Amazon stellt in Deutschland die Zahlungsart Monatsabrechnung ein und ersetzt sie durch den klassischen Kauf auf Rechnung. Seit dem 24. September 2026 verschickt der Onlinehändler nach und nach E-Mails an betroffene Kundinnen und Kunden. Wer bisher alle Einkäufe eines Monats gesammelt überwiesen hat, bekommt künftig für jede Bestellung eine eigene Rechnung.

Die Umstellung klingt nach einem Detail im Kundenkonto, betrifft aber den Alltag vieler Haushalte: Die Rechnung ist in Deutschland traditionell eine der beliebtesten Zahlungsarten im Onlinehandel, und die Monatsabrechnung war ihre bequemste Form bei Amazon. Wir erklären, was sich genau ändert, was noch offen ist und was Sie jetzt tun können.

Wie funktioniert die Monatsabrechnung bisher?

Bei der Monatsabrechnung sammelt Amazon alle Käufe eines Kalendermonats auf einer einzigen Rechnung. Laut der Hilfeseite von Amazon Pay wird diese Sammelrechnung am 1. des Folgemonats ausgestellt und muss innerhalb von 14 Tagen per Banküberweisung bezahlt werden. Nutzbar war das Verfahren für Privatkunden mit Rechnungsadresse in Deutschland, Österreich oder Finnland, und zwar nicht nur auf Amazon.de, sondern auch bei ausgewählten Händlern, die Amazon Pay anbieten. Bonitätsprüfung, Rechnungsstellung und Inkasso übernimmt dabei Amazon Pay selbst.

Der praktische Vorteil lag auf der Hand: Egal, ob Sie im Monat zwei oder zwanzig Bestellungen aufgegeben haben, am Ende stand eine Überweisung. Wer früh im Monat bestellte, hatte zudem je nach Kaufdatum bis zu rund sechs Wochen Zeit bis zur Zahlung.

Was ändert sich mit dem Kauf auf Rechnung?

Das neue Verfahren rechnet jede Bestellung einzeln ab. Übereinstimmend berichten Caschys Blog und andere Fachseiten, dass das Zahlungsziel dann 14 Tage ab Erhalt der jeweiligen Rechnung beträgt. Die Sammelfunktion entfällt damit vollständig.

Amazon: Monatsabrechnung vs. Kauf auf Rechnung
Grafik: dasTECHNO · Daten: Amazon Pay Hilfe, Kundeninformation laut Caschys Blog · Stand 25.09.2026

Das gilt auch für laufende Abonnements. Wer Prime, Prime Video oder andere Amazon-Abos bisher über die Monatsabrechnung bezahlt hat, erhält dafür künftig jeweils eine separate Rechnung. Aus einer Überweisung pro Monat können so schnell fünf, zehn oder mehr werden.

SituationBisherKünftig
8 Bestellungen im Monat1 Sammelrechnung8 Einzelrechnungen
Prime-Mitgliedschaft (monatlich)Teil der Sammelrechnungeigene Rechnung
Teillieferungen einer BestellungTeil der SammelrechnungAbrechnung pro Bestellung
Zahlungsfrist14 Tage ab 1. des Folgemonats14 Tage ab Rechnungserhalt

Die Tabelle zeigt ein Rechenbeispiel auf Basis der bisher bekannten Regeln. Wie Amazon Teillieferungen im neuen Verfahren im Detail behandelt, ist öffentlich noch nicht dokumentiert.

Was ist noch nicht bekannt?

Einige wichtige Punkte hat Amazon bislang nicht öffentlich erklärt. Ein fester Stichtag, ab dem die Monatsabrechnung für alle Konten verschwindet, ist nicht genannt; Berichte sprechen von einer Umstellung „in den kommenden Wochen“ beziehungsweise bis Ende 2026. Der Händlerbund und Netzwelt hatten zudem schon Anfang September berichtet, dass zwischen dem Aus der Monatsabrechnung und dem Start des neuen Rechnungskaufs eine kurze Pause entstehen könnte. Wie lang diese ausfällt, ist offen.

