Ob Liebeskummer, Schulden oder Stress im Job: Viele Menschen in Deutschland schütten ihr Herz inzwischen einem KI-Chatbot aus. Das legt eine am 24. September veröffentlichte Umfrage des E-Mail- und VPN-Anbieters Proton nahe. Demnach haben 68 Prozent der befragten deutschen Chatbot-Nutzer schon mindestens einmal ein sensibles Thema mit einer KI besprochen. Bemerkenswert ist der Widerspruch dahinter: Einen großen Teil der Befragten plagen gleichzeitig deutliche Zweifel, ob die Anbieter mit diesen Daten sorgsam umgehen.
Wer wurde befragt?
Nach eigenen Angaben hat Proton online 4.014 Menschen befragt, die regelmäßig KI-Chatbots verwenden – verteilt auf vier Märkte: Deutschland, Frankreich, das Vereinigte Königreich und die Vereinigten Staaten. Laut dpa lief die Erhebung vom 22. Juli bis 2. August 2026. Der Fragebogen umfasste rund ein Dutzend Fragen und wurde ohne Proton-Branding ausgespielt, damit das Image des Unternehmens die Antworten nicht beeinflusst. Wie viele Personen pro Land teilgenommen haben und ob ein externes Institut beteiligt war, geht aus der Veröffentlichung nicht hervor.
Wichtig für die Einordnung: Proton bietet mit Lumo selbst einen KI-Assistenten an, der mit Datenschutz wirbt. Das Unternehmen hat also ein Interesse an Ergebnissen, die Datenschutzsorgen betonen. Die Zahlen sind deshalb eine Momentaufnahme, keine unabhängige Studie.
Die wichtigsten Zahlen für Deutschland
| Frage | Deutschland | Alle vier Länder |
|---|---|---|
| Schon ein sensibles Thema mit KI besprochen | 68 % | 66 % |
| Wenig oder kein Vertrauen in den Datenschutz der KI-Firmen | 40,5 % | 42 % |
| Sorge vor Werbe- und Marketingprofilen | 51 % | k. A. |
| Sorge, dass Chats fürs KI-Training genutzt werden | 43 % | k. A. |
| Würde mehr teilen, wenn Chats nicht ins Training fließen | 43,9 % | 48 % |
| Interesse an einem datenschutzfreundlichen Chatbot | 71,1 % | etwa 80 % |
Quelle: Proton-Blog und dpa-Bericht vom 24.09.2026. „k. A.“ = in den Quellen nicht als Gesamtwert genannt.
Bei den heiklen Themen liegt in Deutschland die psychische Gesundheit vorn. Länderübergreifend nennen die Befragten am häufigsten persönliche Finanzen, Karriereprobleme und psychische Gesundheit; seltener geht es um Beziehungen, Familienkonflikte, Sexualität oder persönliche Geheimnisse. Als wichtigsten Grund, sich mit solchen Fragen an eine KI zu wenden, gaben die deutschen Befragten laut Protons Grafiken vor allem Bequemlichkeit an – der Chatbot ist rund um die Uhr erreichbar. Freunde und Familie bleiben aber bei allen Themen die bevorzugten Ansprechpartner.
Deutsche sind skeptisch – aber weniger als Briten und Amerikaner

Im Vergleich der vier Länder fällt auf: Die Sorge vor Werbeprofilen ist überall größer als die Sorge vor dem KI-Training. In Deutschland ist beides am schwächsten ausgeprägt. Während in den USA 65 Prozent fürchten, dass aus ihren Chats ein Werbeprofil entsteht, sind es hierzulande 51 Prozent. Beim Training liegt Deutschland mit 43 Prozent ebenfalls hinten. Eine mögliche Erklärung, die die Umfrage selbst allerdings nicht prüft: In der EU schränkt die DSGVO die Verarbeitung von Gesundheitsdaten besonders ein, das Vertrauen in den rechtlichen Rahmen könnte also höher sein.
Rechtlich ist das Thema heikel: Wer einem Chatbot von seiner Therapie, einer Krankheit oder dem Sexualleben erzählt, gibt Informationen preis, die nach Art. 9 DSGVO zu den besonders geschützten Kategorien personenbezogener Daten zählen können. Welche Anbieter solche Inhalte wie lange speichern und ob sie in Werbesysteme einfließen, regelt jeweils die Datenschutzerklärung – ein Blick hinein lohnt sich.
Was bedeutet das für Sie?
Die Umfrage ändert nichts an der Technik, erinnert aber daran, dass Chats mit einer KI keine Privatgespräche sind. Einige Einstellungen helfen, die Datenweitergabe zu begrenzen:
- ChatGPT: In den Einstellungen unter den Datenkontrollen können Sie der Nutzung Ihrer Chats für die Modellverbesserung widersprechen.
- Gemini: Schalten Sie „Aktivitäten speichern“ ab, verwendet Google neue Chats nicht mehr fürs Training, speichert sie aber bis zu 72 Stunden.
- Claude: Anthropic trainiert nur mit Chats, wenn die Einstellung zur Modellverbesserung aktiv ist; Inkognito-Chats sind grundsätzlich ausgenommen.
Einen ausführlichen Überblick über Tarife und Datenschutz-Voreinstellungen der drei großen Assistenten finden Sie in unserem Vergleich ChatGPT vs. Gemini vs. Claude. Wie Unternehmen und Verbände die DSGVO gerade verändern wollen, lesen Sie im Bericht über die Bitkom-Umfrage zur DSGVO-Reform.
Grundsätzlich gilt: Ein Chatbot ersetzt keine ärztliche, psychologische oder finanzielle Beratung. Wer in einer akuten seelischen Krise steckt, findet bei der Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 rund um die Uhr kostenlos Hilfe.
Häufige Fragen
Wie viele Deutsche sprechen mit KI über private Themen?
Laut der Proton-Umfrage haben 68 Prozent der befragten deutschen Chatbot-Nutzer mindestens ein sensibles Thema mit einer KI besprochen. Befragt wurden nur Menschen, die Chatbots bereits aktiv nutzen – nicht die Gesamtbevölkerung.
Welches Thema steht in Deutschland an erster Stelle?
Die psychische Gesundheit. Über alle vier Länder hinweg gehören außerdem Finanzen und berufliche Probleme zu den häufigsten heiklen Themen.
Wie unabhängig ist die Umfrage?
Proton hat die Befragung selbst durchgeführt und vermarktet mit Lumo einen eigenen Datenschutz-Chatbot. Ein externes Institut wird nicht genannt. Die Ergebnisse sind daher mit Vorsicht zu lesen.
Kann ich verhindern, dass meine Chats fürs Training genutzt werden?
Bei ChatGPT, Gemini und Claude lässt sich die Trainingsnutzung in den Einstellungen einschränken. Sensible Daten wie Gesundheitsinformationen sollten Sie trotzdem nur sparsam eingeben.










