Wer einem KI-Chatbot eine Frage stellt, gibt fast immer mehr preis als gedacht: den Text der Frage, oft ein Foto oder Dokument, dazu Gerätedaten und den ungefähren Standort. ChatGPT, Gemini und Claude gehen mit diesen Daten unterschiedlich um – vor allem bei der Frage, ob Ihre Unterhaltungen zum Training künftiger KI-Modelle verwendet werden und wie lange sie gespeichert bleiben. Dieser Ratgeber zeigt den Stand September 2026 auf Basis der offiziellen Datenschutzhinweise der drei Anbieter.
Aktueller Anlass: OpenAI hat eingeräumt, dass eigene Forschungsagenten 53 Nutzerbilder aus Trainingsdaten ins Netz geladen haben. Der Fall zeigt, dass Daten, die einmal im Trainingsbestand landen, schwer wieder einzufangen sind.
Welche Daten speichern KI-Chatbots überhaupt?
Grob lassen sich vier Arten unterscheiden:
- Inhalte: Ihre Eingaben (Prompts), die Antworten, hochgeladene Bilder, PDFs und Sprachaufnahmen.
- Kontodaten: Name, E-Mail-Adresse, bei Bezahltarifen auch Zahlungsdaten.
- Technische Daten: IP-Adresse, Gerät, Browser, Zeitstempel, Nutzungsstatistiken.
- Kontext aus anderen Diensten: Sobald Sie Erweiterungen verbinden – etwa Gmail, Kalender oder Cloud-Speicher –, kann der Chatbot auch auf diese Inhalte zugreifen.
Google listet für die Gemini-Apps besonders viele Kategorien auf, darunter Standortdaten (ungefähr und genau), Geräteinformationen, Audioaufnahmen sowie bei entsprechender Freigabe Kontakte, Anruf- und Nachrichtenprotokolle. Das liegt an der engen Verzahnung mit Android und den Google-Diensten.
Wichtiger als die Frage, was gespeichert wird, ist für die meisten Nutzer aber: Wird mein Chat zum Trainingsmaterial? Denn was in ein Modell einfließt, lässt sich nachträglich nicht mehr herausrechnen.

ChatGPT: Was speichert OpenAI?
Ihre Unterhaltungen bleiben im Chatverlauf, bis Sie sie selbst löschen. Standardmäßig nutzt OpenAI Chats von Privatkonten (Free, Go, Plus, Pro) auch zur Verbesserung seiner Modelle.
So schalten Sie das Training ab: Einstellungen › Datenkontrollen › „Das Modell für alle verbessern“ deaktivieren. Neue Chats bleiben danach im Verlauf sichtbar, werden aber nicht mehr fürs Training verwendet. Der Schalter wirkt nur für die Zukunft – was vorher eingeflossen ist, bleibt drin. Sie sollten ihn also umlegen, bevor Sie etwas Sensibles eingeben.
Löschen: Gelöschte Chats verschwinden sofort aus der Ansicht und werden in der Regel innerhalb von 30 Tagen von den Servern entfernt – sofern keine rechtliche Pflicht zur Aufbewahrung besteht. Ein Beispiel dafür: Eine US-Gerichtsanordnung im Urheberrechtsstreit mit der New York Times zwang OpenAI ab Mai 2025, Chats aufzubewahren; laut Berichten wurde sie Ende September 2025 aufgehoben, Daten aus dem Zeitraum bleiben aber für das Verfahren gesichert.
Erinnerungen: Die Memory-Funktion speichert Fakten über Sie getrennt vom Chatverlauf. Wer einen Chat löscht, löscht damit nicht automatisch die daraus abgeleiteten Erinnerungen – diese verwalten Sie separat in den Einstellungen unter „Personalisierung“.
Privater Modus: Ein Temporärer Chat taucht nicht im Verlauf auf, erzeugt keine Erinnerungen und wird nicht fürs Training genutzt. OpenAI hält ihn aus Sicherheitsgründen noch bis zu 30 Tage vor und löscht ihn dann.
Gemini: Was speichert Google?
