Das Video ruckelt im Schlafzimmer, die Videokonferenz bricht im Arbeitszimmer ab, und der Speedtest am Handy zeigt nur einen Bruchteil der gebuchten Geschwindigkeit. Wer sein WLAN verbessern möchte, denkt oft zuerst an einen schnelleren Tarif. Meist liegt das Problem aber in der Wohnung: am Standort des Routers, an Wänden, Störquellen oder überfüllten Funkkanälen. Dieser Ratgeber zeigt Ihnen, welche Maßnahmen wirklich helfen – beginnend mit den kostenlosen.
Liegt es am WLAN oder am Anschluss?
Bevor Sie am WLAN schrauben, sollten Sie klären, wo der Engpass liegt. Verbinden Sie dazu einen Laptop per LAN-Kabel direkt mit dem Router und messen Sie die Geschwindigkeit.
- Per Kabel ist es schnell, per WLAN langsam? Dann liegt das Problem im Funknetz, und die Tipps in diesem Ratgeber helfen.
- Auch per Kabel ist es langsam? Dann ist wahrscheinlich der Anschluss selbst das Problem. Wie Sie eine zu geringe Leistung nachweisen und welche Anschlussart sich lohnt, lesen Sie in unserem Vergleich Glasfaser vs. DSL vs. Kabel.
Wichtig ist auch das Endgerät: Ein fünf Jahre altes Smartphone mit Wi-Fi 5 kann einen Wi-Fi-7-Router nicht ausreizen.
Wo sollte der Router stehen?
Der Standort ist der wirksamste und zugleich kostenlose Hebel. Funkwellen breiten sich kugelförmig aus und werden von Hindernissen gedämpft. Beachten Sie deshalb diese Regeln:
- Zentral statt in der Ecke: Der Router gehört möglichst in die Mitte der Wohnung, nicht in den Flur am äußersten Ende, nur weil dort die Telefondose sitzt. Ein längeres Kabel zur Dose ist oft die beste Investition.
- Erhöht statt am Boden: Ein Platz im Regal oder an der Wand ist besser als der Fußboden hinter dem Sofa. Auch der Hersteller FRITZ! empfiehlt, die Box möglichst weit oben zu platzieren.
- Frei statt versteckt: Kein Schrank, keine Metallkiste, kein Platz hinter dem Fernseher.
- Abstand zu Störquellen: Mikrowellen, Babyphones, DECT-Telefone, Bluetooth-Lautsprecher und große Metallflächen können das Signal stören.
- Antennen ausrichten: Hat der Router externe Antennen, stellen Sie eine senkrecht und eine waagerecht – so werden Geräte in unterschiedlichen Lagen besser erreicht.
Besonders stark dämpfen Stahlbetondecken, Fußbodenheizungen, Spiegel, Aquarien und Wärmeschutzverglasung. Über zwei Stockwerke reicht ein einzelner Router deshalb häufig nicht.
2,4, 5 oder 6 GHz – welches Band ist das richtige?
Moderne Router funken gleichzeitig auf mehreren Frequenzbändern. Jedes hat eigene Stärken:
| Frequenzband | Reichweite | Tempo | Störanfälligkeit | Geeignet für |
|---|---|---|---|---|
| 2,4 GHz | hoch, durchdringt Wände besser | eher niedrig | hoch (viele Nachbarnetze, Bluetooth) | Smart-Home-Geräte, entfernte Räume |
| 5 GHz | mittel | hoch | mittel | Streaming, Laptops, Smartphones |
| 6 GHz | geringer | sehr hoch | niedrig | aktuelle Geräte im selben oder im Nachbarraum |
Das 6-GHz-Band ist in Deutschland seit 2021 für WLAN freigegeben. Die Bundesnetzagentur hat damals den Bereich von 5945 bis 6425 MHz zugeteilt und damit das Spektrum für WLAN fast verdoppelt. Nutzen können es Router und Endgeräte mit Wi-Fi 6E oder Wi-Fi 7. Weil dort noch wenige Netze funken, ist das Band besonders ruhig.
In der Regel sollten Sie für alle Bänder denselben Netzwerknamen (SSID) verwenden. Der Router entscheidet dann selbst, welches Gerät welches Band nutzt (Band Steering).
Hilft ein anderer WLAN-Kanal?
Im 2,4-GHz-Band überlappen sich viele Kanäle. In Mehrfamilienhäusern mit Dutzenden Nachbarnetzen kann das die Geschwindigkeit erheblich drücken. Aktuelle Router wählen den Kanal aber automatisch und wechseln bei Störungen selbstständig. Meist ist es daher besser, die automatische Kanalwahl eingeschaltet zu lassen.
Nur wenn Sie gezielt Probleme sehen, lohnt sich ein Blick in die Router-Oberfläche. Bei der FRITZ!Box zeigt etwa die Übersicht der Funkumgebung, welche Kanäle in Ihrer Nachbarschaft belegt sind. Im 2,4-GHz-Band sind die Kanäle 1, 6 und 11 die klassischen Kanäle, die sich nicht überlappen.
Mesh, Repeater oder Powerline – was bringt mehr Reichweite?
