Ein einzelner Entwickler stellt Microsoft Office drei kostenlose Nachbauten gegenüber: WordCraft für Texte, GridCraft für Tabellen und DeckCraft für Präsentationen. Hinter den Programmen steht Brandon Thomas mit seinem Projekt ArtCraft, das zuvor bereits Open-Source-Alternativen zu Photoshop, Premiere und anderen Adobe-Anwendungen vorgestellt hatte. Die ersten Versionen der drei Office-Apps erschienen am 7. Oktober 2026 auf GitHub; geschrieben sind sie in der Programmiersprache Rust, und zwar zu einem großen Teil mit Hilfe der KI Claude.

Das Interesse ist groß: Am Montag, dem 12. Oktober, zählte das WordCraft-Repository rund 7.900 Sterne und 2.200 Forks. GridCraft kam auf etwa 3.400, DeckCraft auf etwa 2.300 Sterne.

Was können WordCraft, GridCraft und DeckCraft?

Alle drei Programme übernehmen bewusst Aufbau und Bedienlogik der Microsoft-Vorbilder, inklusive Menüband (Ribbon). Laut den Projektseiten handelt es sich um einen sogenannten Clean-Room-Nachbau: Der Code stammt nicht von Microsoft, sondern wurde neu geschrieben. Wichtig für die Praxis: Die Apps lesen und schreiben die Office-Formate direkt.

AppVorbildWichtige Funktionen laut ProjektReifegrad laut Entwickler
WordCraftMicrosoft Word.docx, Formatvorlagen, Tabellen, Änderungsverfolgung, Kommentare, Serienbrief, Zitierstile (APA, MLA, Chicago, IEEE), PDF-Export, Rechtschreibprüfung offlineAlpha, rund 60 % Funktionsumfang von Word
GridCraftMicrosoft Excel.xlsx mit Formeln und Diagrammen, 513 von 523 Excel-Funktionen, LET/LAMBDA, PivotTables, 17 DiagrammtypenAlpha, etwa 50 % reif für produktive Arbeit
DeckCraftMicrosoft PowerPointDesigns, Folienmaster, über 150 Formen, Übergänge und Animationen, PowerPoint-Import/-Export, PDF-ExportAlpha, etwa 55 % reif für produktive Arbeit
GridCraft mit einer PivotTable und dem Feldbereich am rechten Rand
Bild: ArtCraft

Eine Besonderheit richtet sich an Entwickler und KI-Agenten: Jede App lässt sich über eine Kommandozeile, einen JSON-Steuerkanal und einen MCP-Server fernsteuern. KI-Assistenten können damit etwa Dokumente erzeugen oder Tabellen befüllen, ohne Maus und Tastatur. Wir haben die Programme nicht selbst installiert; die Angaben stammen aus den GitHub-Seiten und der offiziellen Projektseite.

Welche Rolle spielt Claude?

Auf GitHub ist die Entstehung nachvollziehbar: Viele Änderungen im WordCraft-Repository führen neben dem Entwickler-Konto „echelon“ auch Claude als Co-Autor. Thomas setzt also stark auf KI-gestütztes Programmieren, bei dem ein Sprachmodell große Teile des Codes schreibt und der Mensch steuert und prüft. Wie viel Arbeit genau auf die KI entfällt, lässt sich von außen nicht exakt beziffern.

Das Tempo ist trotzdem bemerkenswert. Zwischen Version 0.1.0 am 7. Oktober und Version 0.5.0 am 11. Oktober lagen nur vier Tage. Für Adobe ist das doppelt brisant: Der Konzern bindet Claude gerade selbst an seine Programme an, wie die Integration von Photoshop und Acrobat in Claude zeigt, während dieselbe KI hier beim Bau kostenloser Konkurrenzprodukte hilft.

DeckCraft mit Folienübersicht links und einer Ablaufgrafik auf der aktuellen Folie
Bild: ArtCraft

Preis, Lizenz und Systeme

Die Apps sind kostenlos und stehen wahlweise unter MIT- oder Apache-2.0-Lizenz. Ein Konto ist nicht nötig. Installationspakete gibt es für Windows (auch ARM64), macOS, Linux (u. a. AppImage, Flatpak, Deb, RPM) und FreeBSD, außerdem eine Browser-Version per WebAssembly. Wer mehrere „Craft“-Programme nutzen will, kann sie über den ArtCraft Launcher installieren und aktuell halten.

Lohnt sich der Umstieg schon?

Für den Arbeitsalltag eher noch nicht. Die Entwickler bezeichnen alle drei Programme selbst als Alpha. Bei GridCraft heißt es sinngemäß, der grundlegende Ablauf funktioniere, Tiefe und Dateikompatibilität seien aber noch holprig. Wer es ausprobieren möchte, sollte deshalb nur mit Kopien wichtiger Dateien arbeiten.

Interessant ist das Projekt dennoch, gerade in Deutschland. Viele Nutzer suchen nach Alternativen zu Microsoft 365, sei es wegen steigender Preise, kleinerer Speicherkontingente oder aus Datenschutzgründen. Lokale Programme ohne Konto und Cloud-Zwang passen gut zu DSGVO-sensiblen Umgebungen. Etablierte Alternativen wie LibreOffice sind allerdings deutlich ausgereifter. Wer noch Office 2021 nutzt, dessen Support am 13. Oktober endet, sollte daher nicht vorschnell auf eine Alpha-Software umsteigen.

Häufige Fragen

Sind WordCraft, GridCraft und DeckCraft kostenlos?

Ja. Die Programme sind Open Source unter MIT- oder Apache-2.0-Lizenz und ohne Konto nutzbar.

Können die Apps Word-, Excel- und PowerPoint-Dateien öffnen?

Ja, sie lesen und schreiben .docx, .xlsx und .pptx. Da es sich um Alpha-Versionen handelt, können komplexe Dokumente aber anders aussehen als in Office.

Hat Microsoft etwas mit dem Projekt zu tun?

Nein. Es handelt sich um ein unabhängiges Projekt von ArtCraft, das nach eigenen Angaben keinen Microsoft-Code verwendet.