Bei Gemini hängt fast alles an der Einstellung „Aktivitäten speichern“ (zu finden unter Gemini-Apps-Aktivitäten). Sie ist standardmäßig eingeschaltet. Solange sie aktiv ist,
- bleiben Ihre Chats im Konto gespeichert und werden nach 18 Monaten automatisch gelöscht – wählbar sind auch 3 oder 36 Monate oder gar keine automatische Löschung,
- verwendet Google die Unterhaltungen zur Verbesserung seiner KI-Modelle,
- liest ein Teil der Chats speziell geschulte Prüfer. Diese Kopien werden vom Google-Konto getrennt und bis zu drei Jahre aufbewahrt – auch wenn Sie den Chat in Ihrem Konto löschen.
Google rät deshalb ausdrücklich, keine vertraulichen Informationen einzugeben, die Prüfer nicht sehen sollen.
Schalten Sie „Aktivitäten speichern“ aus, speichert Google neue Chats trotzdem noch bis zu 72 Stunden – damit Gemini antworten, Feedback verarbeiten und Missbrauch erkennen kann. Fürs Training werden sie dann nicht genutzt, außer Sie geben aktiv Feedback (Daumen hoch/runter), denn damit wird die Unterhaltung zur Prüfung freigegeben. Denselben 72-Stunden-Rahmen hat der Temporäre Chat, den Sie für einzelne Unterhaltungen starten können, ohne die Einstellung generell abzuschalten.
Export: Ihre Gemini-Daten laden Sie über Google Takeout (takeout.google.com) herunter.
Claude: Was speichert Anthropic?
Anthropic lässt Sie seit der Änderung der Verbraucherbedingungen im Herbst 2025 selbst entscheiden: Die Einstellung „Modellverbesserung“ in den Datenschutz-Einstellungen von Claude legt fest, ob Ihre Chats fürs Training genutzt werden. Neue Nutzer wählen das bei der Registrierung, später können Sie es jederzeit ändern.
- Modellverbesserung an: Neue oder fortgesetzte Chats dürfen bis zu fünf Jahre in de-identifizierter Form gespeichert und fürs Training genutzt werden.
- Modellverbesserung aus: Es gilt die bisherige Frist von 30 Tagen, Ihre Chats fließen nicht in künftige Modelle. Was bereits trainiert wurde, bleibt allerdings im Modell.
- Gelöschte Chats verschwinden sofort aus dem Verlauf und werden laut Anthropic binnen 30 Tagen aus den Backend-Systemen entfernt. Gelöschte Unterhaltungen werden auch nicht für künftiges Training verwendet.
- Inkognito-Chats werden nie zur Modellverbesserung genutzt – auch dann nicht, wenn die Einstellung eingeschaltet ist.
Zwei Ausnahmen sollten Sie kennen: Wenn Sie einen Chat bewerten (Daumen hoch/runter), speichert Anthropic die gesamte Unterhaltung vom Konto getrennt bis zu fünf Jahre. Und markieren die automatischen Sicherheitssysteme einen Chat als Verstoß gegen die Nutzungsrichtlinien, bleiben Ein- und Ausgaben bis zu zwei Jahre, die Bewertungen der Sicherheitsfilter bis zu sieben Jahre gespeichert. Für Geschäftskunden (Claude for Work, API) gelten eigene Regeln.
Einen allgemeinen Vergleich der drei Assistenten mit Preisen und Funktionen finden Sie in unserem Beitrag ChatGPT vs. Gemini vs. Claude.
Welche Rechte haben Sie nach der DSGVO?
Alle drei Anbieter verarbeiten die Daten europäischer Nutzer über eine irische Tochtergesellschaft: OpenAI Ireland, Google Ireland und Anthropic Ireland. Federführende Aufsicht ist damit in der Regel die irische Datenschutzbehörde (DPC). Sie können sich aber immer auch an die Datenschutzbehörde Ihres Bundeslandes wenden; sie leitet Beschwerden weiter.
Diese Rechte können Sie gegenüber allen drei Anbietern geltend machen:
| Recht | DSGVO | Was es für Sie bedeutet |
|---|---|---|
| Auskunft | Art. 15 | Welche Daten über Sie gespeichert sind und wofür |
| Löschung | Art. 17 | Konto und Chats vollständig löschen lassen |
| Datenübertragbarkeit | Art. 20 | Ihre Daten in einem gängigen Format erhalten (Export-Funktion) |
| Widerspruch | Art. 21 | Der Nutzung für Training widersprechen, soweit sie auf „berechtigtem Interesse“ beruht |
| Beschwerde | Art. 77 | Bei einer Aufsichtsbehörde Beschwerde einlegen |
Den schnellsten Weg bieten meist die Einstellungen selbst (Export- und Löschfunktionen). Für formelle Anfragen nennt Anthropic die Adresse privacy@anthropic.com und eine Antwortfrist von in der Regel einem Monat, die sich bei komplexen Fällen um zwei Monate verlängern kann. OpenAI führt für Datenschutzfragen den Datenschutzbeauftragten unter dpo@openai.com. Google bietet entsprechende Formulare in seiner Datenschutz-Hilfe an.