Reicht ein Router trotz guten Standorts nicht, brauchen Sie zusätzliche Zugangspunkte. Die Optionen im Überblick:
| Lösung | So funktioniert es | Vorteile | Nachteile |
|---|---|---|---|
| Einfacher Repeater | empfängt WLAN und sendet es weiter | günstig, schnell eingerichtet | halbiert oft die Geschwindigkeit, eigenes Netz |
| Mesh-System | mehrere Geräte bilden ein gemeinsames Netz | ein Netzname, nahtloser Wechsel, zentral verwaltet | teurer, braucht gute Platzierung |
| LAN-Zugangspunkt | zweiter Zugangspunkt per Netzwerkkabel | beste Geschwindigkeit, stabil | Kabel muss verlegt werden |
| Powerline (dLAN) | Daten über die Stromleitung, dann WLAN | nutzt vorhandene Steckdosen | abhängig von der Hausinstallation |
Mesh ist heute die komfortabelste Lösung. Alle Geräte teilen sich einen Netzwerknamen, und Smartphones wechseln beim Gang durch die Wohnung automatisch zum stärksten Punkt. FRITZ!-Router bringen Mesh bereits mit, und viele Hersteller wie TP-Link, Netgear, Asus, Eero oder Google bieten eigene Systeme an. Mischen Sie verschiedene Hersteller nur, wenn diese ausdrücklich kompatibel sind (etwa über den Standard EasyMesh).
Der wichtigste Tipp für Mesh und Repeater: Stellen Sie das Zusatzgerät nicht dort auf, wo das WLAN schon schlecht ist, sondern auf halber Strecke zwischen Router und Funkloch. Es kann nur weitergeben, was es gut empfängt. Noch besser ist eine Verbindung der Mesh-Punkte per LAN-Kabel (sogenannter LAN-Backhaul).
Welche Einstellungen im Router helfen noch?
- Firmware aktualisieren: Updates verbessern Stabilität und Leistung und schließen Sicherheitslücken. Aktivieren Sie automatische Updates, wenn der Router sie anbietet.
- WPA3 aktivieren: Das BSI empfiehlt den aktuellen Verschlüsselungsstandard WPA3. Wenn ältere Geräte nicht mitkommen, bietet sich der Mischmodus WPA2/WPA3 an.
- Starkes WLAN-Passwort: Laut BSI sollte ein selbst gewähltes WLAN-Passwort mindestens 20 Zeichen haben.
- Gastnetz nutzen: Besucher und Smart-Home-Geräte landen im Gastnetz und haben keinen Zugriff auf Ihre Computer.
- Fernzugriff abschalten, wenn Sie ihn nicht brauchen, und das Standardpasswort der Router-Oberfläche ändern.
- Energiesparmodi prüfen: Eine stark reduzierte Sendeleistung spart zwar Strom, kostet aber Reichweite.
Lohnt sich ein neuer Router mit Wi-Fi 7?
Wi-Fi 7 (IEEE 802.11be) bringt breitere Kanäle im 6-GHz-Band und kann mehrere Frequenzbänder gleichzeitig für ein Gerät nutzen (Multi-Link Operation). Das senkt die Latenz und erhöht die Geschwindigkeit – allerdings nur, wenn auch Ihre Endgeräte Wi-Fi 7 unterstützen.
Ein Umstieg lohnt sich vor allem, wenn Ihr Router älter als etwa fünf Jahre ist, keine Updates mehr erhält oder Sie einen schnellen Glasfaseranschluss nutzen. Für einen DSL-Anschluss mit 100 Mbit/s ist ein moderner Wi-Fi-6-Router in der Regel völlig ausreichend. Stellen Sie vor dem Kauf sicher, dass der Router zu Ihrer Anschlussart passt oder mit dem vorhandenen Modem zusammenarbeitet.
Häufige Fragen
Warum ist mein WLAN abends langsamer?
Abends nutzen mehr Nachbarn ihr WLAN, sodass sich die Funkkanäle stärker überlagern – besonders im 2,4-GHz-Band. Beim Kabelinternet teilen sich außerdem viele Haushalte die Bandbreite. Ein Wechsel auf 5 oder 6 GHz oder eine Messung per LAN-Kabel hilft, die Ursache einzugrenzen.
Soll ich 2,4 und 5 GHz trennen?
In der Regel nicht. Mit gemeinsamem Netzwerknamen verteilt der Router die Geräte selbst. Ein getrenntes 2,4-GHz-Netz kann nur dann sinnvoll sein, wenn sich ältere Smart-Home-Geräte sonst nicht einrichten lassen.
Schadet WLAN-Strahlung der Gesundheit?
Nach Einschätzung des Bundesamts für Strahlenschutz ist die Belastung durch drahtlose Anwendungen wie WLAN im Alltag sehr gering und liegt typischerweise weit unter den empfohlenen Höchstwerten. Wer die Belastung dennoch senken möchte, kann den Router nachts per Zeitschaltung deaktivieren und ihn nicht direkt neben dem Bett aufstellen.
Wie viele Mesh-Punkte brauche ich?
Für eine Wohnung bis etwa 100 Quadratmeter genügt meist der Router plus ein Mesh-Punkt. Bei Häusern über mehrere Etagen ist ein Zugangspunkt pro Stockwerk ein guter Richtwert – idealerweise per LAN-Kabel angebunden.
Fazit
Bevor Sie Geld ausgeben, prüfen Sie Standort, Frequenzband und Firmware – diese Maßnahmen kosten nichts und bringen oft den größten Unterschied. Reicht ein Router dann immer noch nicht für alle Räume, ist ein Mesh-System die komfortabelste Lösung, eine Kabelverbindung zum zweiten Zugangspunkt die schnellste. Und wenn es sogar per LAN-Kabel langsam ist, sollten Sie Ihren Anschluss unter die Lupe nehmen.