Unklar ist auch, ob Österreich und Finnland, wo die Monatsabrechnung ebenfalls angeboten wurde, in gleicher Weise betroffen sind. Die aktuellen Berichte beziehen sich auf Kundinnen und Kunden in Deutschland. Die Amazon-Pay-Hilfeseite zur Monatsabrechnung zeigte bei unserer Recherche am 25. September noch keinen Hinweis auf die Einstellung.

Ebenfalls offen ist, ob sich die Umstellung auf Einkäufe bei externen Shops mit Amazon Pay auswirkt, die die Monatsabrechnung bisher akzeptiert haben. Händler auf dem Amazon-Marktplatz müssen laut Händlerbund dagegen nicht mit Änderungen bei ihren Auszahlungen rechnen.

Was bedeutet das für Sie?

Für Gelegenheitskäufer ändert sich wenig: Wer einmal im Monat bestellt, bekommt weiterhin eine Rechnung und überweist sie wie gewohnt. Deutlich mehr Aufwand haben Vielbestellerinnen und Haushalte, in denen mehrere Personen über ein Konto einkaufen. Jede Rechnung braucht eine eigene Überweisung mit korrektem Verwendungszweck, und jede hat eine eigene Frist. Wer den Überblick verliert, riskiert Mahnungen.

Drei Dinge können Sie jetzt tun:

  1. E-Mail prüfen: Achten Sie auf die Benachrichtigung von Amazon und prüfen Sie im Kundenkonto unter den Zahlungsarten, ob die Monatsabrechnung als Standard hinterlegt ist. Rufen Sie das Konto dafür direkt über die Amazon-App oder amazon.de auf, nicht über Links in E-Mails. Betrüger nutzen solche Umstellungen gern für Phishing-Mails.
  2. Abos umstellen: Für wiederkehrende Zahlungen wie Prime ist eine Lastschrift oder Karte meist weniger fehleranfällig als viele kleine Einzelrechnungen.
  3. Offene Posten im Blick behalten: Wenn Sie beim Kauf auf Rechnung bleiben, lohnt sich eine Erinnerung im Kalender oder in der Banking-App, damit keine der 14-Tage-Fristen verstreicht.

Die übrigen Zahlungsarten wie Kredit- und Debitkarte, Lastschrift und Guthaben bleiben nach bisherigen Informationen unverändert.

Warum stellt Amazon um?

Eine offizielle Begründung hat Amazon öffentlich nicht gegeben. Auffällig ist, dass der Konzern seine Zahlungsarten in Deutschland seit einiger Zeit umbaut: Laut Netzwelt wurde im Februar 2025 die Option „Erst testen, dann zahlen“ für Prime-Mitglieder eingestellt, im August 2026 kam die Ratenzahlung über PayPal hinzu. Eine Sammelrechnung bindet beim Anbieter über Wochen offene Forderungen, Einzelrechnungen mit festem Zahlungsziel sind für den Händler einfacher zu steuern. Ob diese Überlegung den Ausschlag gegeben hat, bleibt Spekulation.

Wenn Sie wissen möchten, wie Sie sich beim Onlineshopping gegen Datenklau schützen, lesen Sie auch unseren Bericht über KI-Agenten, die Kreditkartendaten aus Webshops abgreifen. Falls Ihr Amazon-Konto doch einmal in falsche Hände gerät, hilft unsere Anleitung Konto gehackt – was tun?.

Häufige Fragen

Kann ich bei Amazon weiter auf Rechnung zahlen?

Ja. Nach den bisherigen Informationen bleibt der Kauf auf Rechnung möglich, allerdings mit einer Rechnung pro Bestellung statt einer Sammelrechnung pro Monat.

Wie lange habe ich künftig Zeit zum Bezahlen?

Das Zahlungsziel beträgt laut Berichten 14 Tage ab Erhalt der jeweiligen Rechnung.

Muss ich selbst etwas umstellen?

Amazon informiert betroffene Konten per E-Mail. Sie müssen nicht sofort handeln, sollten aber prüfen, ob Sie wiederkehrende Zahlungen wie Prime auf Lastschrift oder Karte umstellen möchten.

Ab wann gilt die Änderung?

Amazon verschickt die Hinweise seit dem 24. September 2026 schrittweise. Einen einheitlichen Stichtag für alle Konten hat das Unternehmen öffentlich nicht genannt.