Was sollten Sie einem Chatbot nicht anvertrauen?
Auch mit abgeschaltetem Training landen Ihre Eingaben zunächst auf den Servern des Anbieters. Einige Grundregeln:
- Keine Passwörter, PINs oder TANs – kein seriöser Dienst braucht sie im Chat.
- Keine vollständigen Gesundheitsdaten, Ausweis- oder Kontonummern. Wenn Sie etwa einen Arztbrief verstehen möchten, schwärzen Sie Namen und Geburtsdatum vorher.
- Keine Daten Dritter, etwa Kundenlisten oder E-Mails von Kollegen. Im Beruf gilt: Nur freigegebene Business-Tarife nutzen und im Zweifel die oder den Datenschutzbeauftragten fragen.
- Private Modi gezielt nutzen: Für einzelne heikle Fragen ist ein Temporärer oder Inkognito-Chat die einfachste Lösung.
Wie viele Menschen solche Themen trotzdem mit Chatbots besprechen, zeigt eine aktuelle Proton-Umfrage zu intimen KI-Gesprächen. Weitere Schalter, die Sie am Handy kennen sollten, finden Sie in unserem Ratgeber zu den wichtigsten Datenschutz-Einstellungen am Smartphone.
Checkliste: In fünf Minuten datensparsamer
- ChatGPT: Einstellungen › Datenkontrollen › „Das Modell für alle verbessern“ ausschalten; unter Personalisierung gespeicherte Erinnerungen prüfen.
- Gemini: Gemini-Apps-Aktivitäten öffnen, „Aktivitäten speichern“ ausschalten oder die automatische Löschung auf 3 Monate stellen.
- Claude: In den Datenschutz-Einstellungen die Modellverbesserung prüfen und bei Bedarf ausschalten.
- Alte Chats löschen, die persönliche Informationen enthalten.
- Verbundene Apps (E-Mail, Kalender, Cloud) nur freigeben, wenn Sie sie wirklich brauchen.
Die Bezeichnungen der Menüs können je nach App-Version und Sprache leicht abweichen.
Häufige Fragen
Liest ein Mensch meine Chats mit?
Bei Gemini ja, stichprobenartig, solange „Aktivitäten speichern“ aktiv ist – Google weist ausdrücklich darauf hin. Auch bei den anderen Anbietern können Chats etwa bei Sicherheitsprüfungen oder Feedback von Mitarbeitern eingesehen werden.
Werden meine Chats gelöscht, wenn ich das Training abschalte?
Nein. Der Schalter betrifft nur die künftige Nutzung fürs Training. Den Verlauf müssen Sie separat löschen, und bereits trainierte Modelle behalten, was sie gelernt haben.
Ist ein Bezahl-Abo datenschutzfreundlicher?
Nicht automatisch. Plus-, Pro- oder AI-Pro-Abos für Privatkunden folgen denselben Datenschutzregeln wie die Gratis-Versionen. Anders ist es bei Business- und Enterprise-Tarifen, für die eigene Vertragsbedingungen gelten.
Welcher Chatbot ist beim Datenschutz am strengsten?
Von den Voreinstellungen her lässt Claude die Trainingsfrage am deutlichsten offen, während ChatGPT und Gemini das Training standardmäßig einschalten. Wer die Schalter bewusst setzt, kann aber bei allen drei Diensten verhindern, dass neue Chats ins Training fließen.
Fazit
Die wichtigste Einstellung ist bei allen drei KI-Chatbots dieselbe: der Schalter, der über das Training mit Ihren Chats entscheidet. Legen Sie ihn einmal bewusst fest, nutzen Sie für heikle Fragen den privaten Modus und löschen Sie alte Unterhaltungen regelmäßig. Da die Anbieter ihre Richtlinien häufig ändern, aktualisieren wir diesen Ratgeber, sobald sich Fristen oder Einstellungen ändern.
Titelbild: Jernej Furman, CC BY 2.0 (Wikimedia Commons).










