Meta plant ein neues Seekabel durch den Atlantik, das mehr Daten transportieren soll als jede bisherige Ozeanverbindung. Das System mit dem Namen Petal führt auf etwa 7.000 Kilometern von den USA an die Atlantikküste Frankreichs und soll 1 Petabit pro Sekunde übertragen. Angekündigt hat der Konzern das Projekt am 21. September 2026, die Inbetriebnahme ist für 2029 vorgesehen.

Bemerkenswert ist weniger die reine Zahl als der Weg dorthin: Statt mehr Glasfasern in das Kabel zu packen, nutzt Meta Fasern mit zwei Kernen. Diese Technik kommt damit erstmals über eine transozeanische Distanz zum Einsatz.

Wer baut Petal und wo landet das Kabel?

Petal ist ein Projekt, das Meta allein entwickelt und betreiben wird – anders als viele Seekabel, die von Konsortien aus Netzbetreibern finanziert werden. Die Aufgaben der Partner verteilen sich so:

PartnerRolle
MetaEntwickler und Betreiber
NEC (Japan)Generalunternehmer: Systemdesign, Verstärker (Repeater), Fertigung, Verlegung
Sumitomo Electric (Japan)Liefert die verlustarme Zweikern-Faser
Orange (Frankreich)Anlandung an der französischen Atlantikküste

Laut dem Branchendienst Submarine Networks betreibt Orange die Landestation und stellt die Weiterleitung über Land zu den großen europäischen Rechenzentrumsstandorten bereit. Welche Standorte das sind und an welchen Orten das Kabel in den USA und in Frankreich an Land geht, hat Meta bislang nicht veröffentlicht. Ob Frankfurt als größter deutscher Internetknoten direkt angebunden wird, ist damit offen.

Wie viel ist 1 Petabit pro Sekunde?

Ein Petabit entspricht 1.000 Terabit. Meta veranschaulicht das so: Die Kapazität würde reichen, damit etwa drei Viertel der Weltbevölkerung gleichzeitig Musik streamen.

Aussagekräftiger ist der Vergleich mit Metas eigenen Atlantikkabeln. Jede Generation hat die Kapazität deutlich gesteigert, Petal verdoppelt sie gegenüber dem direkten Vorgänger Anjana:

Kapazität von Metas Atlantikkabeln Marea, Amitié, Anjana und Petal im Vergleich
Grafik: dasTECHNO · Daten: Meta, Submarine Networks
KabelInbetriebnahmeFaserpaareKapazität
Marea (USA–Spanien)20188ca. 200 Tbit/s
Amitié (USA–Großbritannien/Frankreich)202316320 Tbit/s
Anjana (USA–Spanien)202524ca. 500 Tbit/s
Petal (USA–Frankreich)2029 (geplant)24 (je 2 Kerne)1.000 Tbit/s

Die Faserpaar-Zahlen stammen aus Metas Engineering-Blog, die Kapazitäten für Marea und Amitié aus der Übersicht von Submarine Networks. Amitié gehört Meta nicht allein, der Konzern ist dort einer von mehreren Partnern.

Warum zwei Kerne pro Faser?

Der eigentliche Engpass eines Seekabels ist der Strom. Am Meeresgrund frischen Verstärker das Lichtsignal regelmäßig auf – bei Petal rechnerisch etwa alle 70 Kilometer. Diese Repeater werden über das Kabel selbst von der Küste aus versorgt, und die Spannung der Speisegeräte ist begrenzt. Mehr Faserpaare bedeuten mehr Verstärker und damit mehr Leistungsbedarf.

