Amazon steigt in Deutschland selbst in die Lieferung frischer Lebensmittel ein. Seit Freitag, 30. Oktober, können Kundinnen und Kunden in Teilen von Frankfurt, Köln und München Obst, Gemüse, Fleisch, Fisch, Milchprodukte und Tiefkühlware über Amazon.de bestellen und noch am selben Tag erhalten. Anders als bei früheren Angeboten kommt die Ware nicht von einem Partnerhändler, sondern direkt von Amazon.
Was die Lieferung kostet, für wen sich Prime dabei lohnt und wie das Angebot zur Konkurrenz von Rewe, Picnic und Knuspr passt: der Überblick.
Was bietet Amazon genau an?
Das Sortiment umfasst laut Amazon frisches Obst und Gemüse, Fleisch und Geflügel, Fisch, Milchprodukte, Eier, Brot und Backwaren sowie Tiefkühlprodukte. Der eigentliche Kniff liegt im Bestellweg: Die Lebensmittel landen im gleichen Warenkorb wie Elektronik, Drogerieartikel oder Haushaltswaren. Eine zusätzliche App, ein separates Kundenkonto oder eine Anmeldung sind nicht nötig. Wer in einem der Liefergebiete wohnt, sieht die Frischeprodukte direkt in der Amazon-Shopping-App und auf der Website.
Amazon-Deutschlandchef Rocco Bräuniger fasst das Konzept so zusammen: „Keine Extra-App, kein Extra-Aufwand, geliefert am selben Tag.“
Für temperaturempfindliche Waren verspricht das Unternehmen eine durchgehend gekühlte Lagerung, Kommissionierung und Verpackung. Mitarbeitende sollen die Qualität an mehreren Stationen prüfen, geliefert wird in isolierten, recycelbaren Verpackungen.
Was kostet die Lieferung?
Kundinnen und Kunden wählen zwischen einem 4-Stunden-Lieferfenster und einem schnelleren 2-Stunden-Fenster. Die Gebühren hängen von Prime-Mitgliedschaft und Bestellwert ab:
| Kundengruppe | 4-Stunden-Fenster | 2-Stunden-Fenster |
|---|---|---|
| Prime, Bestellwert ab 29 € | kostenlos | 2,90 € |
| Prime, Bestellwert unter 29 € | 3,99 € | 4,90 € |
| Ohne Prime (unabhängig vom Bestellwert) | 9,99 € | 10,99 € |

Ein Mindestbestellwert wird nicht genannt. Die Schwelle von 29 Euro entscheidet aber für Prime-Mitglieder darüber, ob die Standardlieferung gratis ist.
Lohnt sich Prime für den Lebensmitteleinkauf?
Eine einfache Rechnung zeigt, wie stark Amazon das Angebot an Prime koppelt. Prime kostet für Neukunden 89,90 Euro im Jahr. Wer ohne Mitgliedschaft bestellt, zahlt im 4-Stunden-Fenster 9,99 Euro pro Lieferung. Schon nach neun Lebensmittelbestellungen im Jahr wären die Liefergebühren ohne Prime also so hoch wie der Jahresbeitrag. Wer ohnehin regelmäßig auf Amazon einkauft und Prime Video nutzt, bekommt die Frischelieferung praktisch obendrauf.
Ohne Prime ist das Angebot dagegen teuer: Fast zehn Euro pro Lieferung liegen deutlich über dem, was spezialisierte Lieferdienste üblicherweise verlangen. Für Prime-Altkunden mit Vertrag vor dem 15. September 2022 gilt nach dem BGH-Urteil zur Prime-Preiserhöhung vorerst wieder der alte Jahresbeitrag von 69 Euro, für sie rechnet sich die Mitgliedschaft entsprechend schneller.
Wo ist der Dienst verfügbar?
Zum Start beschränkt sich das Angebot auf einzelne Stadtgebiete von Frankfurt am Main, Köln und München. Ob die eigene Adresse dazugehört, zeigt Amazon nach Eingabe der Lieferadresse an. Laut Amazon ist „in den kommenden Wochen“ die Ausweitung auf weitere Metropolregionen geplant. Welche Städte das sein werden und wann genau es so weit ist, hat das Unternehmen nicht gesagt. Auch zu Lieferzeiten an Sonn- und Feiertagen macht die Ankündigung keine Angaben.
Hintergrund: Amazons wechselhafter Weg im Lebensmittelhandel
Ganz neu ist Amazons Interesse an frischen Lebensmitteln in Deutschland nicht. Der frühere Dienst Amazon Fresh war in Berlin, Hamburg und München aktiv, kam aber laut Supermarktblog nie über die Startphase hinaus und wurde im November 2024 eingestellt. Danach setzte Amazon auf Partner: Der Regionalhändler Tegut war über Amazon.de erreichbar, bis diese Kooperation im Juli 2026 endete. Zudem ist der Lieferdienst Knuspr als Partner auf der Plattform vertreten.
Mit dem neuen Angebot übernimmt Amazon die Lieferung wieder selbst und nutzt dafür die eigene Logistik. Bis 2027 will der Konzern hierzulande über 16 Milliarden Euro ausgeben, ein Teil davon fließt in Lager und Zustellung. Der Markt ist allerdings umkämpft: Rewe liefert seit Jahren selbst, Picnic und Knuspr bauen ihre Liefergebiete aus, und Schnelllieferdienste wie Flink bringen kleinere Einkäufe in Minuten. Amazons Trumpf ist weniger der Preis als die Bequemlichkeit, alles in einer Bestellung zu bündeln.
Häufige Fragen
In welchen Städten liefert Amazon frische Lebensmittel?
Vorerst nur in Teilen von Frankfurt, Köln und München, abhängig von der Postleitzahl. Weitere Metropolregionen sollen in den kommenden Wochen folgen.
Brauche ich für die Lebensmittellieferung eine eigene App?
Nein. Bestellt wird über die normale Amazon-Shopping-App oder Amazon.de, die Lebensmittel lassen sich mit anderen Produkten in einer Bestellung kombinieren.
Ist die Lieferung für Prime-Mitglieder kostenlos?
Nur im 4-Stunden-Fenster und ab 29 Euro Bestellwert. Darunter kostet sie 3,99 Euro, das 2-Stunden-Fenster 2,90 bzw. 4,90 Euro.
Können auch Kunden ohne Prime bestellen?
Ja, sie zahlen 9,99 Euro (4 Stunden) oder 10,99 Euro (2 Stunden) pro Lieferung, unabhängig vom Bestellwert.











