projekten, Split View für zwei Tabs nebeneinander, den immersiven Lesemodus mit anpassbarer Schrift und Kontrast sowie die Vorlesefunktion, die auf Android Texte als KI-generiertes Gespräch im Podcast-Stil wiedergeben kann.
Häufige Fragen
Wie sende ich einen Tab mit Leseposition an mein Smartphone?
Am Computer: Drei-Punkte-Menü → „Streamen, speichern und teilen" → „An Ihre Geräte senden". Auf Android nutzen Sie das Teilen-Menü von Chrome. Beide Geräte müssen mit demselben Google-Konto angemeldet sein.
Funktioniert das auch mit dem iPhone?
Google und die bisherigen Berichte nennen nur Desktop und Android. Zu Chrome für iOS gibt es keine Angabe.
Kostet Gemini in Chrome etwas?
Für die beschriebenen Funktionen nennt Google kein Pflicht-Abo. In Deutschland ist der Assistent am Desktop für angemeldete Nutzer ab 18 Jahren verfügbar.
Kann Gemini einen Podcast zusammenfassen, ohne dass ich ihn abspiele?
Nein. Bei Inhalten außerhalb von YouTube muss die Datei zuerst in Chrome laufen; erst dann beantwortet Gemini Fragen dazu.
Titelbild: Google