Meta umgeht das, indem jede Faser zwei Lichtwege erhält. Die wichtigsten Eckdaten laut Engineering-Blog:

  • 24 Faserpaare mit je zwei Kernen – das entspricht einem klassischen System mit 48 Paaren bzw. 96 Kernen.
  • Außendurchmesser der Faser: 125 Mikrometer, also derselbe wie bei herkömmlicher Einkernfaser. Fertigung und Kabelaufbau können weitgehend gleich bleiben.
  • Rund 100 Repeater auf der Strecke, jeweils mit 96 Verstärkern in einem Gehäuse.
  • Die Stromversorgung bleibt innerhalb der üblichen 18 Kilovolt heutiger Speiseanlagen.
  • Damit sich die beiden Kerne nicht gegenseitig stören, laufen die Signale in entgegengesetzten Richtungen. Das Übersprechen sei dadurch kaum noch messbar, schreibt Meta.
Darstellung einer Glasfaser aus Metas Engineering-Beitrag zu Petal
Bild: Meta

Meta bezeichnet Petal als den größten Generationssprung, den es bei Seekabeln mit Repeatern je gegeben hat. Überprüfen lässt sich diese Aussage erst, wenn das System in Betrieb ist.

Was bedeutet Petal für Nutzer in Deutschland?

Direkt landet Petal nicht in Deutschland. Trotzdem ist die Verbindung für deutsche Nutzer relevant: Ein großer Teil des Datenverkehrs zwischen Europa und den USA läuft über Seekabel, die in Frankreich, Großbritannien, Irland oder Spanien anlanden, und wird von dort über Land weitergeleitet. Meta nennt als Anwendungszweck vor allem das Wachstum von KI-Diensten und den Austausch zwischen Rechenzentren diesseits und jenseits des Atlantiks. Konkrete Angaben zu kürzeren Latenzen oder schnelleren Diensten für Endkunden macht der Konzern nicht.

Politisch passt das Projekt in eine Debatte, die in Europa seit Monaten geführt wird. Nach Beschädigungen von Kabeln in der Ostsee hat die EU-Kommission im Februar 2025 einen Aktionsplan zur Sicherheit von Seekabeln vorgelegt. Er setzt auf Vorbeugung, Überwachung, schnellere Reparatur und Abschreckung. Jede zusätzliche Atlantikverbindung erhöht grundsätzlich die Ausfallsicherheit. Gleichzeitig wächst mit Kabeln wie Petal der Anteil der Infrastruktur, der einzelnen US-Konzernen gehört – ein Punkt, der in Diskussionen über digitale Souveränität regelmäßig auftaucht.

Hintergrund: Tech-Konzerne bauen ihre eigenen Datenleitungen

Meta ist einer der aktivsten Investoren bei Seekabeln. Marea, das 2018 zusammen mit Microsoft in Betrieb ging, verbindet Virginia Beach mit dem spanischen Bilbao. Es folgten Amitié mit Anlandungen in den USA, Großbritannien und Frankreich sowie Anjana, eine weitere Verbindung zwischen den USA und Spanien. Auch Google und Amazon betreiben eigene Kabel. Einen ähnlichen Infrastruktur-Ehrgeiz zeigt Google gerade im All: Das Projekt Suncatcher soll KI-Chips in den Orbit bringen.

Zu Kosten und Beginn der Verlegung hat Meta keine Angaben gemacht.

Häufige Fragen

Wann geht Petal in Betrieb?

Meta plant den Start für 2029. Ein genaueres Datum gibt es nicht.

Wird Deutschland direkt an Petal angeschlossen?

Nein, das Kabel verläuft zwischen den USA und Frankreich. Über welche Landverbindungen der Verkehr danach weiterläuft, ist nicht bekannt.

Was ist eine Mehrkernfaser?

Eine Glasfaser, in der mehrere lichtleitende Kerne nebeneinander liegen. Bei Petal sind es zwei Kerne pro Faser, was bei gleichem Durchmesser die Kapazität verdoppelt.

Welche Rolle spielt Orange?

Der französische Netzbetreiber unterstützt die Anlandung in Frankreich. Laut Submarine Networks betreibt Orange die Landestation und die Weiterleitung ins europäische Festlandnetz.